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Engpässe auf dem Arbeitsmarkt bieten Beschäftigten und Schülern beste Chancen

Die gute wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Salzlandkreis sorgt für eine Beschäftigungszunahme. Bei vielen Arbeitgebern steigt jedoch mittlerweile die Anspannung, denn der Nachschub an Arbeitskräften – egal ob Nachwuchs, Fachkräfte oder Quereinsteiger – wird zunehmend knapper.



Die gute wirtschaftliche Lage der Unternehmen im Salzlandkreis sorgt für eine Beschäftigungszunahme. Bei vielen Arbeitgebern steigt jedoch mittlerweile die Anspannung, denn der Nachschub an Arbeitskräften – egal ob Nachwuchs, Fachkräfte oder Quereinsteiger – wird zunehmend knapper. Zwar klingen ein relativ hoher Stellenbestand und immer niedriger werdende Arbeitslosenzahlen gut, doch sie erschweren aber auch, das Angebot und Nachfrage auf dem Arbeitsmarkt zusammenfinden.

 

Fachkräftelücke bremst

 

„Die Besetzung einer Arbeitsstelle ist schon lange keine Routine mehr. Gesucht werden in erster Linie beruflich qualifizierte Arbeitskräfte“, erklärt die Chefin der Bernburger Agentur für Arbeit, Anja Huth. „Zum Beispiel hat die Besetzung einer Erzieherstelle im letzten Jahr durchschnittlich 116 Tage gedauert.“

 

Die Gründe hierfür sind vielfältig: „Im Wesentlichen führen der demografische Wandel und die sinkende Arbeitslosigkeit dazu, dass es für die Betriebe immer schwerer wird, ihre offenen Stellen zu besetzen. Allerdings spielt die Attraktivität eines Unternehmens oder die Infrastruktur der Region auch eine entscheidende Rolle. Ganz zu schweigen von einem entsprechenden Lohnniveau. Laut einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung haben die Bewerber ihre vorteilhafte Situation erkannt, immerhin wurde jede sechste Stelle mit mehr Lohn, als vom Arbeitgeber geplant besetzt“, so Anja Huth. „Auch im Landkreis gehen jedes Jahr mittlerweile weit mehr Arbeitnehmer in Rente, als junge Menschen ins Berufsleben einsteigen. Somit wächst die Fachkräftelücke weiter. Auch wenn wir nicht von einem flächendeckenden Fachkräftemangel sprechen, so stellen wir in immer mehr Berufsgruppen größere Engpässe fest, die letztendlich das weitere Wachstum gefährden“, ergänzt Anja Huth.

 

Und dieser Mangel hat massive Auswirkungen auf die heimische Wirtschaft. Unternehmen, die keine Arbeitskräfte finden, müssen Aufträge verschieben oder sogar ablehnen, weil die dringend benötigten Fachkräfte fehlen. Deshalb lassen sich etliche Unternehmen allerlei einfallen, um Fachkräfte zu umwerben und zu halten. Gerade für Arbeitnehmer in den „Mangelberufen“ und für alle diejenigen, die eine Ausbildung oder einen Neustart in diesen Berufen anstreben stehen also „goldene Zeiten“ an.

 

Größte Engpässe in der Fertigung und bei den Gesundheits- und Pflegeberufen

 

Wenige Bewerber auf die gemeldeten Arbeitsstellen gab es im Mai beispielsweise in den Fertigungsberufen. Auf 437 Arbeitsstellen im Bestand wurden 1085 Bewerber gezählt worden. 2,5 Bewerber kommen auf eine gemeldete Arbeitsstelle. „Das klingt entspannt, aber bereits bei weniger als drei Bewerbern je gemeldeter freier Stelle sprechen wir von einem Mangel in dem jeweiligen Beruf“, erläutert die Agenturchefin.

 

Im Gesundheitsbereich kommen immerhin „nur“ 166 Stellen auf 554 Arbeitslose. Auch hier machen die Qualifikation, individuelle Schichtarbeitszeitmöglichkeiten und die regionale Bindung ein schnelles Zusammenkommen schwer. „Bei der Vielfalt der beruflichen Ausprägungen ist ein zeitnahes Matching zwischen Angebot und Nachfrage sehr unwahrscheinlich, denn nur ca. drei Bewerber stehen, rein rechnerisch je Arbeitsstelle zur Verfügung“, erläutert die Agenturchefin.

 

Etwas entspannter ist es auf dem ersten Blick im kaufmännischen Bereich, Handel und Tourismus. Hier kommen auf ca.100 Stellen immerhin mehr als 900 suchende Männer und Frauen. Damit steht das Neunfache an Bewerbern zur Verfügung.

 

Aber auch wenn vermeintlich genügend Bewerber vorhanden sind, finden Unternehmen nicht immer gleich die passenden Mitarbeiter. „Es unterscheiden sich oftmals auch die Anforderungen innerhalb eines Berufes, so dass Qualifizierungs- oder zumindest Einarbeitungszeiten unumgänglich sind“, beschreibt die Chefin der Agentur für Arbeit Bernburg die Situation.

 

Deshalb steigt die Besetzungszeiten je nach Anforderungsprofil der offenen Stellen immer weiter an. Diese Vakanzzeit umschreibt den Zeitraum zwischen dem gewünschten Besetzungstermin und dem tatsächlichen Arbeitsbeginn bei der Abmeldung der Stelle.

 

Engpässe verschärfen sich laut Prognosen

 

Für die Zukunft gibt es laut Prognosemodell des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit (BA) keinen Grund zur Entwarnung. Im Gegenteil. Bis 2030 wird sich die Fachkräftelücke nochmals deutlich erhöhen. Ab Mitte der Zwanzigerjahre wird die Demografie voll durchschlagen und das Durchschnittsalter der Belegschaften wird deutlich zulegen.

 

„Die Prognosen sprechen für sich. Jetzt kommt es darauf an, dass wir gemeinsam mit der Wirtschaft und den Schulen wirksame Gegenmaßnahmen ergreifen, die Qualifizierung von Quereinsteigern könnte eine Lösung sein. Eine Ergänzung ist, über die Attraktivität des Salzlandkreises und deren Beschäftigungsmöglichkeiten zu berichten und somit Berufspendler und junge Familien zur Rückkehr in den Landkreis zu bewegen. Allein das wird nicht reichen, wir brauchen weiteren Zuzug, auch aus den nichteuropäischen Ausland “, ist Huth überzeugt.

 

Steigenden Engpässe bieten gute Chancen – Arbeitsagentur hilft bei Ausbildung und Qualifizierung. Das bringt weiter!

 

„Gerade für Quereinsteiger und Berufswechsler, die sich beruflich verändern wollen, bieten Engpassberufe gute Chancen auf eine sichere Beschäftigung. Als Arbeitsagentur unterstützen wir konkret auf den regionalen Bedarf zugeschnittene Qualifizierungen, dass seit Jahresbeginn geltende Qualifizierungschancengesetz hilft dabei“, informiert Anja Huth.

 

Ausbildung nicht vergessen

 

Das aktuelle Handeln darf vorausschauendes Agieren nicht ausschließen: „Unternehmen die vorausschauend für ihre Bedarfe werben und Azubis an sich binden haben einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil“, so die Agenturchefin abschließend.

 

www.arbeitsagentur.de/Bernburg





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