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Schönrechnung der Arbeitslosenstatistik im Salzlandkreis?


In der Statistik gelten für Februar 2019 insgesamt 8.857 Menschen arbeitslos, doch tatsächlich sind es knapp 14.000 Menschen im Salzlandkreis, die Unterbeschäftigung macht es Möglich!


Am 01. März wurden die Arbeitsmarktdaten des Salzlandkreises für Februar 2019 durch die Agentur für Arbeit veröffentlicht, so wie jeden Monat. Doch die monatliche Statistik ist nicht die ganze Wahrheit, denn in Wirklichkeit sind deutlich mehr Menschen arbeitslos, die in der offiziellen Statistik heraus gerechnet werden. Hinzu kommt, das der Salzlandkreis eine der höchsten Arbeitslosenquoten in Sachsen-Anhalt hat. Im Vergleich der Kreise steht der Salzlandkreis mit 9,2 % sogar an drittletzter Stelle, wie Anja Huth, Agenturchefin im Rahmen eines Pressegespräches mitteilte. Doch die Statistik liefert ein geschöntes Bild vom Arbeitsmarkt, denn viele Menschen gelten überhaupt nicht als arbeitslos, denn diese fallen in die Unterbeschäftigung.

 

Ein geschöntes Bild vom Arbeitsmarkt?

 

Ja und Nein, denn es sind tatsächlich mehr Menschen arbeitslos, werden aber nicht als "arbeitslos" ausgewiesen. Die sogenannte Unterbeschäftigung wird in der aktuellen Statistik des Salzlandkreises nicht berücksichtigt. Das schönt die Zahlen, welche sich in der Arbeitslosenquote niederschlagen. In der Mitteilung der Agentur für Arbeit Bernburg, veröffentlicht am 01. März 2019, wird eine gesunkene Arbeitslosenquote von 9,5 Prozent im Januar 2019 auf 9,2 Prozent im Februar 2019 offeriert.

 

Wie groß ist die Arbeitslosigkeit am Beispiel des Salzlandkreises für den Februar 2019 also wirklich? Welche Menschen müssen hinzu gezählt werden, um ein reales Bild zu erhalten?

 

1. DIE OFFIZIELL ARBEITSLOSEN

 

Grundlage für die Arbeitslosenstatistik ist die Definition der Arbeitslosigkeit im Sozialgesetzbuch

 

In einer ersten Annäherung an den Wortlaut ist arbeitslos, wer keine bezahlte Arbeit hat. Allerdings gelten nicht alle erwachsenen Menschen, die keiner Erwerbsarbeit nachgehen, als arbeitslos. So werden z.B. Schüler und Studenten, Frauen und Männer, die sich der Erziehung ihrer Kinder widmen, sowie Rentner und Pensionäre nicht als Arbeitslose angesehen. Von Arbeitslosigkeit spricht man umgangssprachlich  erst dann, wenn sie unfreiwillig ist und die betroffenen Personen entsprechend bereit sind, Arbeit aufzunehmen bzw. ihre Arbeitskraft anbieten. In den Resolutionen der Internationalen Arbeitsorganisation, den Verordnungen der Europäischen Union und dem Sozialgesetzbuch (SGB) in Deutschland werden drei Kriterien genannt, die Arbeitslose erfüllen müssen: sie müssen ohne Arbeit sein, dem Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen und Arbeit suchen.

 

Die Arbeitslosigkeit ist im Sozialgesetzbuch (SGB) definiert ist. Dort heißt es im § 16 Absatz 1 SGB III:

 

  • Arbeitslose sind Personen, die wie beim Anspruch auf Arbeitslosengeld
  • vorübergehend nicht in einem Beschäftigungsverhältnis stehen,
  • eine versicherungspflichtige Beschäftigung suchen und dabei den Vermittlungsbemühungen der Agentur für Arbeit zur Verfügung stehen und
  • sich bei der Agentur für Arbeit arbeitslos gemeldet haben.

 

 

 

Feb 19

Jan 19

Feb 18

Personen

8.857

9.071

9.776

Quote in %

9,2

9,5

10,1

 

 

2. WEITERE UNTERBESCHÄFTIGTE

 

Im Abs. 2 heißt es dann außerdem: Teilnehmer an Maßnahmen der aktiven Arbeitsmarktpolitik gelten als nicht arbeitslos. Der Arbeitslosenbegriff wird im Sozialgesetzbuch III weiter präzisiert. Dabei sind insbesondere folgende Vorgaben wichtig:

 

  • Altersabgrenzung
  • Beschäftigungslosigkeit
  • Arbeitsuche und Eigenbemühungen
  • Verfügbarkeit
  • Arbeitslosmeldung

 

Feb 19

ohne UB

mit UB

Personen

8.857

8.857

Unterbeschäftigte

5.100

0

Quote in %

12,7

9,5

 

 

Wie in der Tabelle ersichtlich, gelten 5.100 Menschen im Salzlandkreis offiziell nicht als arbeitslos. Grund hierfür ist, das diese Menschen als unterbeschäftigt gelten. Dazu zählen beispielsweise Menschen in Qualifizierungsmaßnahmen, 1 Euro Jobs oder vorübergehend Krank gemeldet sind, Sprachkurse oder Integrationskurse belegen, oder älter als 58 Jahre alt sind und Hartz IV beziehen.

 

Damit waren im Februar 2019 eben nicht 8.857 Menschen, sondern knapp 14.000 Menschen im Salzlandkreis arbeitslos.



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