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Corona setzt den Arbeitsmarkt unter Druck

Mehr als 1.600 Anzeigen mit ca.15.200 Beschäftigten sind seit März in der Agentur für Arbeit Bernburg eingegangen. Fast jedes dritte Unternehmen hat im Salzlandkreis Kurzarbeit angezeigt.



Die Arbeitsmarktdaten wurden am Stichtag 14. April 2020 erhoben. Ohne die Corona-Krise wäre der Arbeitsmarkt im Salzlandkreis mitten in der Frühjahrsbelebung. Fachkräfte würden nicht freigesetzt werden und die Nachfrage der Unternehmen nach Arbeitskräften würde zunehmen und bestimmte Fachkräfte könnten nur durch Qualifizierung und Weiterbildung zeitversetzt vermittelt werden.

 

Doch Corona verändert alles.

 

„Corona ist auf dem Arbeitsmarkt angekommen. Wenngleich auch zunächst nur als Momentaufnahme. Unsere Frühindikatoren für die Folgewochen zeigen, worauf wir uns noch einstellen müssen. Stand Heute sind die Folgen der Corona Pandemie für den Arbeitsmarkt noch nicht klar. Es spielen Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel der Beginn des wirtschaftlichen Handelns, der Öffnung der Läden, der Restaurants, der Beginn von Tourismus, welche wir nicht beeinflussen können. Ich rechne aber mit einem weiteren Anstieg der Arbeitslosigkeit in den kommenden Monaten,“ berichtet, die Chefin der Agentur für Arbeit Bernburg Anja Huth.

 

Kurzarbeit-Das Instrument greift

 

Mehr als 1.600 Anzeigen mit ca.15.200 Beschäftigten sind seit März in der Agentur für Arbeit Bernburg eingegangen. Fast jedes dritte Unternehmen hat im Salzlandkreis Kurzarbeit angezeigt. Mit der Anzeige signalisieren die Betriebe, dass sie demnächst kurzarbeiten lassen wollen. Diese Anzeigen sind zwölf Monate gültig. Wann die Kurzarbeit tatsächlich beginnt, ist zum Zeitpunkt der Anzeige noch offen. Von den im März eingegangenen Anzeigen stammten unter anderem 15 Prozent aus dem verarbeitenden Gewerbe, hier insbesondere die Metall-und Elektroindustrie. Knapp 14 Prozent betreffen den Handel und mehr als 14 Prozent das Gastgewerbe.

 

„Das Instrument Kurzarbeit erfüllt seine Funktion und mindert die Auswirkungen der Coronakrise auf den Arbeitsmarkt für die Unternehmen und für die Menschen ab. Wir arbeiten mit Hochdruck an den Kurzarbeitergeldabrechnungen. Jeder dritte Betrieb aus dem Salzlandkreis hat Kurzarbeit angezeigt. Oder anders herum, für jeden fünften Beschäftigten im Salzlandkreis wurde Kurzarbeit angezeigt. Wir sind uns unserer sozialen Verantwortung sehr bewusst. Mein Appell an die Betriebe, bitte sorgfältig und vollständig die Anträge und Abrechnungen vorzulegen und damit Zeit zu sparen. “, fasst die Bernburger Agenturchefin, die Entwicklung zusammen.

 

Starker Zugang an arbeitslosen Menschen

 

In diesem Monat konnten noch 440 Menschen ein sozialversicherungpflichtige Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt aufnehmen. Das sind knapp 60 Prozent weniger als vor einem Jahr. Knapp 2.100 Menschen haben sich im Laufe des Monats erstmals oder erneut arbeitslos gemeldet. Über 620 Männer und Frauen aus einer abhängigen Beschäftigung auf dem ersten Arbeitsmarkt heraus. Mehr als 30 haben ihre Vollzeitselbständigkeit aufgegeben und knapp 600 Teilnehmer aus Fördermaßnahmen mussten wegen der Coronakrise sich arbeitslos melden.

 

Arbeitslosigkeit betrifft alle Branchen

 

Die Herkunftsbranchen der Freisetzungen beinhalten die ganze Bandbreite der Branchenvielfalt des Salzlandkreises. Jeder sechste Arbeitslose war vorher im verarbeitenden Gewerbe tätig und jeder Achte war bei einem Zeitarbeitsunternehmen beschäftigt.

