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19

Okt

2011

Aufwendiger Schwerlasttransport auf der Saale

Zwei Großbehälter für Schkopau reisen auf der Saale durchs Land. Die Saale ist in den vergangenen drei Tagen wieder ihrer Bestimmung als zukunftsweisender, alternativer Transportweg gerecht geworden. Ein von der Deutschen Binnenreederei durchgeführter Schwerlasttransport brachte zwei Industriegroßbehälter von Fürstenwalde an der Spree bis nach Pfützthal. 

Transportiert wurden die zwei 105-Tonnen-Kolosse auf zwei 94 Meter langen und 8,20 Meter breiten Schubschiffen. Wegen der derzeitigen Fahrrinnentiefe von bis zu 2,40 Meter auf der Elbe und etwa 2,06 Meter auf der Saalestrecke 2 (von Calbe bis zur Elbemündung) konnten die beiden Schubverbände ohne Probleme von der Elbe in die Saale fahren. Die Saalestrecke 2 ist jahreszeitenbedingt eine Problemstrecke, da die Saale hier im Sommer oft nicht tiefer als 1,40 Meter ist. Derzeit ist die Nutzung der umweltfreundlichen Binnenschifffahrt auf Elbe und Saale gut möglich. Der Weg der beiden Schubverbände führte von Fürstenwalde unter anderem über den Oder-Spree-Kanal, den Teltowkanal, die Havel, den Elbe-Havel-Kanal, die Elbe und die Saale bis nach Pfützthal. Die Schiffe legten mehr als 300 Kilometer zurück und passierten ein Dutzend Schleusen. Heute sollen beide Schiffe an der Anlegestelle Pfützthal entladen und für den Straßentransport bis nach Schkopau auf Spezialfahrzeuge umgeladen werden. Gegen 19 Uhr soll sich der Schwerlastkonvoi laut Polizei in Bewegung setzen. Für das letzte Wegstück müssen Straßen gesperrt und die Leitungen an Bahnübergängen mit elektrifiziertem Betrieb unterquert werden.

Ein Umladen im Hafen Halle ist nicht möglich, weil die Spezialfahrzeuge dann durch die Stadt fahren müssten. Die überwiegend in den neuen Bundesländern eingesetzten Schubleichter der Deutschen Binnenreederei sind wegen ihrer hohen Tragfähigkeit bei einem relativ geringen Leertiefgang besonders für die Transporte auf Elbe und Saale geeignet. Die bei diesem Schwerlasttransport eingesetzten Schubverbände hätten nach Angaben der Deutschen Binnenreederei unter den derzeitigen Bedingungen jeweils 700 Tonnen laden können. „So könnte beispielsweise Massengut aus dem Bernburger Raum über die Elbe zum Wasserstraßenkreuz Magdeburg und von dort auf dem Kanalnetz nach Duisburg oder Hamburg transportiert werden“, sagt Manfred Sprinzek vom Verein zur Hebung der Saaleschifffahrt, der auch Mitglied im Saale-Bündnis ist. „Dazu ist aber die vom Bundesverkehrsministerium zugesagte Unterhaltung der Elbe auf eine Tauchtiefe von mindestens 1,60 Meter an 345 Tagen im Jahr und die seit 1992 im vordringlichen Bedarf der Bundesverkehrswegepläne enthaltene Vollendung des Saale-Ausbaus mit dem Saale-Seitenkanal notwendig.“ Für Letzteren wurde gerade eine neue Wirtschaftlichkeitsprüfung in Auftrag gegeben.

Hintergrund: Zu dem unabhängigen und überparteilichen Saale-Bündnis haben sich am 6. August Vertreter unterschiedlichster Interessengruppen zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für die Vollendung des Saale-Ausbaus und gegen die Herabstufung des Flusses zur Rest-Wasserstraße zu engagieren. Sie fordern unter anderem einen vom Bund bereits zugesagten Scopingtermin zum Bau des Saale-Seitenkanals mit einer objektiven Kosten-Nutzen-Analyse. Für die Bündnismitglieder zählen dabei nicht nur die Unternehmen in der Saale-Region, sondern auch die infrastrukturellen und touristischen Entwicklungen, die an die Saale als funktionierende Wasserstraße gebunden sind. Auf der Internetseite www.saale-buendnis.de kann jeder die Initiative unterstützen und somit für die Saale und die Region stimmen. Mehr als 4500 Menschen haben das bereits getan. Nach den Plänen des Bundesverkehrsministeriums soll angesichts knapper Kassen nur noch in die für die Binnenschifffahrt wichtigen Wasserstraßen investiert werden, die sich fast ausnahmslos in den alten Bundesländern befinden. Für die Bewertung der Flüsse und Kanäle wird vor allem die auf Schiffen transportierte Gütermenge herangezogen. Experten fordern hingegen, Aspekte wie Verkehrs-, Erschließungs und Zugangsfunktionen sowie die Wertschöpfung für Wirtschaft und Tourismus stärker zu berücksichtigen. Aktuell gibt es sieben Kategorien – vom Vorrangnetz bis zur Rest-Wasserstraße. Die Kategorie „Rest-Wasserstraße“ sieht weder Ausbau noch Optimierung oder Unterhaltung vor. Der Schleusenbetrieb würde eingestellt und die Schiffbarkeit des Flusses ginge verloren.

 

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