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30

Nov

2011

Braunkohle ist ein Schatz in Sachsen-Anhalt

Der Abbau und die Verwendung von Braunkohle aus Revieren in Mitteldeutschland soll auch in der Zukunft eine wirtschaftliche Rolle in Sachsen-Anhalt und Sachsen spielen. Dabei bekommt die Nutzung der Braunkohle als Rohstofflieferant für die chemische Industrie eine signifikant größere Bedeutung. Mit einer Konferenz in Leuna stellte sich ein Bündnis aus Unternehmern und Wissenschaftlern vor, das den ersten Braunkohlen-Chemiepark in Deutschland entwickeln will.

 

Die Investitions- und Marketinggesellschaft Sachsen-Anhalt mbH (IMG) gibt Ihnen mit diesem Beitrag einen Einblick in die Vielfältigkeit der Wirtschaft im Land Sachsen-Anhalt. Lesen Sie mehr unter www.investieren-in-sachsen-anhalt.de. Leuna liegt mitten im Chemiedreieck von Halle/Saale, Leipzig und Merseburg. Ein Standort mit Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Dicht an der mitteldeutschen Braunkohle, ein Kompetenzzentrum für die chemische Industrie. Andreas Hiltermann ist heute Geschäftsführer der Infraleuna GmbH, dem Infrastrukturdienstleister im Chemiepark Leuna: "Rund 9.000 Beschäftigte schlagen hier pro Jahr über 12 Millionen Tonnen verschiedener Produkte um. Seit 1990 haben öffentliche und private Hände mehr als sechs Milliarden Euro investiert. Schon 1916 entstand hier das erste Ammoniakwerk, 1925 wurde das erste Synthesegas produziert und 1927 wurde die erste Anlage zur Benzinherstellung aus Braunkohle in Leuna gebaut. Wo, wenn nicht hier, sollte also der erste deutsche Braunkohlen-Chemiepark entstehen?"

 

Neue Wege in der Braunkohleverwertung

Mit Bedacht hatte der Sprecher des Bündnisses für Innovative Braunkohlen-Integration (ibi) seine Frage an die über 100 Teilnehmer aus Wirtschaft, Wissenschaft, Politik und Verwaltung im Kulturhaus Leuna gestellt. Die 12 ibi-Gründungspartner haben inzwischen eine Strategie entwickelt, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) so überzeugt hat, dass die Initiative mit einer Förderung als Innovativer regionaler Wachstumskern ausgezeichnet wurde. BMBF-Referatsleiter Hans-Peter Hiepe: "Die Idee, mit der Braunkohle über ein Bodenschatz zu verfügen, der viel zu wertvoll ist, um ihn einfach zu verbrennen, strahlt eine Vernunft aus, die mich beeindruckt hat. Wir sind sicher, dass unsere Förderung von rund elf Millionen Euro ein gutes Investment ist." Auch mit Blick auf die Kritiker der Braunkohle und der Kohlechemie sei er gespannt auf die Ergebnisse der Forschungs- und Entwicklungsarbeiten in den kommenden Jahren: "Dieses Projekt ist eine Herausforderung für Wissenschaftler und für Unternehmer!", meinte Hans-Peter Hiepe. Nach seinen Angaben hat das BMBF im Rahmen seiner Innovationsinitiative für die Neuen Länder, Unternehmen Region, bisher rund 500 Millionen Euro für Projekte in Sachsen-Anhalt und Sachsen zur Verfügung gestellt. Damit sei diese Region Innovationsvorreiter. Auch das neue länderübergreifende ibi-Bündnis stärke diese Einschätzung.

 

Michael Richter, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft und Wirtschaft Sachsen-Anhalts, gab dem Thema eine europäische Vision: "Mit dem ibi-Bündnis wollen wir den Maßstab für Forschung und Entwicklung zur Braunkohlechemie setzen. Vor dem Hintergrund der großen Braunkohlenvorräte in Mittel- und Osteuropa wird Sachsen-Anhalt sich für einen EU-Forschungsschwerpunkt zur künftigen Nutzung der Braunkohle einsetzen."

 

Laut aktuellen statistischen Angaben werden jährlich rund 170 Millionen Tonnen Braunkohle in Deutschland verarbeitet - davon 155 Millionen Tonnen zur Erzeugung von Strom und Wärme, aber nur 15 Millionen Tonnen zur stofflichen Nutzung für die chemische Industrie. Fachleute schätzen die erschließbaren Vorkommen an Braunkohle allein in Deutschland so ein, dass eine Nutzung über viele Jahrzehnte garantiert sei. Durch den Ausbau der regenerativen Energieträger kann Braunkohle deutlich stärker als bisher als Rohstofflieferant der chemischen Industrie dienen.

 

Braunkohle als Ersatz für Erdöl und Erdgas in der chemischen Industrie

Genau diese Situation will das ibi-Bündnis nutzen. Außerdem bewerten Experten die Chancen für einen Ausbau der Kohlechemie als wirtschaftlich positiv, wenn der Erdölpreis bei über 80 Dollar je Barrel liegt. Besonders prägnant im Unterschied zu Erdöl und Erdgas sei die hohe regionale Wertschöpfung der Braunkohlenchemie. Durch die große Nähe der Abbauorte zur künftigen Weiterverarbeitung in der chemischen Industrie könne eine starke regionale Technologie- und Wirtschaftsplattform neu entstehen.

 

Soviel Vorschusslorbeeren brauchen eine solide Basis. An der arbeiten die ibi-Macher mit Hochdruck und ausgesprochener Liebe zu allen wichtigen Details. Am Anfang stehen sechs Verbundprojekte, die mit wissenschaftlicher Akribie die folgenden Forschungsgebiete bearbeiten werden: Erkundung und Management von Lagerstätten; Gewinnung der Braunkohle; Aufbereitung der Braunkohle; Extraktionsverfahren; Niedertemperaturkonversion; Vergasungsverfahren.

 

Zusammen mit den Experten der Technischen Hochschule Bergakademie Freiberg und der Fachhochschule Merseburg sollen Verfahren modelliert und anwendungstauglich entwickelt werden, mit denen Braunkohle so abgebaut werden kann, dass die qualitativen und quantitativen Anforderungen der chemischen Industrie an den künftigen Rohstofflieferanten Braunkohle kontinuierlich erfüllt werden können. Das reicht von Zentimeter genauem Abbau der benötigten Braunkohleschicht über den Einsatz modernster Wirbelschichttrocknung bis hin zur direkten Gewinnung von Olefinen, Aromaten und Wachsen aus der Braunkohle.

 

ibi-Sprecher Andreas Hiltermann bringt die Ziele des Bündnisses auf den Punkt: "Unter der Voraussetzung, dass uns die Politik gleiche Chancen im Wettbewerb der Rohstoffe ermöglicht und dass unsere Forschungsergebnisse die Machbarkeit unserer innovativen Technologien stützen, wollen wir in den kommenden zehn Jahren in und um Leuna rund 1,5 Milliarden Euro investieren. Bis zu 1600 neue Arbeitsplätze können entstehen."

 

Autor: Matthias Ulrich

 

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