Erinnerungen Makarenko Haus Bernburg

Heute begannen die Abrissarbeiten am ‪‎Makarenkohaus‬ in der Liebknechtstarße in ‪‎Bernburg‬. Das unter Denkmalschutz stehende Gebäude stand seit mehr als 20 Jahren leer. Zuvor hatte das Landesverwaltungsamt den Abriss genehmigt. Das zum Chemieunternehmen Solvay gehörende 2000 Quadratmeter große Grundstück soll Platz für neue Möglichkeiten schaffen. Bereits im Jahr 1865 kaufte ‪#‎Solvay‬ den Gebäudekomplex von der Eisenbahngesellschaft.


Das Makarenko Haus wurde 1846 als ersten Bahnhof gebaut. Der ehemalig dreiteilige Bau war nicht nur der erste Kopfbahnhof, sondern auch Bahnhofsgaststätte und Hotel. Zwischen 1846 und 1865 fuhr zwischen Köthen und Bernburg eine Dampfeisenbahn, auch Herzog von Anhalt Bernburg machte hier Station.


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Kommentare: 4
  • #1

    DerBernburger (Mittwoch, 11 März 2015 15:30)

    Der Denkmalschutz in unserem Land übernimmt eine wichtige Rolle zum Schutz historischer Gebäude. Damit werden auf gesetzlicher Grundlage viele wichtige historisch-kulturelle Zeitzeugen als auch eine architektonische Vielfalt bewahrt. Historische denkmalgeschützte Gebäude zeugen vom Leben unserer Vorfahren, so dass diese als ein Stück Heimatgeschichte und als kulturelles Erbe angesehen werden.

    Schaut man in die Liste der Kulturdenkmale in Bernburg, so findet man dort auch das Gebäude Rheineplatz 7 aufgeführt. Dazu steht geschrieben: „Bei dem Gebäude handelt es sich im Kern um das 1846 eröffnete erste Bahnhofsgebäude der Stadt. Es war nur bis 1865 als solches in Betrieb. Danach wurde es für verschiedene Zwecke genutzt. Lange Zeit war es Wohnhaus des Werksdirektors der Solvay-Werke, zu DDR-Zeiten diente es als Makarenko-Haus der Arbeit der FDJ. Nach 1990 kam das Areal wieder in den Besitz des Solvay-Konzerns, das Haus ist (Stand Ende 2013) ungenutzt.“

    Dieses Kulturdenkmal darf nun dank Erlaubnis des Landesverwaltungsamtes Magdeburg abgerissen werden und verschwindet so für immer aus unserem Stadtbild. Was also ist diese Liste Wert? Nur das Papier auf der sie steht? Nicht ganz, denn ist man nicht als Konzern, sondern als Bürger im Besitz eines, in dieser Liste aufgeführten Gebäudes, so wird man wohl kaum eine Abrissgenehmigung bekommen. Im Gegenteil, wie fix ist der Denkmalschutzbeauftrage vor Ort, wenn an diesen Gebäuden Fenster oder Dachrinnen erneuert werden müssen.

    Im Denkmalschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt heißt es zur „Erhaltungspflicht“: „Eigentümer, Besitzer und Verantwortliche für Kulturdenkmale sind verpflichtet, die Denkmale nach den anerkannten Grundsätzen der Denkmalpflege zu erhalten, zu pflegen, in Stand zu setzen und zu schützen.“ Wie konnte es da überhaupt erst zu dem jetzigen Zustand des Gebäudes kommen, wo es heißt, der Bau sei hinfällig, ein Abriss unumgänglich? Nun muss man nur noch nachweisen, dass sich die Kosten für eine Sanierung auf längere Sicht nicht amortisieren, schon gilt der Erhalt des Denkmals als unzumutbar. Weshalb lässt man sich Gebäude rückübereignen, wenn man doch so gar nichts damit anfangen kann? Droht der „Villa Wessel“ in der Friedensallee nun ein ebensolches Schicksal?

    Dass es anders geht, zeigen viele Besitzer von Bernburger Gründerzeithäusern, dabei auch Häuser, die sich Ende des 19. Jahrhunderts u.a. Angestellte des Solvay-Werkes errichten ließen. Mit viel Liebe und vor allem auch mit viel Geld haben die jetzigen Eigentümer ihre Häuser saniert und restauriert. Gebäude, die im real existierenden Sozialismus teilweise dem Verfall preisgegeben waren. So zeigen viele dieser Häuser in Bernburg heute wieder ihre alte Schönheit. Die Eigentümer bewahren so Tradition und Originalität ihres Hauses und damit unserer Stadt. Sie bewahren es davor, in die Monotonie und Trostlosigkeit herabzusteigen. Ihr stilgerecht renoviertes Haus demonstriert schon äußerlich die wiedergewonnene Lebensqualität.

    Schade, dass Bernburg nun mit dem Abriss des „Makarenkohauses“ ein Stück sichtbarer Stadtgeschichte verlieren wird.

  • #2

    Leser (Montag, 16 März 2015 09:21)

    Ich kann mich der Meinung nur anschließen. Auch ich habe ein Gründerzeithaus und kann mich noch gut an die Debatten mit der Denkmalbehörde erinnern. Aber wie immer in diesem Land ist der Meter mal 90cm, mal 110cm. In dem Sinne, schöne Woche.

  • #3

    BBG-Historiker (Dienstag, 17 März 2015 10:43)

    Absolut richtig, die vorangegangenen Kommentare!
    Leider erfahren die meisten Bernburger immer erst von solchen Dingen, wenn ein Abriß schon beschlossen und es zu spät ist. Über solche Entscheidungen wird im Vorfeld der "Mantel des Schweigens" gedeckt.
    Tja, jetzt kann man eh nichts mehr machen und wir werden sehen, welcher "Normalo-Kasten ohne Anziehungskraft" an dieser Stelle wiederentsteht...?!
    Hoffentlich gehen einige Menschen jetzt mal öfter mit offenen Augen durch ihre Heimatgeschichte.
    Wünschenswert wäre es auf jeden Fall!

  • #4

    Schöpfer (Dienstag, 17 März 2015 19:32)

    Ist das nicht ein schöner Beitrag zur Erhaltung der Geschichte einer Stadt, die es sowieso dringend nötig hat etwas für ihr Image zu tun....
    Wenn ich in mittelfristiger Sicht diese Stadt verlassen werde weiß ich jetzt schon eines mit Sicherherheit. Mich wird nichts zurück ziehen.