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Arbeitskraft gesucht – Engpassberufe im Salzlandkreis

Der Salzlandkreis bietet viel Arbeit, aber in einigen Berufsgruppen bleiben offene Stellen immer länger unbesetzt.


Die gerade veröffentlichten Zahlen der Agentur für Arbeit zeigen es ganz deutlich: Im Salzlandkreis bleibt die Erwerbstätigkeit nach wie vor auf Rekordniveau. Die Arbeitslosenquote liegt bei 9,1 Prozent und die Beschäftigung wächst kontinuierlich. Ende Dezember 2017, belief sich die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung im Bezirk der Agentur für Arbeit Bernburg auf 63.091. Gegenüber dem Vorjahresquartal war das eine Zunahme um 685 oder 1,1 Prozent mehr Beschäftigte. Nach Branchen gab es absolut betrachtet die stärkste Zunahme bei Heimen und Sozialwesen (+320 oder +4,1Prozent); am ungünstigsten war dagegen die Entwicklung im Bereich der Erziehung und des Unterrichtes (–126 oder –4,7 Prozent).

 

„Die Gründe hierfür sind vielfältig. Doch im Wesentlichen führen der demografische Wandel und die sinkende Arbeitslosigkeit dazu, dass es für die Betriebe immer schwerer wird, ihre offenen Stellen zu besetzen. Wir sprechen nicht von einem flächendeckenden Fachkräftemangel, aber wir definieren in einigen Berufsgruppen größere Engpässe, die das weitere Wachstum gefährden“, erläutert Anja Huth, Chefin der Agentur für Arbeit Bernburg.

 

Wartezeiten von bis zu 9 Monaten bei der Stellenbesetzung

 

Im Idealfall wird eine offene Stelle direkt besetzt. Allerdings kommt es je nach Anforderungsprofil häufig zu einer ungeplanten Vakanzdauer, die vom gewünschten Besetzungstermin bis zum tatsächlichen Arbeitsbeginn des Arbeitnehmers und damit einer Abmeldung der Stelle bei der Agentur für Arbeit reicht. 107 Tage dauert es im Schnitt, bis eine offene Stelle im Agenturbezirk Bernburg besetzt wird, Helfertätigkeiten ausgenommen.

 

Engpässe bestehen insbesondere in der Baubranche/Architektur und Vermessung, sowie in der Produktion und Fertigung. Hier dauert die Stellenbesetzung im Schnitt ca.190 Tage, also etwa 6 Monate. Der Zeitraum ist im Vorjahresvergleich um ca.100 Tage angestiegen. In der Gesundheitsbranche, wie z.B. der Altenpflege, dauert es mehr als 5 Monate bis eine offene Stelle besetzt wird. In allen genannten Berufshauptgruppen kommen auf eine Arbeitsstelle zwei oder mehr Arbeitslose.

 

„Ein großer Teil der arbeitslos gemeldeten Menschen verfügen nicht über die in den Stellenangeboten geforderten beruflichen Fähigkeiten und Fertigkeiten. Zusätzlich gibt es weitere Hemmnisse in der Stellenbesetzung, wie fehlende Mobilität oder die Einschränkung der Arbeitszeiten durch das Erfordernis der Kinderbetreuung“, schildert Anja Huth die Problematik.

 

Qualifizierung in Mangelberufen

 

Ein Blick auf das Anforderungsniveau der gemeldeten Stellen zeigt, dass insbesondere im Bereich der Altenpflege ein „Passungsproblem“ besteht. Es werden überwiegend Fachkräfte gesucht. Diese sind auf dem Arbeitsmarkt jedoch schwer zu finden. Viele Arbeitslose suchen eher nach Helfertätigkeiten in diesem Bereich.

 

„Neben der Gewinnung von Pendlern und Fachkräften aus dem Ausland sehen wir deshalb in der Qualifizierung von Arbeitslosen und geringqualifizierten Beschäftigten einen möglichen Lösungsansatz. Für das Jahr 2018 investieren wir in die berufliche Qualifizierung im engeren Sinne allein 4 Millionen Euro. Gerade Hilfskräfte sollen die Möglichkeit bekommen, anerkannte Berufsabschlüsse zu erwerben, wie z.B. zur examinierten Altenpflegekraft. Das gibt Sicherheit für die eigene berufliche Zukunft und verschafft den Unternehmen die dringend gesuchte Fachkraft“, so der Chefin der Arbeitsagentur.

 

Engpass Ausbildung

 

Anja Huth appelliert auch an die Unternehmen, in die Qualifizierung ihrer Mitarbeiter zu investieren, um die vorhandenen Fachkräfte zu halten sowie frühzeitig den Nachwuchs für die eigenen Berufe zu begeistern. „Sie legen in der Ausbildung den Grundstein für die jungen Menschen und entscheiden maßgeblich mit, ob diese in ihrem Ausbildungsbetrieb bleiben wollen“, so die Agenturchefin. Viele Alternativen gibt es in den Nachbarkreisen.

 

Für die Berufsausbildung stehen mit 1.056 Bewerber, mehr als 130 Jungen und Mädchen weniger zur Verfügung wie im Jahr 2017. Jedoch liegt die Zahl der Bewerber über die noch keine Verbleibsinformation vorliegt mit 293 um mehr als 10 Prozent höher als im Vorjahresmonat. „Manche Bewerber beklagen, immer noch keine Entscheidung auf ihre Bewerbung erhalten zu haben, während mancher Ausbildungsbetrieb erst zu Ausbildungsbeginn erfährt, dass sich „Ihr“ neuer Azubi kurzfristig doch für eine andere Ausbildung oder eine weiterführende Schule entschieden hat“, so Anja Huth.

 

443 Ausbildungsstellen sind zum Monat Juli noch unbesetzt.



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