Sa
24
Dez
2011
Kurt Weill Fest 2012 in Anhalt / Dessau
Hotel Montparnasse, Jeux de Cartes, Paris Mécanique oder einfach Galante’s Paris. So klingen einige der Überschriften über den Veranstaltungen des 20. Kurt Weill Fest, das unter dem Motto „Hommage à Paris“ stattfindet und Musikfreunde aus Nah und Fern in die Stadt der Klassischen Moderne einlädt. Vom 24.02. bis 11.03.2012 findet das Kurt Weill Fest in Dessau/Anhalt statt. Nach dem Erfolg von „Berlin im Licht“ führen die Festspiele zur zweiten Lebens-Arbeits-Station von Kurt Weill, in die pulsierende Metropole an der Seine.
Paris war für viele Künstler im aufbrechenden 20. Jahrhundert ein Ort der kulturellen Vielfalt und der Weltoffenheit – wie sonst hätte Paris der Ort der Zuflucht und des Exils für so viele Menschen werden können. So auch für die Verfolgten und Vertriebenen, die oft nicht mehr vor der Nazi-Diktatur retten konnten als ihr Leben. Auch Weill blieb im März 1933 nichts anderes als die Flucht nach Paris, wo 1925 bereits sein Violinkonzert uraufgeführt wurde und wo er in Darius Milhaud einen engen Freund besaß. Nur zwei Jahre lebte Weill in Paris, doch ist diese Zeit viel mehr als eine Durchgangsstation: Mit „Die Sieben Todsünden“ und mit „Marie Galante“ entstanden Werke, die unterschiedlicher nicht sein konnten und die zeigen, wie sehr ihm daran gelegen war, sich der Kultur zu öffnen, die ihn umgab – und die aktuelle Musik seiner Lebensumfelder mit zu gestalten. Was könnte dies besser belegen als sein „J’attends un navire“, das zum Lied der Résistance gegen die Besetzung durch Nazi-Deutschland wurde.
Für Festspiel-Intendant Prof. Michael Kaufmann ist es Privileg und Auftrag zugleich, die lebensbejahende und grundpositive Haltung des Dessauer Komponisten im Kurt Weill Fest 2012 herauszustellen: „Ich bin glücklich, dass wir durch Kurt Weill zeigen können, um wie viel sinnvoller es ist, auch schwierigste Lebensumstände durch positive Energie zu meistern zu versuchen. Durch viele wunderbare Künstler sind wir in der Lage, das fantastische Werk von Kurt Weill auch in seiner gesellschaftlichen Dimension zu zeigen. Seine Musik und sein Leben sind ein Beweis dafür, dass die Musik Menschen und die Gesellschaft positiv beeinflussen kann. Wenn darüber hinaus ein heiter-festliches Panorama der Musik Frankreichs entsteht, bestätigt dies, dass uns Künstler wie Kurt Weill wichtige Anregungen auch für Heute geben können.“ Dass Dessau durch das 20. Kurt Weill Fest erneut zu einer internationalen Festspielstadt wird, dass hervorragende Künstler auch das überregionale Publikum in die Stadt der Klassischen Moderne locken, freut auch den Präsidenten der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V., Thomas Markworth: „Wir empfinden es als Bestätigung unserer langjährigen Arbeit, dass wir neben unseren lokalen und regionalen Partnern so hochkarätige, international gefeierte Künstler in Sachsen-Anhalt begrüßen dürfen. Dank unserer treuen Förderer sind wir auch 2012 wieder in der Lage, ein herausragendes Musik- und Kulturfest in der Region zu feiern.“
Mit sechs Auftritten steht die international gefeierte Weill-Interpretin Ute Gfrerer als „In Residence“-Künstlerin im Mittelpunkt des Festivals und verleiht ihm besonderen Glanz. Doch auch die Konzerte von Sabine Meyer, Ensemble Modern, Joachim Kühn, Renaud Garcia-Fons, MDR-Sinfonieorchester, den Ensembles des Anhaltischen Theater Dessau und vielen weiteren Ensembles und Künstlern präsentieren Sinfonik und Chanson, Ballett und Oper, Freud und Leid im Paris des frühen 20. Jahrhundert. Filme und eine Ausstellung ergänzen das Festspiel- Angebot. Das kommende Kurt Weill Fest ist nicht nur eine „Hommage à Paris“ sondern auch eine Hommage an das Leben: Ganz im Sinne Kurt Weills verspricht das Jubiläumsfestival ein facettenreiches, lebensbejahendes und doch auch zum Nachdenken anregendes Programm!
