Mi

12

Mär

2014

Die Salzlandgrünen zum geplanten Bau eines Schlachthofes in Bernburg

24.000 Schweine sollen täglich wohl nicht nur aus Deutschland nach Bernburg gefahren, dort verarbeitet und dann als Fleischware international versendet werden. Dazu kommen die Belastungen durch Lärm und Geruch der Viehtransporte und wohl auch durch die Ausbreitung von großen Mengen an Gülle. Unabhängig davon, dass wir aus ethischen Gründen für die möglichst artgerechte Haltung von Tieren sind, treten wir für regionale nachhaltige Wirtschaftskreisläufe ein und nicht für durch Subventionen völlig absurde globale Verteilung von minderwertigen industrialisierten Nahrungsmitteln. Diese Investition rechnet sich nicht, insbesondere nicht  für die Stadt Bernburg (Saale), und zerstört alles, was die Stadt über Jahre an so genannten weichen Standortfaktoren, wie den Tourismus und eine lebendige Hochschulstadt, aufgebaut hat.

Für den Bau eines Schlachthofes in Bernburg muss der Steuerzahler wohl noch zusätzlich richtig tief in die Tasche greifen. Die Kläranlage muss in der Kapazität annähernd verdoppelt werden, was wohl dann der Bernburger Verbraucher mitfinanzieren müssen genauso wie die zusätzliche Trinkwasserleitung.

 

Die zu erwartenden neuen Arbeitsplätze sind grundsätzlich sehr erfreulich.  Durch einen höheren Rationalisierungsgrad im Vergleich zum genannten Referenzwerk in Polen kann von maximal 350 neuen Arbeitsplätzen ausgegangen werden.

 

Die in der MZ genannte Zahl von ca. 2.500 neuen Arbeitsplätzen kann nach vorliegenden Unterlagen und Fakten nicht nachvollzogen werden. Bei den errechneten Zahlen geht es keineswegs um neue Arbeitsplätze - sondern um bestehende Arbeitsplätze, die verlagert werden sollen. Der geplante Schlachthof in Bernburg würde zu massiven Verdrängungseffekten auf dem Schlachthofmarkt führen. Die größten Schlachthöfe zahlen je Schlachttiere einen deutlich niedrigeren Preis für die Fleischbeschau durch Amtsveterinäre als mittelständische Schlachthöfe oder gar bäuerliche selbst schlachtende Tierhalter. Überregional werden alleine schon aus dieser Sicht die wenig verbliebenen mittelständischen Schlachtbetriebe wirtschaftlich ruiniert.

 

Leider zeigen die Vergleiche mit anderen Großschlachtbetrieben in Mitteldeutschland, dass so geschaffene Arbeitsplätze in der Regel so gut wie nicht in der Region wirken, sondern über Werkvertrag scheinselbständige EU- Bürger aus Nachbarländern beschäftigt werden. Daher kann das Argument der Schaffung neuer Arbeitsplätze die Arbeitsmarktsituation vor Ort nur unwesentlich verbessern. Bliebe zu hoffen, dass die Gewerbesteuer nach den Abschreibungen in den ersten Jahren durch die dauerhafte Betriebsanmeldung in Bernburg in ferner Zukunft Einnahmen für die Stadt generieren könnte.

 

Die beabsichtigte große Schlachtzahl pro Tag wird zu einem großen Einzugsgebiet der Tiertransporte zum Schlachthof führen und entsprechend auch zu einer hohen Zahl von Fleischtransporten vom Schlachthof.

 

Der direkte wirtschaftliche Effekt für Bernburg ist, dass das Image der Stadt mit dem Großschlachthof für Schweine verbunden wird, etwas anderes sieht man ja dann nicht mehr vor der A14 und der B6N. Bernburg wird unmittelbar anderen innovativen Firmen keine attraktiven Gewerbeflächen mehr anbieten können. Bernburger in der Innenstadt werden durch den in der Planung nicht vorgesehenen erheblichen zusätzlichen LKW- Verkehr eine deutliche  Lärmbelastung zu erwarten haben. Vor allem im Bereich des Studentenwohnheims an der Kreuzung der B 6n mit der Magdeburger Straße und dem südlichen Rand der Siedlung "Zickzackhausen" (zwischen Magdeburger Straße und Bodestraße) und wohl auch an der neuen Saalebrücke im Zuge der B 6n könnte sich die Situation verschärfen,  da  ein Großschlachthof ja rund um die Uhr arbeitet.

 

Wirtschaftlich interessant ist dieser große Massenschlachthof nur für den internationalen Unternehmer aufgrund der Fördermittel. Die Rechnung zahlen die Bernburger, die dann wohl auch noch für den Rückbau der 10 Hektar großen Fabrikanlage aufkommen müssen, wenn der Unternehmer keine Förderung mehr bekommt.

 

 

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN Kreisverband Salzlandkreis

Kommentar schreiben

Kommentare: 2
  • #1

    Heidefrank (Mittwoch, 12 März 2014 15:58)

    Nicht unerwähnt bleiben soll die Belastung des Grundwassers mit Antibiotika,welche in bedenklichen Mengen bei der Masentierhaltung eingesetzt wird.Diese Substanzen können
    in der Kläranlage nicht abgebaut werden und gelangen somit in unser Grundwasser.Der Name Bernburg könnte dann auch ersetzt werden durch ,,Schweineburg,,.Dazu habe ich
    keine Lust.Ich werde meine Rechte als mündiger Bürger wahrnehmen und mit legalen Mitteln Widerstand leisten.Die GRÜNEN haben sich als erste zu dieser Problematik
    geäußert,dafür ein Lob.Aber wo bleiben CDU,SPD und die Linken?Warum wollen die Italiener ausgerechnet hier in Ostdeutschland investieren?Warum bauen die Spanier hier
    eine Aluminiumschmelzfabrik?Warum produziert hier ein Dämmstoffwerk?Kommt als nächstes ein Atommüllendlager?

  • #2

    Bernhans (Montag, 24 März 2014 14:51)

    Kurz nach der Wende habe ich das gleiche Desaster in Dannenberg / Landkreis Luechow Dannenberg / im Wendland gelegen erlebt. Hier war es zwar kein Schlachthof, sondern ein Kurzholz - Verarbeitungsbetrieb aus Schweden. Es wurden 25 neue Arbeitsplätze Versprochen , es flossen einige Millionen an Subventionen und nach nur 5 Jahren war die automatisierte Technik verschlissen. Die Stadt sass dann auf der Bauruine jahrelang fest. Dies wird wahrscheinlich in diesem Fall Schlachthof langer dauern. Aber der Gestank und die Unkosten werden bleiben.