Salzlandkreis: Immer mehr Doping am Arbeitsplatz

Mit 5,2 Prozent lag der Krankenstand in der Region aber weiterhin über dem Landesdurchschnitt (5,0 Prozent). Laut DAK-Gesundheitsreport waren damit an jedem Tag des Jahres von 1.000 Arbeitnehmern 52 krankgeschrieben. Der höchste Krankenstand in Sachsen-Anhalt wurde mit 5,7 Prozent im Landkreis Mansfeld-Südharz verzeichnet, der niedrigste mit 4,6 Prozent im Jerichower Land. Die aktuelle Analyse der DAK-Gesundheit für den Salzlandkreis zeigt die wichtigsten Veränderungen bei der Zahl und Dauer der Krankschreibungen.


So gingen insbesondere die Fehltage aufgrund von Atemwegserkrankungen, zu denen Erkältungen und Bronchitis gehören, zurück. Die Diagnose verursachte gut 22 Prozent weniger Arbeitsausfall als im Vergleichszeitraum. Ebenso hoch war der Rückgang bei den Verletzungen und Vergiftungen. Auch Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenschmerzen wurden etwas weniger verzeichnet.

Diese Diagnose war dennoch für beinahe jeden vierten Fehltag und damit für die meisten Krankschreibungen verantwortlich. Zudem gab es in der Region mehr Arbeitsausfall aufgrund dieser Beschwerden als im Landesdurchschnitt. Um gut 15 Prozent angestiegen sind die Krankschreibungen wegen psychischer Probleme wie Depressionen und Angstzustände.

„Wir informieren regelmäßig über den Krankenstand im Salzlandkreis, um so Impulse für das Gesundbleiben und Gesundwerden der Beschäftigten zu geben“, erklärt Andreas Umlauf von der DAK-Gesundheit die Ergebnisse. „Um zum Beispiel längeren Erkrankungen durch Rückenleiden oder seelische Probleme vorzubeugen, können Arbeitgeber Hilfe anbieten.“ In Sachsen-Anhalt hätten sich zum Beispiel die Fehltage durch psychische Erkrankungen seit dem Jahr 2000 mehr als verdreifacht. Den betroffenen Mitarbeitern könne ein betriebliches Gesundheitsmanagement gezielt helfen.

Gesundheitsreport_SALZLAND2015.pdf
Adobe Acrobat Dokument 1.6 MB


 

Ergebnisse zum Hirndoping sind Alarmsignal

 

Die DAK-Gesundheit untersucht in ihrem Gesundheitsreport auch den aktuellen Trend „Hirndoping im Job“. Für die Studie hat die Krankenkasse die Daten ihrer Mitglieder analysiert und bundesweit 5.000 Männer und Frauen repräsentativ befragt. Ein Fazit: In Sachsen-Anhalt nutzen 18.000 Beschäftigte mindestens zweimal im Monat verschreibungspflichtige Medikamente, um am Arbeitsplatz leistungsfähiger zu sein oder Stress abzubauen. Insgesamt gaben 5,4 Prozent der Berufstätigen in Sachsen-Anhalt an, wenigstens einmal im Leben gedopt zu haben. „Auch wenn Doping im Job noch kein Massenphänomen ist, sind diese Ergebnisse ein Alarmsignal“, warnt Andreas Umlauf. „Nebenwirkungen und Suchtgefahr sind nicht zu unterschätzen. Deshalb müssen wir auch beim Thema Gesundheit vorausschauen und über unsere Wertvorstellungen und Lebensstilfragen diskutieren.“

 

Männer wollen mehr Leistung

 

Im Vergleich zum Jahr 2008 hat bundesweit das Doping im Job zugenommen. In Sachsen-Anhalt kennen aktuell mehr als 66 Prozent der Befragten den vermeintlichen Nutzen des Hirndopings. Häufig werden dafür Betablocker und Antidepressiva eingesetzt, aber auch Wachmacher und ADHS-Pillen – Medikamente also, die eigentlich zur Behandlung von Krankheiten verschrieben werden. Auslöser für den Griff zur Pille sind meist hoher Leistungsdruck sowie Stress und Überlastung. Männer greifen eher zu leistungssteigernden Mitteln, Frauen nehmen häufiger stimmungsaufhellende Medikamente ein. Entgegen der landläufigen Meinung sind es nicht primär Führungskräfte oder Kreative, die sich mit Medikamenten zu Höchstleistungen pushen wollen. Der DAK-Report zeigt, dass vor allem Erwerbstätige mit einfachen Jobs gefährdet sind. Auch Beschäftigte mit einem unsicheren Arbeitsplatz haben ein erhöhtes Doping-Risiko. „Hirndoping ist mittlerweile bei ‚Otto Normalverbraucher‘ angekommen, um den Arbeitsalltag besser zu meistern. Das Klischee der dopenden Top-Manager ist damit vom Tisch“, so Umlauf.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0