Seit vielen Jahren geben die Artists-in-Residence dem Kurt Weill Fest eine ganz besondere Note und Prägung, tragen zum Profil des Festes und zu dessen internationaler Beachtung bei. Dass sich jedoch Festivalplanung und Protagonistin so vollendet ergänzen wie beim kommenden Kurt Weill Fest, ist selten und Anlass zu besonderer Freude: Mit Ute Gfrerer steht eine der weltweit führenden Interpretinnen der Musik Kurt Weills gleich in sechs Veranstaltungen des 20. Kurt Weill Fest auf der Bühne. Obwohl die Bandbreite des Schaffens von Ute Gfrerer weit angelegt ist, sie in Liederabenden, bei Opern- und Operetten- Produktionen glänzt, so widmet sie sich doch in ganz besonderer Weise dem Werk des Dessauer Komponisten, hat sich insbesondere um den französischen und amerikanischen Weill verdient gemacht. Nicht wenige ihrer vielen Weill-Engagements brachten sie mit zwei ehemaligen „In Residence“-Künstlern des Kurt Weill Fest zusammen: Gemeinsam mit dem Ensemble Modern und HK Gruber hat sie seit 2008 nach einer vielbeachteten „Polly“ in der „Dreigroschenoper“ in Athen Auszüge aus „Lady in the Dark“ in Frankfurt und Essen gesungen. Es folgten Produktionen der „Die sieben Todsünden", zuerst mit dem Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks, dann mit dem WDR Rundfunkorchester zu Silvester 2008 und Neujahr 2009 in Köln und Essen – jeweils unter der Leitung von HK Gruber. Eine Einladung zum Orchestre de Bretagne führte sie 2009 auch nach Rennes, wo sie die selten aufgeführte „Concert Suite“ aus Weills „Marie Galante“ zur Aufführung brachte. Im selben Jahr war sie auch als Anna 1 und 2 mit dem Mahler Chamber Orchestra bei einem Festival in Norwegen zu hören und nahm mit dem BBC Orchestra in Manchester die Jenny aus der „Dreigroschenoper" für den britischen Rundfunk auf.
Als „Artist in Residence“ wird Ute Gfrerer gleich zur Eröffnung des 20. Kurt Weill Fest zu erleben sein, wenn im Rahmen der Ballett-Produktion „Hotel Montparnasse“ auch die „Concert Suite“ aus „Marie Galante“ zur Aufführung kommt – und sie beschließt das Fest: Gemeinsam mit dem MDR Sinfonieorchester präsentiert sie „Die sieben Todsünden“. Dazwischen liegen mit „Leben im Rampenlicht – Je ne regrette rien“ ein Ensemble-Konzert, das sich mit Judy Garland, Edith Piaf, Marlene Dietrich und Lotte Lenya den größten Diven des 20. Jahrhunderts widmet. Musikalischer Leiter und Arrangeur ist James Holmes, der den Festspielbesuchern noch von seinem mitreißenden Dirigat in „One Touch of Venus“ (2010) in Erinnerung ist. Ein Liederabend mit Songs von Kurt Weill, Francis Poulenc, Norbert Glanzberg, Duke Ellington und Cole Porter und der Auftritt im Festival-Café runden die Residenz von Ute Gfrerer ab, die durch das Engagement der Lotto Sachsen-Anhalt ermöglicht wird.
