2. Rundtischgespräch zum Thema Arbeits- und Fachkräftemangel

Anwesende Gesprächsteilnehmer werden die Mittelstandsbeauftragte des Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Agentur für Arbeit, Berufsbildende Schule Anhalt-Bitterfeld, IHK Halle-Dessau, Wirtschaftsförderung/ Tourismusverband sowie die Ausländerbehörde des Landkreis Anhalt-Bitterfeld sein.


Das 2. Rundtischgespräch zum Thema Arbeits- und Fachkräftemangel richtet sich an Arbeitgeber, welche Lösungen zum bestehenden Arbeits- und Fachkräftemangel in der Gastronomie, Tourismus, Handwerk, Altenpflege usw. suchen. Anwesende Gesprächsteilnehmer werden die Mittelstandsbeauftragte des Landkreis Anhalt-Bitterfeld, Agentur für Arbeit, Berufsbildende Schule Anhalt-Bitterfeld, IHK Halle-Dessau, Wirtschaftsförderung/ Tourismusverband sowie die Ausländerbehörde des Landkreis Anhalt-Bitterfeld sein.

 

Sollten Sie sich angesprochen fühlen, sind Sie hierzu herzlich einladen. Das vorgesehene Folgetreffen wird am 02.05.17 um 10:00 Uhr im Paschlewwer Freizeit&Ferienhof, Trinumer Weg 04 in 06386 Osternienburger Land statt finden.

 

Bitte vorherige Teilnahmebestätigung per Telefon: 03496/ 510396

 

Der Tourismus boomt, ob Kreuzfahrten, hochwertiger Flugurlaub oder Kurzurlaub in Deutschlands Freizeit- und Ferienparks. Der Anteil der touristischen Beschäftigung in Deutschland liegt bei 7 Prozent. Absolut arbeiteten rund 2,9 Millionen Erwerbstätige im Tourismus in Deutschland. Der Urlaub vor der Haustür wächst weiter, das ist das Ergebnisse der amtlichen Tourismusstatistik 2016. Das Statistische Bundesamt meldet für Sachsen-Anhalt in den Monaten Januar bis August 2016 rund 2,1 Mio. Gäste und 5,2 Mio. Übernachtungen in Beherbergungsbetrieben mit zehn und mehr Betten sowie auf Campingplätzen mit mehr als neun Stellplätzen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum bedeutet dies ein Plus bei den Gästeankünften von 1,2%, das Übernachtungsaufkommen liegt um +1,7%.

 

Das große Problem in der Gastronomiebranche

 

Während die Tourismuszahlen weiter steigen, ist im gesamtem Hotel- und Gastgewerbe im Land Personalmangel angesagt. Wie das STERNKLASSE-Magazin schreibt, werden Öffnungszeiten gekürzt, Saisonbetriebe lasten Kapazitäten nicht aus, Restaurants schließen zeitweilig oder reduzieren die Speisekarte – Frust, Unmut und Ärger nehmen zu. Bei Gästen, Gastronomen und Mitarbeitern. Für selbstständige Gastwirte ist eine Ü-60-Stunden-Woche die Regel, Aushilfen und Auszubildende sind immer schwerer zu finden, viele Berufsanfänger zeigen sich überfordert.

 

So sieht das auch Familie Nickel, die seit 14 Jahren den Paschlewwer Freizeit- und Ferienhof betreibt. Ziel war familienfreundlich zu sein, Gäste das gesamte Jahre begrüßen zu können, wir haben damals nicht erahnt, das wir in Deutschland ein Nachwuchsproblem bekommen würden. Ein schleichender Prozess, wir haben rund 80.000 Gäste im Jahr, aber es sind kaum Lehrlinge zu kriegen, auf einen Job als Kellner haben viele keine Lust und wer will schon am Samstag oder Sonntag arbeiten, während die Freunde feiern?

 

Bundesweites Gaststättensterben droht

 

Das Problem besteht bundesweit, der Hilfeschrei von Gaststädten und Restaurants verhalt, es drohen trotz randvollen Auftragsbüchern schließungen, Veranstaltungen müssen ausgebremst werden, der Personalmangel wird in den nächsten Jahren noch haarsträubend, hinzu kommt das jeder siebte Hotelfachmann, jeder achte Koch und jeder zehnte Restaurantfachmann seine Ausbildung abbricht. Betroffen sind große und kleine Unternehmen, viele von ihnen sind in den 90igern gegründet, die eigenen Kinder studieren, kaum einer will noch in der Gastronomie arbeiten. Die Verstärkung des Problems liegt auch darin, dass man Geld fürs Zuhause bleiben bekommt.

 

Die Altersstruktur zeigt eine rasante Entwicklung, immer mehr Alte, kaum noch Personal in der Altenpflege. Es ist fünf nach zwölf, eine chronische Unterbesetzung in vielen Bereichen, wo kommen künftig die fehlenden Arbeitskräfte her? Alternativen aus dem Fundus den Deutschland bietet, gibt es keine. Über Jahre hinweg veröffentlichte Stellenausschreibungen bringen nicht das erforderliche Personal, der Versuch, in bestimmten Bereichen wie der Gastronomie, Arbeitskräfte innerhalb des europäischen Union wie Portugal oder Spanien zu holen, zeigt null Resonanz.

