Hochwasserschutzkonzeption verabschiedet, auch Bernburg wird profitieren

In den kommenden fünf Jahren sollen 771 Millionen Euro in den Hochwasserschutz in Sachsen-Anhalt investiert werden. Fast 90 Millionen Euro davon sind geplant für die Anlage von Deichrückverlegungen und Polderbecken. Landwirtschafts- und Umweltminister Dr. Hermann Onko Aeikens sagte am Dienstag in Magdeburg, die nun vom Kabinett beschlossene aktualisierte Hochwasserschutzkonzeption sehe vor, bis 2020 alle Deichanlagen auf den technisch aktuellen Stand zu bringen. Aeikens: „Das schaffen wir. Mittlerweile haben wir 57 Prozent der Deichanlagen nach DIN-Norm saniert, das sind 749 Kilometer. Vor einem Jahr waren es noch 53 Prozent. Jedes Jahr kommen wir ein großes Stück vorwärts, um den Menschen im Land mehr Sicherheit vor Hochwassergefahren zu bringen.“ Auch in Bernburg werden in den kommenden Jahren 26 Millionen Euro Hochwasserbeseitigungsmittel verbaut, so Holger Dittrich, Wirtschaftsdezernent der Stadt Bernburg. Was in Bernburg genau für den Hochwasserschutz getan wird, erfahren Sie in Kürze natürlich auf bbglive.de.

 

Aeikens wies aber auch darauf hin, dass es nicht reicht, Din-gerechte Deiche zu bauen. Er sagte: „Das Hochwasser 2013 hat auch gezeigt, wie wichtig es ist, dem Wasser Raum zu geben, um die Pegel senken zu können. Daher spielen Deichrückverlegungen und Polderbau in der nun vorliegenden aktualisierten Hochwasserschutzkonzeption eine deutlich größere Rolle als vorher.“

 

Die jetzt beschlossene Konzeption listet Deichrückverlegungen mit einer Fläche von insgesamt 2725 Hektar auf. Dazu kommen die Flutungspolder mit einer Fläche von 2914 Hektar. Aeikens erklärte, diese Flächen würden aber noch deutlich erweitert. Derzeit werteten die Fachleute eine Studie zu potentiellen Retentionsflächen in Sachsen-Anhalt aus. Diese weise rund 800 zusätzliche Hektar für Deichrückverlegungen und 6500 Hektar für weitere Polder aus. Außerdem stehen 9.000 Hektar als zu bewirtschaftende Überflutungsflächen zur Verfügung. Seit 1996 wurden in Sachsen-Anhalt durch Deichrückverlegungen rund 600 Hektar Retentionsfläche zurückgewonnen.

 

Aeikens: „Wir betrachten Hochwasserschutz als ein Zusammenspiel vieler Faktoren. Das geht eben weit über den Deichbau hinaus. In den Flussauen des Landes stehen auf knapp 32.000 Hektar Wald. Wald hat in Überflutungsgebieten eine wichtige Funktion, weil er die Abflussgeschwindigkeit senkt und vor Treibeis schützt. Waldflächen können die doppelte Menge Wasser speichern wie Offenflächen. Der Landesforstbetrieb baut deshalb bis 2020 Pappelreinbestände in auentypische Mischwälder um. Außerdem planen unsere Förster auf 1.500 Hektar Waldpflegemaßnahmen, die helfen, den Wald zu stabilisieren.“ Auch die Art und Weise der landwirtschaftlichen Bodenbearbeitung und die Fläche an Dauergrünland bestimme über die Fähigkeit des Bodens, Wasser zurückzuhalten. Aeikens: „Darauf nehmen wir über Förderung und Information Einfluss“.

 

Für die Umsetzung der Hochwasserschutzkonzeption werden bis 2020 insgesamt ca. 771 Millionen € benötigt, davon rund 70 Millionen € für Maßnahmen der Unterhaltung, 54 Mio € für Hochwasserrückhaltebecken, 8,8 Mio € für die Optimierung der Hochwasservorhersage und 6,8 Mio € für die Umsetzung der Hochwasserrisikomanagement-Richtlinie. Ein Umfang von 632 Mio € entfällt auf den Technischen Hochwasserschutz. Hierin enthalten sind ca. 55 Mio € für Deichrückverlegungen und 34 Mio € für Flutungspolder. Die Deckung des Finanzbedarfs soll aus Mitteln des Bundes und des Landes erfolgen.

 

Die Ergebnisse der im Frühjahr erfolgten Verbändeanhörung sind in die jetzt vorliegende Konzeption eingearbeitet worden. Dabei handelt es sich in der Regel um Ergänzungen und Verbesserung der Verständlichkeit.

 

Die Hochwasserschutzkonzeption zeigt den seit 2002 erreichten Stand bei der Verbesserung des Hochwasserschutzes in Sachsen-Anhalt auf. Unter Berücksichtigung der Konsequenzen und Erfahrungen aus dem Hochwasser 2013 zeigt sie zudem, wie die gesetzten Ziele im Hochwasserrisikomanagement, im technischen Hochwasserschutz, in der Hochwasservorsorge sowie bei der Schaffung von zusätzlichem Retentionsraum in Sachsen-Anhalt bis 2020 erreicht werden können. So wird die Hochwasservorsorge durch die bereitgestellten Hochwassergefahren- und Hochwasserrisikokarten unterstützt. Zentrale Elemente sind hier die Verbesserung der Hochwasservorhersage für die Elbe und die umfassende Weiterentwicklung der Hochwasservorhersagezentrale. Anfang Dezember 2014 ist die überarbeitete Hochwassermeldeordnung in Kraft getreten.

 

In der Hochwasserschutzkonzeption werden erstmals auch Belange des kommunalen Hochwasserschutzes erfasst. Um die Landesplanungen in den Landkreisen transparenter zu gestalten, hat der Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Listen mit den Schwerpunktmaßnahmen und Umsetzungszeiträumen in den einzelnen Landkreisen im Internet eingestellt.

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