„Hotel Montparnasse“ I Fr, 24.02.2012 19.00 Uhr & 04.03.2012 17.00 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
„Leben im Rampenlicht – Je ne regrette rien“ I Sa, 25.02.2012, 19.00 Uhr I Marienkirche
„Festivalcafé“ I Sa, 03.03.2012, 14.30 Uhr I Radisson Blu Fürst Leopold Hotel
„Lebenswege – Voyages à Paris“ I Do, 08.03.2012, 20.00 Uhr I Bauhaus Dessau
„Festspielschlusskonzert“ I So, 11.03.2012 17.00 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
In Kooperation mit dem Anhaltischen Theater Dessau
Uraufführung „Hotel Montparnasse“, „Der Protagonist / I Pagliacci“ & ein Sinfoniekonzert der Anhaltischen Philharmonie Die Kooperation mit dem Anhaltischen Theater Dessau ist seit Bestehen des Kurt Weill Fest eine seiner tragenden Säulen und bereichert das Festival regelmäßig mit einer Neuproduktion, die mit dem Werk Kurt Weills in Verbindung steht. Zum 20. Jubiläum wird diese Neuproduktion ein besonderes Fest für die Sinne, wenn das Ballettensemble unter der Leitung von Tomasz Kajdanski die Festspielbesucher schon gleich zur Eröffnung ins Paris der 30er Jahre entführt. Nach Motiven bewegender Biografien und beeindruckender Exilromane entsteht ein lebendiges Bild der Zeit. Der Pariser Stadtteil Montparnasse – Berg der Musen –, bekannt für seine Bars, Cafés, Kabaretts und daher Anziehungspunkt für die Künstler des beginnenden 20. Jahrhunderts ist der Schauplatz, in dem die Geschichten erzählt werden, von den Hoffnungen und Träumen der Emigranten, aber auch von den Albträumen, der tiefen Melancholie, die in der damaligen Zeit die Fremden und die Künstler in Paris bewegten. Liebe und Leid, der Umgang mit den Emigranten, deren Leben in der Fremde sowie das schlichte Überleben stehen in diesem facettenreichen Bilderbogen nebeneinander und lassen die Zeit Kurt Weills in Paris lebendig werden. Die Musik für das Geschehen liefert sowohl Kurt Weill wie auch George Gershwin: Neben der 2. Sinfonie von Kurt Weill ist die „Concert-Suite“ aus dessen „Marie Galante“ zu hören, von Gershwin erklingen „Ein Amerikaner in Paris“ und „Klavierlieder“. Mit „Der Protagonist“ – in Verbindung mit Leoncavallos „I Pagliacci“ – findet sich eine der bedeutenden Produktionen des letzten Kurt Weill Fest im Programm. Wurde das Anhaltische Theater Dessau in der wohl wichtigsten deutschlandweiten Kritikerumfrage für das Musiktheater – im Jahrbuch der Zeitschrift „Opernwelt“ gar als „bestes Opernhaus des Jahres“ – zur Abstimmung gestellt, so ist der von Generalintendant inszenierte „Der Protagonist“ in der Kategorie „Wiederentdeckungen“ nominiert. Zweimal wurde in der Umfrage auch der für das Kurt Weill Fest so bedeutende Dessauer Generalmusikdirektor Antony Hermus nominiert. Zweimal wird er beim Kurt Weill Fest mit der Anhaltischen Philharmonie das Sinfoniekonzert
„Von Paris aus in die Welt“ geben, bei dem neben der Sinfonie Nr. 83 g-Moll „La Poule“ von Joseph Haydn, „Les Éolides“ von César Franck und „La Mer“ von Claude Debussy auch das „Konzert für Violine und Blasorchester, op. 12“ von Kurt Weill erklingen wird.
„Hotel Montparnasse“, 24.02.2012, 19.00 Uhr & 04.03.2012 17.00 Uhr I Anhaltisches Theater
„Der Protagonist / I Pagliacci“ I Sa, 25.02.2012, 16.00 Uhr & Sa, 03.03.2012, 17.00 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
„Von Paris aus in die Welt“ I Do, 01.03.2012, 19.30 Uhr & Fr, 02.03.2012, 19.30 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
Kooperation mit der Stiftung Bauhaus Dessau
Die Uraufführung: Joachim Kühn bearbeitet Marie Galante Es ist eine schöne Tradition Uraufführungen und Neukompositionen, die von der Kurt-Weill- Gesellschaft e.V. in Auftrag gegeben wurden, auf der historischen Bauhausbühne erstmals einem Publikum vorzustellen. Die besondere Bedeutung des Bauhauses liegt ja nicht nur in seinen revolutionären Innovationen hinsichtlich der Architektur, sondern in einer grundlegenden, visuellen Neugestaltung der modernen Lebenswelt überhaupt. Mit dieser Geschichte schaffen Raum und Bühne an diesem besonderen Ort auch einen geradezu idealen Transfer zwischen Künstlern und Publikum.
