Do
06
Jan
2011
Ralf Buresch ist der König der Lüfte
Egal bei welchem Wetter, ob Kälte oder Hitze, wenn Ralf Buresch in seine Yak-52 steigt, bedeutet das: Kunstflug und Akrobatik am Himmel. Seit rund zwei Jahren startet das Flugzeug, welches ursprünglich als Schulungsflugzeug für angehende Militärpiloten gebaut wurde, in Köthen in den Himmel.
Das Flugzeug ist schwer und durstig, laut und eng, aber interessant. Deshalb wird das blaue Ungetüm auch Eisenschwein genannt. Für einen einstündigen Kunstflug gehen schon mal 160 Liter Treibstoff drauf, aber der Kick ist dieses wert. Doch wie verrückt muss man eigentlich sein, um mit der Yak mitzufliegen? Viele Schaulustige beobachten das Irre wöchentliche Treiben am Himmel zwischen Köthen und Paschleben. Das Flugzeug ist eine Faszination am Himmel, noch vor zwanzig Jahren war dies unvorstellbar. Viele können sich jedoch noch gut an die Zeit erinnern, in der jede Woche im Tiefflug das Geschwader der sowjetischen Luftstreitkräfte über Bernburg dröhnte. Genau dort, wo einst die Flugzeuge starteten, macht heute das ehemalige Schulungsflugzeug auf sich aufmerksam. Im Tiefflug wird die Landebahn in einen weißen Nebel eingehüllt, bevor das Flugzeug mit 200 kmh senkrecht in den Himmel schießt. 360 PS drücken den Piloten in den Sitz, bei Flugmanövern geht es dann mit 360 km/h senkrecht zur Erde, um die Maschine mit bis zu 7g wieder abzufangen.
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Das ist so verrückt, dass ich (Lutz Altrock) es sofort ausprobieren musste. Nach einer ausführlichen Einweisung an Technik und verhalten während des Fluges ging es über die Tragfläche auf den hinteren Sitz des Flugzeuges. Zwischen den Beinen der Steuerknüppel, unter den Füßen Pedale, vor mir alles voll Instrumente, links lauter Hebel, unter mir Seilzüge, jetzt saß ich in einem relativ engen Cockpit. Um bei den Kunstflugmanövern nicht heraus zu fallen, wurde ich jetzt angeschnallt, aber nicht wie im Auto, sondern wie auf einer Rakete. Gurte über Beine, Schultern, von Links nach Rechts, von Rechts nach Links, von oben nach unten und umgekehrt, bis Bewegungen unmöglich waren. Gefesselt auf einem Schleudersitz, mit der Vorstellung senkrecht zur Erde zu schießen, nicht zu Wissen was passiert. Spätestens jetzt kam mir die Frage auf: Was mache ich hier eigentlich? Nach dem der Pilot einstieg und sich bereit machte, konnte ich mich schon wieder bewegen, alles war nicht mehr so schlimm, die Kabinenfenster waren offen, ein leichtes Lüftchen durchstreifte meine Haare. Seltsame Geräusche drangen aus dem Flugzeug, doch durch die Einweisung wusste ich ja, dass der Motor mit Druckluft gestartet wird. Plötzlich zitterte das ganze Flugzeug und durch meinen Körper zog eine Welle der Begeisterung. In einem tosenden Lärm sprang der Motor an und über die Kopfhörer war zu hören, dass dieser jetzt warmlaufen müsse. In der Kabine war plötzlich ein Orkan der Stärke 9, der Propeller blies einen heftigen Wind durchs Cockpit. Während ich das Kabinendach schloss, rollten wir in Richtung Startplatz. Nach einer kurzen Verschnaufpause vibrierte plötzlich das ganze Flugzeug, der Lärm stieg und stieg, es roch nach Benzin, alle Lampen blinkten, meine Adern schienen zu platzen und dann, mit einem Ruck, nur ein paar Sekunden später hoben wir ab und es ging senkrecht in den Himmel. Ich hatte ja gesagt dass ich keine Angst habe, vielleicht habe ich da etwas übertrieben. Wahnsinn, nichts als der Himmel vor uns, der Flugplatz immer kleiner, meine Wahrnehmungen schwanden. Hatte vorher gegen den Rat des Piloten noch eine Erbsensuppe gegessen und dann doch so meine Zweifel. Aber ich war nicht tot zu kriegen, obgleich ich nach jedem Flugmanöver glücklich war, es überstanden zu haben und zugleich froh, einmal kurz durchatmen zu können. Adrenalin pur!
Vielleicht wollten Sie auch schon immer mal etwas Verrücktes machen, Achterbahnen sind Ihnen langweilig, Bungee-Sprung oder Fallschirm haben Sie schon alles erlebt. Dann ist es Zeit für einen Ritt in einer Yak-52, sofort springt der Funke über. Je nach Absprache fliegen Sie am Limit, ausreichend dafür ist eine normale körperliche Fitness, die Beschleunigungskräfte bewegen sich zwischen max. - 5G und +7G, welche aber lange nicht anstehen. Bei 7G wird man mit dem 7-fachen des Körpergewichtes in den Sitz gepresst. Während des Fluges sind Sie mit dem Piloten verbunden, es geht erst einmal geradeaus, so machen Sie sich mit der dritten Dimension vertraut. Langsam geht es dann zum Steigflug für die ersten Kunstflugmanöver. Wenn der Motor mit voller Leistung läuft, dann erleben Sie erst einmal einfache Figuren, Steilkurven, Rollen und Aufschwung. Vielleicht der Ritt des Lebens. Natürlich gibt es auch die abgespeckte Variante, es geht hierbei nicht darum, welche Flugmanöver man absolviert, sondern viel mehr um das Erlebnis, einmal mir einer russischen Yak-52 zu fliegen.
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