Di
22
Nov
2011
Halles OB Dagmar Szabados im Interview zum Saale-Ausbau
Halles Oberbürgermeisterin Dagmar Szabados und die meisten Kommunalpolitiker in Sachsen-Anhalts größter Stadt haben ihr klares „Ja“ für den weiteren ökologischen und ökonomischen Ausbau der Saale und den Bau des Saale-Seitenkanals bekräftigt. Erst kürzlich stimmte eine deutliche Mehrheit im Stadtrat für das Projekt zum wiederholten Mal. Denn: Die Vorteile des Vorhabens liegen klar auf der Hand.
„Der Bund muss sicherstellen, dass die Saale eine bedeutende Wasserstraße bleibt und der Region die Chance geben, sich mit ihr und an ihr zu entwickeln“, sagte Szabados, die seit der Gründung des Saale-Bündnisses dessen Forderungen unterstützt und sich auch an der Initiative „Gesicht zeigen“ beteiligt. Allein die vielversprechende Zukunft des Hafens Halle-Trotha als trimodaler Infrastruktur- und Logistikstandort reiche als Argument aus, um den weiteren Saale-Ausbau unumgänglich zu machen. „Wir erwarten Fairness und werden bis zum Schluss dafür einstehen, dass wir sie auch bekommen.“ Auf die Stadt Halle entfallen rund 25 schiffbare Saale-Kilometer. In den Hafen im Stadtteil Trotha wurden bislang rund 30 Millionen investiert.
Kurzinterview:
3 Fragen an … Dagmar Szabados, Oberbürgermeisterin der Stadt Halle Frau Szabados, aus ihrer Sicht droht durch die geplante Herabstufung der Saale als Rest-Wasserstraße ein volks- und privatwirtschaftlicher Schaden. Können sie das näher erläutern? Wer wäre aus ihrer Sicht alles betroffen? Dagmar Szabados: Im Vertrauen auf den Saale-Ausbau sind in Sachsen-Anhalt mehr als 100 Millionen Euro investiert worden. Die Unternehmen in den Städten entlang der Saale haben darauf vertraut, dass damit auch die wirtschaftliche Weiterentwicklung auf dem Wasser kommt, die Schiene und Straße als Transportweg sinnvoll ergänzt. Allein unser Hafen in Trotha hat als trimodaler Umschlagplatz zwischen Wasserstraße, Landstraße und Schiene eine immense wirtschaftliche Bedeutung für den Süden Sachsen-Anhalts. Die Betroffenheit liegt hier deutlich auf der Hand.
Ist die aktuelle Diskussion um die Saale, deren Schiffbarkeit, Bedeutung und Zukunft ein Vertrauensbruch an die regionale Wirtschaft?
Dagmar Szabados: Ja, wenn nicht die Voraussetzungen geschaffen werden, dass wir an der Saale und mit der Saale eine sowohl ökologisch als auch ökonomisch erfolgreiche Entwicklung nehmen können.
Thema Tourismus: Welche konkreten Plänen stehen oder fallen mit den Saale-Plänen des Bundes? Immerhin ist der Wassertourismus in der Region Halle-Leipzig eine ständig wachsende Branche, die immer mehr Menschen Arbeit bietet.
Dagmar Szabados: Halle ist mit einem breiten wassertouristischen Angebot ein gewichtiger Schwerpunkt für den Tourismus in der Region Halle-Leipzig. Zu unserer wassertouristischen Infrastruktur gehören der Stadthafen, Sportbootanleger, Bootsverleih und die Fahrgastschifffahrt. Eine Marina und weitere städtische und private Investitionen sind geplant. Die in diesem Jahr erstmals durchgeführte Flottillenfahrt zum Laternenfest vom Calbe nach Halle hat ja die Potenziale für motorisiertes Wasserwandern aufgezeigt. Es nahmen daran Freizeitschiffer aus ganz Deutschland und den Niederlanden teil. Der Ausbau der Saale würde den mitteldeutschen Wirtschaftsraum Halle-Leipzig vollwertig an das europäische Wasserstraßennetz anschließen. Die Unternehmen an der Saale könnten durch die Nutzung von umweltfreundlichen Schiffstransporten ihre Kosten senken und so die Wettbewerbsfähigkeit ihrer Produkte auf dem Weltmarkt besser sichern.
Terminhinweis:
Am morgigen Mittwoch macht der Kreisverband des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) den Saale-Ausbau zum Thema einer Veranstaltung in Bernburg. Termin ist der 23. November um 11 Uhr im Hotel Fürsteneck (Große Einsiedelsgasse, 06406 Bernburg). Landesverkehrsminister Thomas Webel hat sein Kommen ebenso angekündigt wie zahlreiche Unternehmer der Region. Geplant sind ein Grußwort des Ministers und mehrere Kurzvorträge.
Hintergrund:
Zu dem unabhängigen und überparteilichen Saale-Bündnis haben sich am 6. August Vertreter unterschiedlichster Interessengruppen zusammengeschlossen, um sich gemeinsam für die Vollendung des Saale-Ausbaus und gegen die Herabstufung des Flusses zur Rest-Wasserstraße zu engagieren. Sie fordern unter anderem einen vom Bund bereits zugesagten Scopingtermin zum Bau des Saale-Seitenkanals mit einer objektiven Kosten-Nutzen-Analyse. Für die Bündnismitglieder zählen dabei nicht nur die Unternehmen in der Saale-Region, sondern auch die infrastrukturellen und touristischen Entwicklungen, die an die Saale als funktionierende Wasserstraße gebunden sind. Auf der Internetseite www.saale-buendnis.de kann jeder die Initiative unterstützen. Mehr als 4600 Menschen haben das bereits getan. Nach den Plänen des Bundesverkehrsministeriums soll angesichts knapper Kassen nur noch in die für die Binnenschifffahrt wichtigen Wasserstraßen investiert werden, die sich fast ausnahmslos in den alten Bundesländern befinden. Für die Bewertung der Flüsse und Kanäle wird vor allem die auf Schiffen transportierte Gütermenge herangezogen. Experten fordern hingegen, Aspekte wie Verkehrs-, Erschließungs- und Zugangsfunktionen sowie die Wertschöpfung für Wirtschaft und Tourismus stärker zu berücksichtigen. Aktuell gibt es sieben Kategorien – vom Vorrangnetz bis zur Rest- Wasserstraße. Die Kategorie „Rest-Wasserstraße“ sieht weder Ausbau noch Optimierung oder Unterhaltung vor. Der Schleusenbetrieb würde eingestellt und die Schiffbarkeit des Flusses ginge verloren.
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