Nach der begeisternden Uraufführung von Renaud Garcia-Fons mit dessen neuer Musik zu dem Animationsfilm-Klassiker „Die Abenteuer des Prinzen Achmed“ von Lotte Reiniger beim letzten Kurt Weill Fest kommt es beim Kurt Weill Fest 2012 erneut zu einer Neubelebung eines in Vergessenheit geratenen Klassikers: Joachim Kühn wird bei „Kühn plays Galante“ der „Marie Galante“ von Kurt Weill den Staub von den Noten spielen, der sich in vielen Jahren der Vernachlässigung der großartigen Musik Kurt Weills angesammelt hat. Da die Oper aufgrund ihrer Handlung als unspielbar bezeichnet wurde, geriet auch Weills Musik in Vergessenheit – ein Missstand, dem das 20. Kurt Weill Fest durch eine Vielzahl von Begegnungen zumindest mit der aus der Oper extrahierten „Concert Suite“ entgegen treten will. Der große Klaviervirtuose und Jazzpionier ist dabei der ideale Partner für das Kurt Weill Fest, hat er sich doch bereits in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts erstmals mit Weills „Dreigroschenoper“ beschäftigt und später, in den 90ern eine CD mit jazzinspirierten Ausdeutungen der Musik von Kurt Weill herausgebracht. Für „Kühn plays Galante“ konnte Kühn die französischen Musiker Louis Slavis und Bruno Chevillon sowie den überaus talentierten Schlagzeuger Christian Lillinger gewinnen.
Ergänzt wird das Ensemble durch Joachim Kühns älteren Bruder Rolf, der ihm einst die Türen zum Jazz öffnete. Mit dem Kammerkonzert „Le Voyageur sans Bagage“ des Ensemble Modern und dem Liederabend „Lebenswege – Voyages à Paris“ mit der Sängerin Ute Gfrerer dürfen wir uns außerdem auf zwei weitere musikalische Entdeckungsreisen freuen, die ihren Ausgang auf der Bühne des Bauhauses nehmen und die Musik des 20. Jahrhunderts in ihrer ganzen Bandbreite, von Weill bis Glanzberg und von Hindemith bis Cole Porter aufscheinen lassen. Nach seinem bejubelten „DADA“-Abend beim zurückliegenden Fest kehrt auch Steffen Schleiermacher auf die Bauhausbühne zurück: Mit einem Abend zu und über den faszinierenden Erik Satie präsentiert er eine der schillerndsten Künstlerfiguren, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts der Musik nicht nur in Frankreich eine neue Richtung gaben.
„Jung auf einer alten Welt“ I Sa, 25.02.2012, 22.00 Uhr I Bauhaus Dessau
„Kühn plays Galante“ I Sa, 03.03.2012, 18.00 Uhr & 22.00 Uhr I Bauhaus Dessau
„Lebenswege – Voyages à Paris“ I Do, 08.03.2012, 20.00 Uhr I Bauhaus Dessau
„Le Voyageur sans Bagage“ I Fr, 09.03.2012, 19.00 Uhr I Bauhaus Dessau
Ensemble Modern
„Die aktuelle, die zeitgenössische Musik zu fördern und angemessen aufzuführen“, so liest es sich, wenn das Ensemble Modern erklärt, warum im Jahr 1980 Mitglieder der Jungen Deutschen Philharmonie diesen neuen Klangkörper geschaffen haben. Zu seinem 30. Geburtstag im Jahr 2010 war zu lesen, dass das Ensemble Modern seit Jahren einer der kulturellen Leuchttürme der Bundesrepublik Deutschland und eines der renommiertesten Ensembles für Neue Musik weltweit ist.
Das basisdemokratisch organisierte Ensemble Modern vereint 19 Musikerinnen und Musiker aus acht Nationen; jedes Mitglied bringt seine individuellen Erfahrungen und Vorlieben in die Arbeit des Ensembles ein, die Auswahl von Werken und Dirigenten, die Beauftragung von Komponisten für neue Werke erfolgt in einem gemeinsamen Prozess und schafft die Grundlage für die einzigartige und Programmbreite des Ensemble Modern, die Ensemble- und Orchesterkonzerte, Kammermusik, Musiktheater, Tanz- und Videoprojekte beinhaltet. Weltweit profitieren namhafte Komponisten von der stupenden Qualität des Ensembles: Ob John Adams, George Benjamin, Heiner Goebbels, Hans Werner Henze, Mauricio Kagel, György Kurtag, György Ligeti, Steve Reich, HK Gruber, Jörg Widmann oder Frank Zappa – das in Frankfurt ansässige Speziallisten- Ensemble präsentiert deren Werke auf höchstem künstlerischem Niveau. Jährlich erarbeiten sich die Musiker durchschnittlich 70 neue Werke, darunter 20 Uraufführungen, für die das Ensemble nicht selten unter den Auftraggebern ist.