 

Privates Arrangement stimmt positiv

 

Auch wenn Arbeitsagenturen einen guten Job machen, aber woher Arbeitskräfte nehmen, wenn einfach keine verfügbar sind? Diese Frage stellte sich 2014 auch Familie Nickel aus Großpaschleben. Wenn es in Indonesien so viel gut gebildete junge Menschen gibt, aber keine Jobs, könnte man diese nicht nach Deutschland holen, um damit den Arbeitskräftemangel auszubremsen? In Indonesien investieren die Eltern viel Geld in die Bildung ihrer Kinder. Wer das Geld hat, schickt seine Kinder nach dem Abitur zum Studium. Dann haben diese zwar eine gute Bildung, jedoch keinen Arbeitsplatz. Da es auch kein Sozialsystem und keine Rente vom Staat gibt, sind die Kinder für Ihre Eltern verantwortlich.

 

An fünfzehn verschiedenen Standorten in Indonesien sprach der Unternehmer aus Großpaschleben an Universitäten vor Schülern, welche die deutsche Sprache lernten. In 45 Minuten wurde erklärt, was Deutschland ist, was hier passiert und wie man hier lebt. Die Resonanz, viele Schüler suchen händeringend nach einem Job. Die Meinung über die Deutschen in Indonesien ist, dass es ein arrogantes und besserwisserisches Volk mit vielen Millionären ist.

 

Das Ergebnis der Vorträge war allerdings, dass 80 % der Schüler bereit waren, eine Ausbildung in Deutschland zu absolvieren. Die deutsche Ausbildung, das deutsche Zertifikat oder der deutsche Facharbeiterbrief ist für einen Asiaten extrem hoch angebunden, weil dieser in der gesamten Welt anerkannt wird.

 

Gut ausgebildete Arbeitskräfte aus Indonesien

 

Die meisten Luxushotels dieser Welt werden von deutschen Geschäftsführern geleitet, auch die Sterneköche sind oft deutsche, die meisten Angestellten sind Asier. Aufgrund der finanziellen Lage sind die Menschen in Asien bescheiden erzogen, alle sind von einem hohen Bildungsgrad und der Morgen beginnt bereits mit einem Lächeln.

 

Jeder kann in Deutschland studieren und eine Ausbildung absolvieren, Maßgabe ist allerdings immer, deutsche Arbeitnehmer dadurch nicht zu benachteiligen. Wenn Stellenausschreibungen über Jahre keine Resonanz bringen, dann ist der letzte Schritt, arbeitswillige junge Leute aus Drittländern nach Deutschland zu holen, um diese hier auszubilden.

 

Was auf Kreuzfahrtschiffen völlig normal ist, hat im Gastronomiebereich in Deutschland großen nachhole Bedarf. Wir werden uns schnell daran gewöhnen, von ausländischen Mitbürgern bedient zu werden, egal ob im Gastronomiebereich oder in der Pflege.

 

Kaum staatliche Lösungen für Personalnachwuchs

 

Der B-Plan in der Altenpflege jedenfalls, regelt ein Abkommen der Bundesrepublik mit den Philippinen oder Vietnam. Nach kurzen Crashkursen sollen diese den Kontakt mit den deutschen Bürgern halten, Verständigungsprobleme sind oft vorprogrammiert.

 

Generell gibt es wenig Unterstützung von staatlicher Seite, die Möglichkeiten für eine Jobsuche in Deutschland bietet das Auswärtiges Amt der Bundesrepublik Deutschland. Deutschland ist ein integratives Land, hier ist jeder herzlich Willkommen, um zu lernen und zu studieren.

 

In der Realität müssen alle Auszubildenden gleich behandelt werden, auch wenn diese aus Indonesien kommen. Vorraussetzung ist ein Ausbilderschein, die Einbeziehung der Industrie- und Handelskammer als Anlaufpunkt für Lehr- und Ausbildungsverträge und das Mitspracherecht der Agentur für Arbeit.

 

Wie Funktioniert das denn mit ausländischen Arbeitskräften

 

Gut! Nach Verhandlungen mit der Botschaft in Jakarta über Ausbildungsplätze in Deutschland bekommen die jungen Menschen einen Termin, ihre Unterlagen abzugeben. Dazu gehören ein Wohnungsmietvertrag, ein Ausbildungsvertrag, und die Genehmigung vom Arbeitsamt. Die künftigen Arbeitsgeber bzw. Ausbildungsbetriebe unterliegen strenge Prüfungen. Nach Erteilung des Arbeitsvisum in Indonesien wird dieses bei der jeweiligen Ausländerbehörde des Landkreises auf 3 Jahre verlängert. Mit Erteilung des Visum ging es im August 2016 für die ersten vier Jugendlichen mit abgeschlossenen Studium nach Deutschland. Die zwei Kellner und zwei Köche mussten zuvor einen sechsmonatigen Deutschkurs absolvieren und eine A1 Prüfung in Jakarta ablegen. Die Einarbeitung ins Team ging reibungslos, sie haben sich schnell integriert, werden wie Familienmitglieder behandelt, und von unseren Kunden sehr gemocht.