 

Mehr als zehn Prozent mehr Arbeitslose

 

Üblicherweise gibt es im April mit der Frühjahrsbelebung einen Rückgang beim Bestand an Arbeitslosen. Die Entwicklung verläuft aufgrund der Coronakrise in diesem Jahr in die umgekehrte Richtung. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit im Agenturbezirk liegt im Landesdurchschnitt mit 10,2 Prozent. In allen Regionen des Salzlandkreises war im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Zuwachs der Arbeitslosenquote zu verzeichnen. Im Vergleich zum April 2019 stieg der Bestand an arbeitslosen Menschen um 10,3 Prozent. Mit 9,1 Prozent (157 Menschen) wurden in Aschersleben die wenigsten arbeitslos. In Schönebeck waren es 13,3 Prozent ,257 Menschen mehr als Vormonat. In Bernburg und Umgebung wuchs der Bestand um 9,6 Prozent (207 Menschen). Dem gegenüber steht die Entwicklung in Staßfurt mit einem Zuwachs von 170 mehr arbeitslosen Menschen (9,2 Prozent).

 

Rückgang der Aufnahmefähigkeit des Marktes

 

Der Stellenzugang im April ist im Vergleich zum April 2019 um knapp 40 Prozent gesunken. Die Nachfrage nach Arbeitskräften sank stark: So meldeten Arbeitgeber im April 160 neue Stellen. Das waren 88 weniger als im März. Der Rückgang ist weniger stark ausgeprägt als im Landesdurchschnitt mit ca.55 Prozent. Dagegen ging der Stellenzugang seit Jahresbeginn mit ca.31 Prozent etwas stärker ausgeprägt als im Landesdurchschnitt mit ca.28 Prozent.

 

Verteilung nach Rechtskreisen

 

Im April war im Bereich der Arbeitslosenversicherung ein Zuwachs der Arbeitslosigkeit zu verzeichnen. 2.777 Menschen (262 bzw. 10,4 Prozent mehr als im Vergleich zum Vormonat) waren zum Monatsende arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahresmonat waren 308 bzw.12,5 Prozent mehr Männer und Frauen arbeitslos gemeldet. Im Bereich der Grundsicherung stieg die Arbeitslosigkeit um fast 530 Menschen über dem Niveau des Vormonats. Knapp 5.700 Männer und Frauen waren Ende des Monats im Jobcenter des Salzlandkreises arbeitslos gemeldet.

 

Arbeitsmarktsituation in den Regionen

 

Region Bernburg: Die Arbeitslosigkeit ist von März auf April um 207 auf 2.370 Menschen gestiegen. Das waren 221 arbeitslose Männer und Frauen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug im April 8,2 Prozent, im April letzten Jahres belief sie sich auf 7,4 Prozent. Dabei meldeten sich 587 Personen (neu oder erneut) arbeitslos, 58 mehr als vor einem Jahr und gleichzeitig beendeten 378 Männer und Frauen ihre Arbeitslosigkeit, knapp 360 Menschen weniger. Der Bestand an Arbeitsstellen ist im April um 48 Stellen auf 266 gesunken. Im Vergleich zum Vorjahresmonat gab es 50 Arbeitsstellen mehr. Arbeitgeber meldeten im April 45 neue Arbeitsstellen, 28 weniger als vor einem Jahr. Seit Januar gingen 261 Arbeitsstellen ein, gegenüber dem Vorjahreszeitraum ist das ein Rückgang von 108.

 

Region Aschersleben: In Aschersleben hat sich die Arbeitslosigkeit von März auf April um knapp 160 Menschen auf 1.881 erhöht. Das sind ca. 145 arbeitslose Männer und Frauen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug in diesem Monat 11,0 Prozent, das sind 1,0 Prozentpunkte über der Quote vom Vorjahresmonat. 278 Arbeitsstellen waren in diesem Monat im Bestand, vor einem Jahr wurden 63 Arbeitsstellen weniger gemeldet. Arbeitgeber meldeten in diesem Monat 54 neue Arbeitsstellen, 6 mehr als vor einem Jahr.

 

Region Staßfurt: In Staßfurt ist die Arbeitslosigkeit von März auf April um 170 auf 2.024 Menschen gestiegen. Das sind ca.40 arbeitslose Männer und Frauen mehr als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote betrug in diesem Monat 9,4 Prozent und stieg damit um 0,4 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahresmonat. 122 Arbeitsstellen sind in diesem Monat im Bestand,15 wurden im April gemeldet. Das sind 71 Prozent weniger als im April 2019.

 

Region Schönebeck: Insgesamt ist der Bestand an arbeitslosen Menschen von März auf April um mehr als 250 auf 2.186 Menschen angewachsen. Vor einem Jahr waren ca.170 Männer und Frauen weniger arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote auf Basis aller zivilen Erwerbspersonen betrug in diesem Monat 8,1 Prozent. Vor einem Jahr waren das 0,8 Prozentpunkte weniger. Der Bestand an Arbeitsstellen reduzierte sich um eine Arbeitsstelle auf 311.Vor einem Jahr hatten die Schönebecker Unternehmen ca.60 Arbeitsstellen mehr gemeldet. In diesem Monat wurden 46 neue Arbeitsstellen, knapp 50 weniger als vor einem Jahr.




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