Kaum ein bedeutender Konzert- oder Festival-Ort weltweit verzichtet auf eine regelmäßige, häufig langjährige Zusammenarbeit. Gastspiele führten das Ensemble Modern nach Afrika, Australien, China, Indien, Japan, Korea, Südamerika, Taiwan, Russland und in die USA. In Europa dürfen sich die Salzburger Festspiele, das Lucerne Festival, die Festwochen Wien, das Musikfest Berlin und viele andere über regelmäßige Auftritte freuen und auch die bedeutenden deutschen Konzerthäuser in Berlin, Köln und Baden-Baden gehören im Rahmen der jährlich rund 100 Konzerte zu den Spielorten des Ensemble Modern. Für das Kurt Weill Fest 2012 ist es – nach der gefeierten Residenz des Ensembles beim Fest 2012 – ein besonderes Privileg, das Ensemble Modern in zwei Konzerten wieder zu Gast haben zu dürfen. Erneut stellen sich die Musiker dabei in den Dienst einer barrierefreieren Wahrnehmung von Musik, führen an und über die Grenzen der immer noch gebrauchten Trennlinie zwischen „E“ und „U“.
Zur Diskussion der Frage, was denn eigentlich die „Neue Musik“ sei, und wie diese zu klingen habe, um von Freunden und Skeptikern als „Neue Musik“ erkannt zu werden, liefern die Festspiel-Programme unüberhörbar Anregungen und legen eine Spur zu einem unaufgeregterem Umgang mit unserer Musik, mit der Musik unserer unmittelbaren Vergangenheit. Kurt Weill ist dazu ein beständiger Wegweiser!
„Le Voyageur sans Bagage“ I Fr, 09.03.2012, 19.00 Uhr I Bauhaus Dessau
„Les deux Amis: Milhaud & Weill“ I Sa, 10.03.2012, 21.00 Uhr I Marienkirche Dessau
Das besondere Engagement
Das Podium junger Künstler: Dem beliebten „Podium Junger Künstler“ wird erneut ein hoher Stellenwert zugemessen: Junge Musiker am Übergang zwischen Ausbildung und künstlerischem Beruf zu begleiten und zu fördern, ist eine zentrale Aufgabe für einen Veranstalter. Dabei bieten die Begegnungen mit diesen jungen Künstlern dem Publikum neue, unverstellte und frische Einblicke auf die Musik. In der Zusammenarbeit mit dem Deutschen Musikrat und dem Deutschen Musikwettbewerb erwächst der Festspiel-Reihe eine neue Qualität. Bereits beim zurückliegenden Festival war zu erleben, für welche Könnerschaft Preisträger des Deutschen Musikwettbewerb stehen.
Diesmal präsentieren zwei exzellente Ensembles ihr Talent: Wie nuancenreich die französische Kammermusik sein kann, beleuchtet das Duo Farbenspiel am ersten Festspielsonntag mit Werken von Fauré, Franck, Roussel und Jolivet bei einer Matinée in der Auferstehungskirche. Am selben Ort bietet auch das Trio Christian - von Gutzeit - Achkar einen Einblick in die französische Tradition klein besetzter Instrumentalmusik: Mit Ravel, Honegger, Poulenc und Debussy werden ausschließlich Zeitgenossen von Kurt Weill gespielt. Wieder sind es junge Künstlerinnen, die sich mit Spielfreude die Werke der „alten“ Komponisten vornehmen.
