Häusliches Arbeitszimmer: alles oder nichts

Steuerzahler dürfen ein häusliches Arbeitszimmer nur dann absetzen, wenn der Raum nahezu ausschließlich beruflich genutzt wird. Ein nur zeitweise für die Arbeit genutzter Raum werde steuerlich nicht anerkannt, erklärte der Große Senat des Bundesfinanzhofes (BFH) in einer erst jetzt veröffentlichten Grundsatzentscheidung vom 27.07.2015 (GrS 1/14).

Steuerberater Wolf-Dieter Kleinschmidt (Bernburg) erläuterte, ein häusliches Arbeitszimmer setze neben einem büromäßig eingerichteten Raum voraus, dass es ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt werde. Eine Arbeitsecke in einem Raum, der ansonsten privaten Zwecken dient, könne deshalb nicht geltend gemacht werden.

 

Obwohl für viele Arbeitnehmer in Deutschland die regelmäßige Arbeit von zu Hause (Home-Office ) längst zum Alltag gehört, können in der Steuererklärung die Kosten für den häuslichen Arbeitsplatz meistens nicht geltend gemacht werden. Hoffnungen auf eine Lockerung der strengen Regeln hat der BFH nun enttäuscht.

 

Nach Ansicht der Richter lasse sich kaum überprüfen, wie viel Zeit der Arbeitnehmer tatsächlich in dem Raum arbeitet. Diskutiert wurde auch über ein Zeitenbuch, in dem der Steuerzahler seine Anwesenheit im häuslichen Arbeitszimmer dokumentiert. Der BFH sah darin aber kein geeignetes Mittel, weil die darin enthaltenen Angaben keinen über eine bloße Behauptung des Steuerpflichtigen hinausgehenden Beweiswert hätten.

 

Nur wenn Arbeitnehmer nachweisen, dass ihnen für ihre Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht – zum Beispiel Lehrer oder Außendienstmitarbeiter –, können sie Kosten bis zu 1250 Euro pro Jahr geltend machen. Wenn das Arbeitszimmer aber nachweislich den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen oder beruflichen Tätigkeit bildet, können die Kosten in unbegrenzter Höhe in der Steuererklärung angegeben werden, erklärte Kleinschmidt.

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