 

Weitere fünf Jugendliche kamen im Februar 2017 nach Deutschland, insgesamt 6 Jungen und 3 Mädchen. Problem war den Schulstoff des letzten halben Jahres nachzuholen, doch inzwischen gehören diese Jugendlichen aus Indonesien zu den besten Schüler der jeweiligen Klasse in der Berufsschule Bitterfeld. Ausgebildet werden die 18 bis 24 jährigen zum Restaurantfachmann/ frau, Koch oder Köchin und Büromanagement.

 

Was halten Gäste von der ausländischer Bedienung

 

Die Praxis im Paschlewwer Freizeit- und Ferienhof zeigte, dass sich anfängliche Bauchschmerzen innerhalb von 24 Stunden lösten. Die überaus freundlichen indonesischen Auszubildenden werden regelrecht von unseren Gästen vergöttert. Der Umsatz konnte gesteigert werden, Spitzen können gut abgearbeitet werden, die Freundlichkeit und Herzenswärme überträgt sich auf die gesamte Belegschaft, es gibt keine Sprachbarrieren. Das Feedback ist riesig, gelobt werden unsere Auszubildenden in den höchsten Tönen, ja die Gäste lieben unsere neuen Jugendlichen.

 

Im Urlaub in Indonesien akzeptieren wir ja auch die einheimischen Menschen, sie sind gut drauf, freundlich, lächeln den ganzen Tag, war um sollte das bei uns nicht auch funktionieren? Und es funktioniert!

 

Der Kontakt über skype oder whats up nach Hause ist groß und so positiv, dass inzwischen eine Bewerberflut durch ehemalige Mitschüler und Freunde in Indonesien herein strömt, die wir nicht bedienen können.

 

Ist das eine Lösung für ganz Deutschland?

 

Ja, denn Indonesien hat über ‎255.461.700 Einwohner, aber wenig Arbeit. Wir in Deutschland haben viel Arbeit, aber wenige, die in der Gastronomiebranche arbeiten wollen. Die gute Bildung in Indonesien, Deutschsprachkenntnisse und Freundlichkeit der Jugendlichen bietet beste Vorraussetzungen. Wenn hier keine Arbeitskräfte verfügbar sind, drohen in strukturschwachen Regionen wie Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Thüringen viele Schließungen.

 

Jeder Unternehmer sollte sich über die Zukunft seines Unternehmens intensiv beschäftigen und die Frage stellen, wie geht es weiter, welche Hilfe gibt es, wie komme ich an gute Leute? Aufgrund unserer Erfahrungen bieten wir Interessierte unsere Hilfe in allen Fragen an.

 

Haben Sie vielleicht auch ein persönliches Interesse?

 

Wir mögen Indonesien, wir mögen die Menschen. Wir haben viele Familien kennen gelernt, viele fragen, ob wir Ihre Kinder nicht in Deutschland unterbringen können!

 

Indonesien hat viele junge Menschen mit guter Bildung die arbeiten wollen. Wir haben hingegen haben viel Arbeit, aber kein Personal. Wenn es bei den großen funktioniert, warum nicht bei uns? Der Wirtschaftsboom in den fünfziger Jahren kam auch durch angeworbene Arbeiter aus Italien, der Türkei usw., von den 2 Millionen Kriegsflüchtlingen, die in den letzten Jahren nach Deutschland gekommen sind, war leider niemand dabei, der in der Gastronomie arbeiten wollte oder sich bei uns gemeldet hat.

 

Apel an Politik und Wirtschaft

 

Seriöse Arbeiten werden in Deutschland von der Agentur für Arbeit vergeben, es müssen aber Leute ins Boot geholt werden, die erkannt haben, das wir für unsere Firmen keine Arbeitskräfte mehr haben. Ein Hilfeschrei in der gesamten Gastronomiebranche, wir müssen uns dringend kümmern, das Stellen besetzt werden können, um auch langfristig den Mehrwert der Gastronomie für den Tourismus am Leben zu erhalten. Das gleiche gilt für Freizeiteinrichtungen, dem Handwerk und der Altenpflege. Wir brauchen mehr Menschen, die in diesen Jobs arbeiten wollen.

 

Die Unternehmen sind in die Jahre gekommen, wenn wir zeitnah reagieren, Menschen und somit Arbeitskräfte hier her zu holen, die auch bereit sind zu arbeiten, immer unter dem Aspekt, diese so wie deutsche Arbeitnehmer zu behandeln, auch nach den Gesetzmäßigkeiten, dann können wir unsere Unternehmen weiter führen. Es wird die einzige Lösung in den nächsten Jahren sein, aufgrund der Globalisierung werden wir uns mit der Frage künftig auseinander setzen müssen, wo wir sicher vor fünfzehn Jahren noch nicht daran gedacht haben. Die Globalisierung sollte nicht vor ausländischen Arbeitskräften halt machen.

 



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