Dass sich erstklassiger Nachwuchs auch in der Umgebung von Dessau finden läßt, zeigen drei weitere Programme des „Podium Junger Künstler“: Nach dem gefeierten Auftritt der Jugendbigband Anhalt beim zurückliegenden Fest, werden die jungen Musikerinnen und Musiker auch 2012 unter der Leitung von Detlef Metzner mit Pascal von Wroblewsky zu erleben sein. Für das Arrangieren neuer Titel zu „Galante’s Paris“ schlugen sie die grandiose Jazzpianistin Julia Hülsmann vor, die nun mit ihren Studenten der Hochschule für Musik, Theater & Medien Hannover zehn neue Bearbeitungen für das Kurt Weill Fest und damit für das Repertoire der Jugendbigband Anhalt erarbeitet. Für „Oskar und die Groschenbande“ und zur kreativen Förderung von Kindern kooperiert das Kurt Weill Fest mit dem Kiez e. V. und dem Anhaltischen Theater Dessau: 35 Kinderdarsteller stehen auf der Bühne, Musikschüler und Mitglieder der Anhaltischen Philharmonie bilden das Orchester. Und auch beim Duo Scheeselong steht eine Dessauerin auf der Bühne. Mit weiblichem Charme und virtuosem Spiel befinden sich zwei Künstlerinnen „Auf Marlenes Spuren“ und gewähren einen Einblick in das Gefühls-Kaleidoskop der schillernden 1920er und 1930er Jahre. Das „Podium Junger Künstler“ ist ein Gemeinschaftsprojekt mit der Ostdeutschen Sparkassenstiftung.
„Couleur Française – Duo Farbenspiel“ I So, 26.02.2012, 11. Uhr I Auferstehungskirche
„Galante´s Paris“ I Do, 01.03.2012, 20.00 Uhr I Halle des Elbe-Werks Roßlau
„Auf Marlenes Spuren“ I Do, 01.03.2012, 20.00 Uhr I Brauhaus „Zum Alten Dessauer“
„Oskar und die Groschenbande“ I Sa, 10.03.2012, 18.00 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
„Tour de France“ I So, 11.03.2012, 11.15 Uhr I Auferstehungskirche
Weill Goes Family: Kinder- und Familienkonzerte.
Dem Kurt Weill Fest ist es ein besonderes Anliegen den jüngsten Zuhörern Musik nahezubringen und mit wem gelänge das besser als mit Kurt Weill? Die Aufgabe, sich dafür auch besondere Programme auszudenken, haben drei Kinder-Freunde übernommen, die aus ganz verschiedenen künstlerischen Disziplinen kommen: eine Regisseurin, ein Musiker und ein Schauspieler – entsprechend vielfältig präsentieren sich die Programme. „Das klingende Kartenspiel“ präsentieren der fantasievolle Klarinettist Michael Riessler und sein großartiger französischer Kollege Pierre Charial an seinen Drehorgeln. Stehen die beiden Klangzauberer bei „Paris Mécanique“ noch gemeinsam mit Sabine Meyer auf der Bühne, so präsentieren Sie bei dem Kinderkonzert wunderbare Klänge, die direkt von den Pariser Plätzen und Straßen zu kommen scheinen. Dass Michael Riessler auch ein wunderbarer Geschichtenerzähler ist, erleben alle Kinder, die „Das Klingende Kartenspiel“ besuchen.
Der singende Schauspieler Bernhard Bauer hat für das kommende Fest das Kinderkonzert „Mit Kurt auf großer Reise“ erfunden und gestaltet. Gemeinsam mit der Sängerin Irmelin Sloman, der Cellistin Franziska Leube und dem Pianisten Thomas Palm nimmt er auch die jüngsten Festspielbesucher auf eine Zeitreise mit Kurt Weill: Es geht nach Berlin, nach Paris und selbstverständlich darf auch New York nicht fehlen. Sicher können die Kinder ihren Eltern anschließend davon erzählen, wie es dem berühmten Sohn Dessaus in der Welt so erging.
Bei „Oskar und die Groschenbande“ hingegen stehen die Kinder sogar selbst auf der Bühne! Unter der Anleitung von Silke Wallstein stehen über 35 Kinder aus Dessau und Umgebung gemeinsam mit nur wenigen erwachsenen Schauspielern auf der Bühne, um die Geschichte von Oskar zu erzählen. Christoph Reuter, der sich von Elementen der „Bettleroper“ von John Gay und von „Die Dreigroschenoper“ von Berthold Brecht und Kurt Weill inspirieren ließ, hat die Kinderoper komponiert. In seiner Komposition kombiniert er den damaligen Stil mit modernen, poppigen Klängen, die ins Ohr gehen. Auch musikalisch wird der Nachwuchs hier bestens gefördert: Bei der Kinderoper besteht das Orchester aus Mitgliedern des Musikschulorchesters und der Anhaltischen Philharmonie.
