Di
15
Nov
2011
Schulkinowoche Autorin LUCY VAN ORG
Im Alltag von Kindern und Jugendlichen nehmen Filme einen breiten Raum ein. Doch um das Gesehene bewusst wahrnehmen zu können und in den eigenen Erfahrungshorizont einzuordnen, ist filmanalytisches Handwerkszeug gefragt. Dazu gehört Wissen über Filmsprache und Filmgeschichte sowie über Zusammenhänge zwischen Filmproduktion und Entstehungszeit. Genau wie das Lesen von Büchern will das Sehen von Filmen gelernt sein.
Dann kann im Kino so viel Lernstoff stecken wie in einer ganzen Bibliothek. Wir, Vision Kino - Netzwerk für Film- und Medienkompetenz und die Stiftung Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar, wollen mit unserem Projekt die Medienkompetenz der Schüler/innen stärken und das Kino als Ort der kulturellen Bildung etablieren. Um dieses Ziel zusammen zu verwirklichen, laden wir Lehrer/innen und Schüler/innen jährlich in der dritten Novemberwoche ein, das Klassenzimmer mit dem Kinosaal zu tauschen. Etwa 66 Spielstätten in Thüringen und Sachsen-Anhalt zeigen zum ermäßigten Eintrittspreis an den Vormittagen jeweils Filme für alle Klassenstufen, von Grund- bis zur Berufsschule. Dabei sind brandaktuelle Filme und Klassiker, originalsprachliche Filme, Dokumentarfilme, Animations- und Kurzfilme. Zum diesjährigen Schwerpunkt zeigt jedes Kino mindestens einen Film.
Im vollen Bernburger Kino Capitol Kino sahen sich heute Schülerinnen und Schüler den Film „Lollipop Monster“ an, um im Anschluss mit der Drehbuchautorin Luci van Org über ihr Regiedebüt zu diskutieren. Bei diesen Sonderveranstaltungen können die Schüler/innen mit Filmemacher/innen, Schauspieler/innen und Referent/innen ins Gespräch kommen. Zur Vor- und Nachbereitung des Kinobesuchs im Unterricht stellen wir den Lehrer/innen kostenlos didaktisch aufbereitetes Begleitmaterial zur Verfügung. Zusätzliche Lehrerfortbildungen der Bundeszentrale für politische Bildung erleichtern den Lehrer/innen den Einstieg in die Filmanalyse. Außerdem können sich im Anschluss an die Projektwoche junge Filmkritiker/innen an einem Schülerschreibwettbewerb beteiligen.
Im diesem Film ging es um zwei 15-jährige Mädchen, die sich zu Hause unverstanden und eingesperrt fühlen. Sie spüren sexuelle und gewalttätige Triebe und Instinkte in sich wachsen, die mit Macht nach außen drängen. Nachdem sie sich von ihren Müttern unverstanden und nicht respektiert fühlen, hohlen sie sich die Anerkennung „draußen“ bei erwachsenen Männern, in düsteren Clubs, bei der „Jagd“ auf der Straße. Sie verändern ihr Äußeres, ihr Verhalten und ergeben sich in wilden Gewaltphantasien. Das alles wird von Ziska Riemann, die als Comic-Zeichnerin bekannt wurde, illustriert in wilden Bildmontagen, die sich aus Filmszenen Animationen, Super-8-Filmszenen oder Musikvideoclips zusammensetzen.
„Fremde Welten“ Der Titel der diesjährigen SchulKinoWoche mag auf den ersten Blick an Science-Fiction-Abenteuer oder Zivilisationen in fernen Galaxien erinnern, die ja eine große Tradition in Kinoerzählungen haben.
Wir haben damit in diesem Jahr jedoch anderes im Sinn: Wir wollen mit unserem diesjährigen Filmprogramm den Blick auf unterschiedlichste Lebensweisen und –entwürfe, von Generationen, Kulturkreisen, Szenen oder auch Nationalitäten werfen, die oftmals auf engstem Raum nebeneinander leben und dennoch Lichtjahre voneinander entfernt sind.
Dabei richtet sich unsere Aufmerksamkeit nicht nur auf Migranten in Deutschland, ein nicht erst seit Thilo Sarazzin sehr aktuelles Thema.
Wir wollen vor allem auch einen Blick werfen auf den deutschen Alltag, in dem eine Fahrt zwischen der Thüringer Provinz und einer Ruhrmetropole schon einmal zu einem Kulturschock führen kann, und das in beide Richtungen.
Es geht um Ost und West, Stadt und Land, alternative Lebensentwürfe, Träume von einem finanziell abgesicherten Leben, Lebenskünstler, linke und rechte Einstellungen, Gehorsam und Unangepasstheit, Studium oder Ausbildung, Arm und Reich, Nachbarschaft, kurz: um diverse Facetten des Lebens in Deutschland und ihre dazu gehörigen Reibeflächen.
Hierzu sind in den letzten Jahren starke und beeindruckende Filme entstanden, die jeden auch auf sich selbst schauen lassen, auf seine Vorurteile und Ängste. Wir möchten hieran ansetzen und mit unserem ausgewählten Filmprogramm Anregungen zu Diskussionen und Gedanken geben.
Kommentare: 1
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#1
War dies nicht in der neunziger jahren die Sängerin "Lucilectric" ???

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