Di

17

Jul

2012

Zwischenbericht zum Erdrutsch von Nachterstedt

Der Aufbau der grundwasserführenden Schichten sowie deren Wasserwegsamkeiten und Druckverhältnisse, insbesondere unterhalb der abgebauten Kohleflöze, haben vermutlich eine wesentliche Rolle bei der Entstehung des Erdrutsches von Nachterstedt gespielt.

Das ergibt sich aus einem Zwischenbericht der Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwal­tungs­gesellschaft mbH (LMBV) zur Unglücksursache, der sich derzeit in der Abstimmung befindet. Beim Erdrutsch war in den frühen Morgenstunden des 18. Juli 2009 die Südböschung des Concordiasees, eines ehemaligen Tagebaus, in den See gestürzt. Drei Bewohner starben, weitere 42 Menschen mussten ihre Häuser aufgeben.

 

Aktuelle Untersuchungen der LMBV haben jetzt grundlegend neue Erkenntnisse über die Grundwasserverhältnisse sowie über die geologische Struktur des tiefer liegenden Untergrundes ergeben. So wurde u.a. festgestellt, dass der Grundwasserleiter unter der Kohle kleinräumige, rinnenähnliche Strukturen aufweist und dass er lokal räumlich mit den Bergbaukippen in Verbindung steht. Zudem wurden neue Erkenntnisse über die druckwasserführenden Strecken des historischen Altbergbaus gewonnen.

 

Zur Ursachenermittlung der Böschungsbewegung und zur Vorbereitung der Sicherungs- und Sanierungsarbeiten wurde von der LMBV ein umfangreiches Erkundungsprogramm erarbeitet. Dies erfolgte in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Geologie und Bergwesen (LAGB) und den vom LAGB beauftragten Gutachtern. Im Rahmen der Ursachenermittlung wurden mehr als 20.000 relevante Archivunterlagen zum Bergbau in und um Nachterstedt, die bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, im Hinblick auf den heutigen Zustand von Altstrecken und Schächten ausgewertet und durch Streckensuchbohrungen an 13 Erkundungsstandorten ergänzt.

 

Bislang wurden 116 Bohrungen mit insgesamt 9.740 Bohrmetern, sowohl an Land als auch auf dem Concordiasee, niedergebracht und geophysikalisch vermessen. Die seeseitige Erkundung wurde im April 2012 abgeschlossen. Dabei sind ca. 1.500 Sedimentproben zur Bestimmung und Verifizierung bodenphysikalischer, bodenmechanischer und hydrogeologischer Parameter entnommen worden. Einen Schwerpunkt dieser Untersuchungen bildete die Überprüfung der Materialzusammensetzung und der Lagerungsverhältnisse der Bergbaukippen. Hierzu wurden 71 Drucksondierungen sowohl an Land als auch auf dem Concordiasee durchgeführt. Weiterhin sind insgesamt 163 Grundwassermessstellen zur Untersuchung der Grundwasserverhältnisse ausgebaut worden. Zudem dienten land- und helikoptergestütze geophysikalische Untersuchungen der weiteren Klärung zum Aufbau des Untergrundes und zur Untersuchung des Rutschungskessels.

 

Weitere Bohrungen sind landseitig notwendig und werden bis zum Jahresende weitgehend abgeschlossen sein. Auch soll es kurzzeitige Untersuchungsarbeiten am Rande des Rutschungskessels geben. Möglich wird dies durch eine neu errichtete Brunnengalerie, welche die Steuerung des Grundwasserregimes erlaubt. Gleichzeitig werden die umfangreichen Laboruntersuchungen intensiv fortgeführt. Alle Beteiligten arbeiten mit Hochdruck an der Auswertung aller Untersuchungsergebnisse. Die Ursachenermittlung soll bis Mitte nächsten Jahres abgeschlossen werden.

 

Hintergrund: Zur Unterstützung der von der Böschungsrutschung Betroffenen und zur Sanierung des Concordiasees sowie zur weiteren touristischen Erschließung sind seit dem Unglück erhebliche Mittel geflossen. Das Land Sachsen-Anhalt und der Bund haben bis Ende 2011 mehr als 30 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, davon eine Million Euro für einen Nothilfefonds für betroffene Unternehmen. Zudem wurde der Europaradweg R1 (D3 Route) näher an den See verlegt sowie ein touristischer Informationspunkt und ein neues Fahrradrast- und Informationszentrum gebaut.

 

Die bergrechtliche Verantwortung für das betroffene Tagebaurestloch liegt bei der LMBV als Bergbausanierungsunternehmen.

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