„Das klingende Kartenspiel“ I Do, 01.03.2012, 10.00 Uhr I Johannbau – Museum für Stadtgeschichte
„Mit Kurt auf großer Reise“ I Do, 08.03.2012, 10.30 Uhr I Gr0ßer Saal des Alten Rathauses der Lutherstadt-Wittenberg und „Mit Kurt auf großer Reise“ Fr, 09.03.2012, 10.00 Uhr I Johannbau – Museum für Stadtgeschichte
„Oskar und die Groschenbande“ I Sa, 10.03.2012, 18.00 Uhr I Anhaltisches Theater Dessau
Filmfest Dessau: Cineastische Höhepunkte im Kiez
Dank der fruchtbaren Kooperation mit dem Kiez e.V., der gerade erst mit dem Kinoprogrammpreis Mitteldeutschland ausgezeichnet wurde, steht auch dem 20. Kurt Weill Fest ein Filmfest zur Seite. Natürlich dreht sich viel bei den Filmen um das alte und doch immer junge Paris, spielt immer wieder die Frage der Heimat – auch der verlorenen Heimat – eine Rolle. Natürlich übernimmt die Musik häufig eine Hauptrolle und selbstverständlich kommen bei Kinder- und Jugendfilmen auch die Nachwuchs-Cineasten auf ihre Kosten.
Auf fantastische Musik und flotte Tanzeinlagen können sie die Festspielbesucher bei „Ein Amerikaner in Paris“ freuen während die Musik für „Die Kinder des Monsieur Mathieu“ schlicht zu einem Teil der Überlebens- und Lebensstrategie wird. Mit „ZouZou“ von 1934 und „Die große Illusion“ von 1937 stehen zwei Meisterwerke des frühen französischen Kinos auf dem Programm, die in eindrucksvollen Bildern die Lebenswirklichkeit der Zeit im und nach dem 1. Weltkrieg schildern. Der Animationsfilm „Persepolis“ führt in die Gegenwart und berichtet von den Hoffnungen und Sehnsüchten, denen Menschen in der Emigration ausgesetzt sind. Und um alle kleinen und großen Besucher auf „Oskar und die Groschenbande“ einzustimmen, zeigt das Kurt Weill Fest erneut „Emil und die Detektive“. Das zeitlose Meisterwerk von 1931 kann man sich tatsächlich jedes Jahr aufs Neue ansehen!
„Die Kinder des Monsieur Mathieu“ I Sa, 25.02.2012, 15.00 Uhr I Kiez
„ZouZou“ I Di, 28.02.2012, 20.30 Uhr I Kiez
„Ein Amerikaner in Paris“ I Mi, 29.02.2012, 20.30 Uhr I Kiez
„Die große Illusion“ I Di, 06.03.2012, 20.30 Uhr I Kiez
„Persepolis“ I Mi, 07.03.2012, 20.30 Uhr I Kiez
„Emil und die Detektive“ I Sa, 10.03.2012 I Kiez
Benedikt Fred Dolbin (1883-1971) war ein Österreichisches Multitalent. Er studierte u.a. Komposition bei Arnold Schönberg, war Schauspieler, Bühnenbildner und Kinderbuchillustrator und vor allem war er auch Maler und Pressezeichner. 1926 übersiedelt er von Wien nach Berlin und arbeitet als Reporter und Porträtist für „Die Literarische Welt“, „Der Querschnitt“, später „B.Z. am Mittag“ und für das „Berliner Tageblatt“. Dadurch wird er zu einem der bekanntesten Pressezeichner der Weimarer Republik: Mit nur wenigen Strichen brachte Dolbin den Charakter seiner „Modelle“, denen er in Kaffeehäusern, Weinstuben aber auch auf öffentlichen Veranstaltungen im wahrsten Sinne des Wortes auflauerte, zu Papier. 1935 erhielt er als Jude und wegen seiner „entarteten“ Weise zu zeichnen Arbeitsverbot. Nach einer kurzen Rückkehr nach Wien emigriert er dann im selben Jahr nach New York.
Die Ausstellung zeigt eine Auswahl von „großen Köpfen“ zu denen neben Kurt Weill auch die Bauhausmeister gehören und wird organisiert durch den Förderverein Meisterhäuser Dessau in Zusammenarbeit mit der Kurt-Weill-Gesellschaft e.V. und der Stadt Dessau-Roßlau.
Das neue Stadtmagazin im Salzlandkreis






