Do

24

Nov

2011

Unternehmer diskutieren über Saale-Ausbau in Bernburg

Minister Webel: „Wir werden für die Maßnahme weiter streiten.“ Unternehmer aus der Saale-Region haben am gestrigen Mittwoch in Bernburg im Salzlandkreis über den Ausbau der Saale und den geplanten Saale-Seitenkanal diskutiert. Mehr als 60 Teilnehmer waren auf Einladung des Kreisverbandes des Bundesverbandes mittelständische Wirtschaft (BVMW) gekommen und legten in anregenden und kontroversen Kurzvorträgen und Gesprächen ihren Standpunkt zum Flussausbau dar. 

Zu den Gästen gehörten neben den Unternehmensvertretern auch Landesverkehrsminister Thomas Webel sowie mehrere Bürgermeister und Kommunalpolitiker – unter ihnen zahlreiche Mitglieder und Unterstützer des Saale-Bündnisses. Minister Webel kündigte in seinem Grußwort an, für die Anfang des Jahres vom Bund infrage gestellte Maßnahme des Saale-Ausbaus weiter zu streiten. Vor allem vor dem Hintergrund des drohenden Verkehrsinfarkts in den kommenden 30 Jahren wird die Wasserstraße immer wichtiger. „Straße und Schiene werden die infrastrukturellen Veränderungen in der Mobilität in den nächsten Jahrzehnten nicht auffangen können“, sagte der Minister. Und er stellte klar: Trotz der mittlerweile in Auftrag gegebenen Wirtschaftlichkeitsprüfung und der Ankündigung des Bundes, die angekündigte Herabstufung der Saale zur Rest-Wasserstraße noch einmal zu überdenken, ist man längst nicht am Ende. „Wir sind mit der Gründung des Saale-Bündnisses im August zwar einen großen Schritt vorangekommen, aber am Ziel sind wir noch lange nicht“, sagte Webel. „Endlich ziehen beim Thema Saale alle an einem Strang, vom Sportschiffer bis zum Großunternehmen.“

 

Dr. Thomas Müller, Leiter des Solvay-Standorts in Bernburg, sieht vor allem den Anschluss an das Wasserstraßenkreuz bei Magdeburg und damit an das europäische Wasserstraßennetz als wichtigen Wettbewerbsvorteil für sein Unternehmen. „Die Saale ist ja ausgebaut. Es fehlt nur das letzte Stück bis zur Elbe“, sagte Müller in seinem Vortrag. In naher Zukunft werde es um eine kluge Verteilung der Transporte auf alle Verkehrswege gehen. „Es geht gerade bei großen Mengen Schuttgütern nicht um Geschwindigkeit, es geht um Effizienz.“ Und die sei auf Flüssen und Kanälen am größten. Und er äußerte einen Wunsch: „Ich möchte vor meiner Pensionierung noch einen Schiffsanleger am Solvay-Werk einweihen.“ Die esco european salt company in Bernburg liegt zwar nicht direkt an der Saale, hat aber in der Vergangenheit große Summen in den Kauf von Grundstücken investiert, um einen direkten Zugang zum Fluss zu haben. „Alle unsere Konkurrenten liegen an Flüssen“, sagte Manfred Eberl, Leiter der Produktion über Tage. „Für uns ist es ein Nachteil, dass wir nicht per Schiff transportieren können.“ Ein Zustand, den Dirk Lindemann, Geschäftsführer der Hafen Halle GmbH, sehr gut kennt. „Wir sind ein Hafen ohne Schiffe“, sagte Lindemann, dessen Hafen sich zum größten, öffentlichen Containerterminal Sachsen-Anhalts entwickelt hat, und der schon seit Jahren auf den Ausbau der Saale wartet. Henry Schütze, Oberbürgermeister der Stadt Bernburg, kündigte auf der BVMW-Veranstaltung an, sich mit Amtskollegen aus der Region und dem Landrat zusammenzusetzen, um das Saale-Bündnis aktiv zu unterstützen. „Bernburg ist ein wichtiger Industriestandort und will es auch bleiben“, sagte Schütze.

Fotograf: L. Altrock

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