Hausarchiv der Familie von Anhalt bleibt in Landesbesitz

Als für das Archivwesen zuständiger Ressortchef hat der Minister für Inneres und Sport, Holger Stahlknecht, heute eine Vereinbarung unterzeichnet, wonach das Hausarchiv der Familie von Anhalt weiterhin im Bestand des Landesarchivs verbleibt.   


Mit Abschluss der heutigen Einigung gehen die für die Landesgeschichte äußerst bedeutsamen Archivalien in das Eigentum des Landes über. Sie werden nun dauerhaft am Standort in Dessau-Roßlau des Landesarchivs Sachsen-Anhalt verwahrt und stehen der Öffentlichkeit dort im Kontext der übrigen anhaltischen Überlieferungen zur Nutzung uneingeschränkt zur Verfügung.

 

Holger Stahlknecht: „Ich bin erfreut, dass uns heute ein weiterer wichtiger Schritt bei der Sicherung der kulturellen Überlieferung unseres Landes gelungen ist und diese Archivalien obendrein der Öffentlichkeit zugänglich sind. Dafür danke ich der Erbengemeinschaft von Anhalt.“

 

Hintergrund:  Die Herzöge von Anhalt waren bis 1918 das regierende Haus des Herzogtums/Landes Anhalt. Nach dem Thronverzicht im Ergebnis der Novemberrevolution 1918 und der Bildung des Freistaats Anhalt erfolgte 1919 eine vertragliche Auseinandersetzung mit dem Freistaat über den Umfang des persönlichen Eigentums der Familie von Anhalt. In diesem Zusammenhang wurde auch geregelt, dass die bisher gemeinsam verwahrten Archivalien des anhaltischen Haus- und Staatsarchivs in Schloss Zerbst getrennt werden sollten.

 

Die dem Hausarchiv zugewiesenen Archivalien gingen in das Eigentum der Familie über. Infolge von kriegsbedingten Auslagerungen und der Zerstörung des Schlosses im Frühjahr 1945 sind jedoch Bestandsnachweise und die Registratur des Archivs verlorengegangen. Die Archivalien des Hausarchivs wurden bei der Rücklagerung in das nunmehrige Landesarchiv mit den staatlichen Unterlagen vermischt, so dass sich der genaue Umfang des Hausarchivs heute nur noch näherungsweise bestimmen lässt.

 

In der Bodenreform 1945 wurde die Familie von Anhalt enteignet und das Kunst- und Kulturgut konfisziert. Auf der Grundlage von § 5 Ausgleichsleistungsgesetz sind die beweglichen Kulturgüter, darunter auch das Hausarchiv, nach 1990 an die vormaligen Eigentümer zurückübertragen worden.

 

Das Landesarchiv Sachsen-Anhalt ist das für die Überlieferung des Landes Sachsen-Anhalt zuständige Archiv. Es verwahrt an vier Standorten insgesamt fast 50 laufende Kilometer Urkunden, Amtsbücher, Akten, Karten, Pläne, Zeichnungen und digitale Aufzeichnungen aus über 1000 Jahren Geschichte des Landes und seiner territorialen Vorläufer. Am Standort Dessau im alten Wasserturm in der Heidestraße befindet sich die für die Überlieferung des früheren Landes Anhalt zuständige Abteilung des Landesarchivs. Die Archivalien des Landes stehen zu den Öffnungszeiten der Lesesäle jedem Interessierten zur Einsicht zur Verfügung. Zahlreiche Informationen und digitalisiertes Archivgut findet man darüber hinaus über die Website www.landesarchiv.sachsen-anhalt.de.

 

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