Di

18

Mär

2014

Weltwassertag: VSR-Gewässerschutz kritisiert politische Entscheidungen

Der VSR-Gewässerschutz begrüßt es, dass der diesjährige Weltwassertag am 22. März auf die Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Wasser und Energie hinweist. Gerade in Deutschland wurden diese bei der Erzeugung von Bioenergie vernachlässigt. Dadurch kam es zu energiepolitischen Entscheidungen, die nun Erfolge im Gewässerschutz zunichte machen. „Zu lange haben Politiker die Produktion von Bioenergie nur als einen Ausschnitt des Ganzen betrachtet. Insbesondere bei der Förderung von Biogasanlagen wurden einige ökologische Zusammenhänge nicht mit einbezogen.“ so Suanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende im VSR-Gewässerschutz. Bedingt durch die Subventionen kam es in Deutschland im Gegensatz zu anderen EU-Ländern zum Boom beim Bau von Biogasanlagen. Nun 10 Jahre später stellt man fest, dass der Gewässerschutz auf der Strecke bleibt. Doch immer noch versuchen Politiker ihre Fehlentscheidungen zu verharmlosen und geben den Landwirten die alleinige Schuld an den hohen Nitratbelastungen im Grundwasser.

Während zu Beginn vor allem die traditionellen landwirtschaftliche Reststoffe zur Stromerzeugung dienten, wurde mit der Novellierung des EEG 2004 durch die Einführung des Bonus für den Einsatz von Energiepflanzen diese gegenüber der Reststoffverwertung bevorteilt. Heute stammen durchschnittlich 80 % der in Biogasanlagen erzeugten Energie aus angebauten Pflanzen, hauptsächlich Mais. Der hohe Bedarf an Energiepflanzen beeinflusst und verändert jedoch erheblich die regionalen Anbauverhältnisse in der Landwirtschaft.

 

Um den großen Bedarf an Mais der subventionierten Biogasanlagen zu decken, kam es bei den Landwirten zum Umdenken. Betriebswirtschaftlich war es nun sinnvoll Dauergrünland in Ackerflächen umzuwandeln. Das Ergebnis ist, dass die bis dahin gebundenen Nährstoffe ins Grundwasser ausgewaschen wurden. Aber auch Jahre später sind die Nitrateinträge noch wesentlich höher, weil von den Ackerflächen mit Mais viel mehr Nitrat ins Grundwasser gelangt als von Wiesen und Weiden.

 

Die meisten Biogasanlagen sind auf die kontinuierliche Anlieferung von Mais angewiesen, die sie auch vertraglich aushandeln. Daher steht der Landwirt unter Druck mehrere Jahre hintereinander Mais auf dem gleichen Standort anzubauen. Die Folge des fehlenden Fruchtwechsels ist mit einem hohen Pestizideinsatz verbunden. Diese im Maisanbau eingesetzten Pestizide findet man inzwischen im Grundwasser und in unseren Flüssen.

 

Wie wenig bei den Subventionen der Biogasanlagen an die ökologischen Zusammenhänge gedacht wurde, zeigt sich vor allem daran, dass der Anbau von Energiepflanzen stärker gefördert wird als der Ökolandbau. Dadurch wurde die Entwicklung des Ökolandbaus bereits massiv behindert. Die überzogene Biogasförderung gefährdet die Zielsetzung der Erhöhung des Flächenanteils mit ökologischem Landbau auf 20 %. Der deutsche Markt für Bio-Lebensmittel ist in den letzten Jahren deutlich schneller gewachsen als die ökologisch bewirtschafte Fläche in Deutschland. Deshalb wird die steigende Nachfrage zunehmend durch Importe gedeckt. Durch die gesetzlich gesicherte, hohe Vergütung der Energiepflanzenproduktion wurde eine ökonomisch starke Konkurrenz gegenüber den weniger wettbewerbsfähigen Ökoland-Betrieben geschaffen. Die ökologisch arbeitenden Landwirte, die durch ihre Wirtschaftsweise die geringste Nitratauswaschung aufweisen, sind die Verlierer, sie können die hohen Pachtpreise oft nicht mehr bezahlen.

 

Im Gegensatz zu vor 10 Jahren besteht heute nicht nur ein Problem bei der Entsorgung von Gülle sondern auch noch eines bei der Aufbringung von Gärresten. Da viele industrielle Biogasanlagen auch noch in Regionen genehmigt wurden, die bereits eine hohe Dichte an Massentierhaltungen aufwiesen, ist der regionale Stickstoffüberschuss noch größer geworden. Neben Energie in Form von Gas und elektrischen Strom liefern Biogasanlagen große Mengen an Gärresten. Da in den Anlagen statt Gülle vor allem Mais eingesetzt wird, wirkt sich die Beschränkung der aktuellen Düngerverordnung nicht aus. Gärreste aus Mais gehören nicht zum Wirtschaftsdünger und somit gilt für diese die aktuelle Obergrenze von 170 kg Stickstoff / ha nicht. Wenn in einer Region zu viel Gärreste und Gülle vorhanden sind, wird die Entsorgung auf den Feldern mit Mais vorgezogen, weil diese Pflanze eine besondere Verträglichkeit gegenüber zu hohen Nährstoffgaben aufweist. Besonders kritisch ist außerdem, dass die Pflanzen erst viel später im Jahr als beispielsweise Getreide die Nährstoffe zum Wachstum benötigt. Stärkere Regenfälle können inzwischen das Nitrat in tiefere Bodenschichten verlagern - für die Maispflanze unerreichbar.

 

Der VSR-Gewässerschutz stellt inzwischen bei seinen Grundwasseruntersuchungen in Gebieten mit großflächigem Anbau von Biogasmais steigende Nitratwerte fest. Insbesondere betrifft dies Regionen in denen auch noch viel Gülle anfällt und diese zusätzlich zu den Gärresten auf den Maisflächen ausgebracht werden. Weiterhin stellte der Verein in den letzten 5 Jahren kaum noch eine Verringerung der Nitratbelastung in unseren Flüssen und Bächen fest. Zu den diffusen Belastungen aus dem Grundwasser stellt auch die Abschwemmung von den Maisfeldern, die teilweise bis ans Ufer reichen, eine hohe Belastung dar. Naturnahe Gewässerrandstreifen scheitern in einigen Regionen genauso wie Renaturierungsmaßnahmen bereits an der mangelnden Verfügbarkeit von Flächen.

 

Der Tag des Wassers 2014 soll dieses Jahr auf Zusammenhänge und Wechselwirkungen zwischen Wasser und Energie aufmerksam machen und für deren Berücksichtigung in wasser- und energiepolitischen Strategien und Maßnahmen werben. Beim Anbau von Energiepflanzen hätten auch die möglichen Auswirkungen auf das Grundwasser und unsere Flüsse mitbetrachtet werden müssen – der alleinige Blick auf die geplante Energiewende war zu kurzsichtig. Der VSR-Gewässerschutz kritisiert, dass die lineare Denkweise vieler Politiker keine nachhältigen Änderungen in unserer Gesellschaft ermöglichen können. Nur wenn Vernetzungen der unterschiedlichen Fachgebiete stattfinden, können solche Fehler vermieden werden.

 

Weitere Informationen über unsere Arbeit finden Sie unter www.VSR-Gewaesserschutz.de.

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