Richtfest an der rekonstruierten Kreisgrabenanlage von Pömmelte-Zackmünde

In zentraler Lage am Zusammenfluss von Elbe und Saale hatte man dort während der Übergangszeit von der Jungsteinzeit zur frühen Bronzezeit, etwa um 2300 v. Chr., eine monumentale Kreisaniage errichtet. Das Rondell datiert etwa in dieselbe Zeit wie das berühmte Monument von Stonehenge, dem es wie auch andere hölzerne Anlagen in Großbritannien im Erscheinungsbild gleicht. Das Rondell von Pömmelte wurde etwa 200 bis 300 Jahre von den Menschen der jungsteinzeitlichen sogenannten Glockenbecher- und der frühbronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur genutzt, wahrscheinlich als zentrales Heiligtum, in dem vielfältige Rituale stattgefunden haben. Mit dem Richtfest wird die Fertigstellung des rekonstruierten vorgeschichtlichen Monuments gefeiert.

Seit September 2013 wurde das über 4000 Jahre alte Ringheiligtum an originaler Stelle wieder errichtet. Der Salzlandkreis als Bauträger wurde dabei durch das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt fachlich beraten. Auf Grundlage der Richtlinie zur Gewährung und Zuwendungen zur Förderung der regionalen ländlichen Entwicklung in Sachsen-Anhalt (RELE) konnte das Projekt mit Finanzmittein aus dem Europäischen Landwirtschaftsfond zur Entwicklung des ländlichen Raumes (ELER) realisiert werden. Die vorangegangenen Ausgrabungen und Forschungen an der Kreisgrabenanlage Pömmelte-Zackmünde wurden in Kooperation zwischen dem Institut für Kunstgeschichte und Archäologien Europas der Martin-Luther-Universität HalleWittenberg und dem Landesamt für Denkmaipflege und Archäologie Sachsen-Anhalt durchgeführt. Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff sagte in seinem Grußwort: ,In den vergangenen Jahren haben Archäologen in Sachsen-Anhalt beeindruckende Spuren der Vergangenheit ausgegraben. Der Boden von Sachsen-Anhalt birgt offensichtlich immer wieder Überraschungen.


Mit der Kreisgrabenanlage von Pömmelte wurde eine deutsche Variante von Stonehenge entdeckt. Die Kreisgrabenanlage wird dem Tourismus in unserem Land neue Potentiale erschließen und ihm wichtige Impulse geben." Mit Blick auf den Salzlandkreis betonte Haseloff: ,Solche regionalen Besonderheiten sind eine große Chance, das eigene Profil zu stärken und weiterzuentwickeln." Landrat Markus Bauer machte deutlich, dass die Investition zur nachhaltigen Nutzung verpflichte und benannte das Ziel. ,Gäste im Salzlandkreis sollen Lust bekommen, hier zu verweilen". ,Das Projekt wird zum Bindeglied für Lebensgefühl, Bildung und Wirtschaftsförderung im Salzlandkreis".


Bis zur feierlichen Eröffnung und offiziellen Angliederung an die Tourismusroute ùHimmelswege" im Sommer 2016 wird der Ort in den kommenden Monaten durch den Bau eines Aussichtsturmes, der Zufahrt, eines Parkplatzes, der Beschilderung und einem Informationssystem für die Besucher infrastrukturell erschlossen. Die Anbindung an den Elberadweg wird ebenfalls baulich realisiert werden. Neben dem Erlebniszentrum Arche Nebra am Fundort der Himmelsscheibe, dem Sonnenobservatorium von Goseck, der Dolmengöttin von Langeneichstädt und dem Landesmuseum für Vorgeschichte Halle wird die rekonstruierte Kreisgrabenanlage von Pömmelte als fünfter Standort in die Tourismusroute ùHimmelswege" aufgenommen.


