Di
10
Jan
2012
Bernburger Kino Capitol mit neuer 3D Technik
Am 14. November 1927 konnte der Architekt Ottomar Tschakert das „Capitol“ einweihen. Schon lange vorher gab es Kinos in Bernburg, die Nachfrage war sehr groß und so wurden immer mehr und größere Kinos gebaut. Das Capitol hatte knapp 1000 Sitzplätze, indirekte Beleuchtung, eine Klimaanlage, eine Kleinkunstbühne und eine für die damalige Zeit ungewöhnlich große Leinwand (größer als die bis zum heutigen Zeitpunkt erhaltene Leinwand).
Selbstverständlich war die Ausstattung für die Vorführung von Stumm- und Tonfilmen von bester Qualität. Mit der Weiterentwicklung der Tonfilme wurde die an sich schon „tolle Akustik“ des Saales durch Bespannen der Wände mit Stoff vervollkommnet. Die Leinwand konnte jeweils mit zwei verschiedenfarbigen Vorhängen verdeckt werden und es wurden von Zeit zu Zeit Musikveranstaltungen dargeboten. Link und rechts neben der Bühne befanden sich die Bühnenzimmer, auch ein Orchestergraben war vorhanden.
Anlässlich der Eröffnung am 14. November 1927 wurde der Film von der Entstehungsgeschichte des Capitols gezeigt, bevor die 560 Gäste den Film „Der Meister von Nürnberg“ sahen. Den Ton lieferte das zwölfköpfige Hausorchester unter der Leitung von Kapellmeister Mann. Ottomar Tschakert starb am 2. August 1943 und musste so die Enteignung seines Lebenswerkes „zum Glück“ nicht mehr miterleben. In den darauf folgenden Jahren wurde das „Capitol“ mehrfach umgebaut und weiterentwickelt. 1960 wurden Bühnenraum und Tonanlage erstmals umgebaut und der Orchestergraben verschwand. 1964 wurde dann ein Komplettumbau durchgeführt, wobei der Rang sowie Saalbereich erneuert wurden, neue Farben und Stoffe gaben dem Saal ein neues Gesicht - die Leinwand wurde verkleinert. Ende 1964 wurde das „Capitol“ im neuen Glanz wiedereröffnet.
Ab dem 30. September1985 bis 1986 wurde das „Capitol“ dann nochmals rekonstruiert, hierbei wurde die im Obergeschoss befindliche „Cafebar“ entfernt und es entstand das „Clubkino“. Die Sitze wurden komplett gewechselt und eine neue Heizungsanlage wurde eingebaut. Das Highlight dieses Umbaus war natürlich die "Visions-Bar ", die bis zum heutigen Zeitpunkt ein einzigartiger Zuschauermagnet ist. Im Sommer 1986 wurde das Capitol wiedereröffnet und wurde zugleich eines der Festivaltheater der ehemaligen DDR. Ab diesen Zeitpunkt gab es auch in regelmäßigen Abständen die legendären Filmdiskos im Saal des Capitols. Bis März 1989 lief das „Capitol“ dann weiter durch Führung der Filmdirektion Halle; durch die Wende ging es im Jahr 1990 dann nach 45 Jahren wieder in Privatbesitz über. Am 1.Juni 2006 gab es zum Kindertag die erste Filmdisko nach 16 Jahren, 250 Kinder tanzten und spielten im Capitol Bernburg.
Im März stand eine kleine Anzeige am Eingang des Kinos. Darauf stand: Kino zu verkaufen. Nach Kontaktaufnahme mit dem Bürgermeister der Gemeinde Biendorf und zahlreichen Gesprächen mit der Stadt Bernburg entschloss sich die gebürtige Holländerin Frau van de Merwe zum Kauf des Kinos. Die neue Eigentümerin aus Biendorf erinnert sich an ihren ersten Kinobesuch in Bernburg "Mr Bean" und verliebte sich sofort in das Kino. Am 17. Juni 2010 war die offizielle Übergabe, dazu wurden die Besucher mit einen Sektempfang begrüßt. Der Stellvertreter des Oberbürgermeisters und Dezernent für Soziales, Jugend, Kultur, Schulen und Sport Paul Koller eröffnete das Wort und berichtete darüber, dass ein Kino ebenso kulturell wichtig für die Bewohner einer Stadt ist, wie ein Theater. Einen kleinen Rückblick auf die Geschichte des Kinos, aber auch die Veranstaltungen in der Vergangenheit, stimmte die Besucher nachdenklich. Nach einer kurzen Pause ergriff die neue Besitzerin Frau van de Merwe das Wort und verabschiedete nach 18 Jahren die nun ehemalige Besitzerin Frau Füßinger mit einem großen Blumenstrauß. Zahlreiche Stammgäste gratulierten und wünschten einen Aufschwung für das historisch einmalige Kino. In einem Gespräch mit der neuen Besitzerin erfuhren wir was mit dem Kino, welches im Ursprung als Art Deko Theater gebaut wurde, geschehen wird. Das Angebot wird aktueller werden und größer. So ist es auch vorstellbar, nach Umbaumaßnahmen der Bühne weitere kulturelle Veranstaltungen wie Sänger und Alleinunterhalter, aber auch Kabarett oder ähnliche Angebote den Besuchern bieten zu können und somit das Freizeitangebot der Bewohner Bernburgs zu erhöhen.
Seit dem war eines an Staraufgebot im Kino zu erleben. So moderierte Marijke Amado schon zwei mal die Playbackshow für Kinder, die Spieler von Ajax Amsterdam waren zur WM 2010 im Bernburger Kino, aber auch Schauspieler wie Gojko Mitic oder Claudia Schmutzler waren schon hier.
Im vergangenen Jahr wurden im Kino die alten Stuhlreihen entfernt und neue bequeme Sitze eingebaut. Doch nun geht es an die Technik. Um mit anderen Kinos mitzuhalten, werden nun einige Neuerungen durchgeführt. Neben größeren Leinwänden wird auch eine digitale Tonanlage installiert. Doch das ist nicht alles, mit neuer Technik wird auch in Bernburg de 3D Genuss zu erleben sein. Dennoch geht der Spielbetrieb weiter, allerdings können Änderungen des Spielplanes möglich sein. Ein Besuch im „Capitol“ lohnt sich immer, noch heute zählt es zu den schönsten Art Deko Kinos in ganz DEUTSCHLAND.
Kommentare: 2
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#1
Hey, da wird ja mal richtig was getan! Man kann nur zu dem Schritt gratulieren!
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#2
Find ich toll, entlichb raucht man nicht mehr weit wegfahren und kann ein Unternehmen seiner Stadt unterstützen.

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