Die Rekonstruktion der Kreisgrabenanlage von Pömmelte hat - verglichen mit dem rund 2500 Jahre älteren ebenfalls rekonstruierten Sonnenobservatorium von Goseck - einen deutlich interpretativen Charakter. Dies gilt vor allem für die farbenfroh gestalteten und geschnitzten Verzierungen zahlreicher Pfosten und Stelen. Die komplexe Holz-Erde-Architektur bestand aus mehreren konzentrischen Ringen: Einem äußeren Pfostenkranz mit einem beachtlichen Durchmesser von 115 m. Nach innen gestaffelt folgten ein Grubenring, ein Kreisgraben mit vorgelagertem Abschnittswall, eine ,blickdichte" Holzpalisade sowie zwei weitere Pfostenringe. Sie umhegten einen freien Innenraum von etwa 46 m Durchmesser, dem einstigen Hauptaktionsraum, der wohl hauptsächlich der Aüsübung religiöser Handlungen diente. Er war das Herzstück eines Bauwerkes, das man nicht nur für gemeinschaftliche Zeremonien und öffentliche Darbietungen konzipiert hatte. Aufgrund der archäologischen Erforschung des Ortes und Interpretation der Ergebnisse, konnte vielmehr ein von Menschenhand geschaffenes Abbild eines komplexen Weltbildes der Erbauer des Monuments wahrscheinlich gemacht werden.


Wichtige Schlüsselbefunde zum Verständnis des Pömmelter Rondells sind 29 Schachtgruben, die man bis zu 3 m tief in den umlaufenden Kreisgraben eingegraben hatte. In ihnen wurden bei den Ausgrabungen 2005 bis 2008 Scherben zahlreicher Keramikgefäße, Tierknochen, Steinbeile und Mahlsteine, aber auch menschliche Skelette gefunden. Diese Objekte spielten vermutlich bei zeremoniellen Handlungen eine Rolle und wurden anschließend deponiert, u. a. um sie der profanen Nutzung zu entziehen. Die Niederlegungen in mehreren aufeinander folgenden Schritten offenbaren, dass man über mehrere Jahrhunderte hinweg einer durch feste Regeln bestimmten Deponierungstradition folgte. Sie belegen in prägnanter Weise den rituellen Hintergrund der mit den niedergelegten Objekten vollzogenen Handlungen. An einigen der Skelette aus den Deponierungsschächten ließen sich am Schädel und am Brustkorb schwerwiegende, um den Zeitpunkt des Todes zugefügte Verletzungen nachweisen.


Sie belegen, dass diese Kinder, Jugendlichen und Frauen Opfer von Gewalttaten waren. Die leblosen Körper hatte man nach dem Tod teilweise zerstückelt in die Schächte hineingeworfen. Ihnen stehen 13 Bestattungen von Männern gegenüber, die man in einfachen Erdflachgräbern beerdigt hatte. Teils lagen sie entsprechend der üblichen Gepflogenheiten jener Zeit in Hocklage in den Grabgruben, teils wurden nur Teile der Skelette oder der Schädel gefunden. Zusammen mit dem nach Osten gewandten Blick der Bestatteten erlaubt die Positionierung der Gräber in der östlichen Hälfte des Rondells Einblicke in den Totenglauben am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. Vermutlich gab es einen Zusammenhang zwischen dem alltäglichen Aufgang der Sonne im Osten und der Vorstellung vom Weiterleben oder der Wiederauferstehung nach dem Tod. Die Wichtigkeit der Sonne im Glauben am Ende' der Jungsteinzeit und der Frühbronzezeit manifestiert sich auch in den beiden Hauptzugänge des Rondells, durch die man von Ostsüdosten und Westnordwesten in den Innenraum gelangen konnte. Sie sind auf verschiedene Auf- und Untergangspunkte der Sonne in ihrem Jahreslauf ausgerichtet. Für die astronomisch markierten Termine sind jahrtausendealte Feste belegt, an denen der Beginn der Jahreszeiten sowie Anfang und Ende der Erntesaison gefeiert wurden. Vermutlich kamen die Menschen zu solchen Festtagen zum Pömmelter Rondell und feierten den Beginn eines neuen Abschnittes des durch den Rhythmus der Natur bestimmten Jahres.

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