1 Mio. Euro in Wasserkraftanlagen Bernburg investiert

Seit Januar diesen Jahres werden alle Turbinen der Wasserkraftanlage "Saalemühle" in Bernburg generalüberholt. Bereits im letzten Jahr wurde die Anlage "Alte Papierfabrik" grundlegend erneuert. Beide Wasserkraftwerke der Wasserkraft Bernburg GbR werden bis Ende 2015 auf den neusten Stand der Technik gebracht. Nach Komplettüberholung zählt der Wasserkraftstandort Bernburg zu den modernsten in den neuen Bundesländern. Allein auf dem Wasserkraftstandort "Saalemühle" wurden in diesem Jahr rund eine Million Euro investiert.

 

Erneuert wurden aber nicht nur die Turbinen selbst, sondern viel mehr die gesamte Technik und elektronische Steuerung. Somit wird die Anlage "Saalemühle", in welcher insgesamt fünf Turbinen laufen, 1,1 MW sauberen Strom in das öffentliche Stromnetz einspeisen. Die Investition in die neuste Technik bringt nicht nur rund 20 Prozent mehr Leistung als vorher, sondern es lässt sich auch kontinuierlicher Strom produzieren. Bisher bestand das Problem darin, dass bei wenig Wasser einzelne Turbinen abgeschaltet werden mussten. Künftig werden sich auch bei fallenden Saalewasserstand mehr Turbinen drehen.

Dafür mussten gravierende Maßnahmen getroffen werden. Stück für Stück wurden die Turbinenschächte trocken gelegt und die Aggregate von der Firma Wasserkraft-Anlagenbau Stein aus Döbeln demontiert. Die großen Schaufelräder samt Leittafeln, die Getriebe und Generatoren, alles wurde ausgebaut und generalüberholt oder ersetzt. Auch die hölzernen Einlauftafeln, mit welcher die Wassermenge per Hand reguliert wurde, sind durch neue Metalltafeln inkl. hydraulischem Antrieb ersetzt. Bei drei von fünf Turbinen wurden die Leitschaufeln durch strömungsgüstigere ersetzt. Auch die Turbinendeckel wurden erneuert, um den Widerstand des durchströmenden Saalewasser zu reduzieren. Die Lagerung der Laufräder wurde ersetzt, um den Rollwiderstand zu reduzieren. Aber auch nach den Turbinen waren viele verschiedene Arbeiten notwendig, unter anderem die Erneuerung der Trimmklappen am Auslass, welche für die optimale Leistung der Turbinen sorgen. Spektakulär waren neben dem Aus- und Einbau auch die Arbeiten von Tauchern am Auslass der Turbinen am Unterpegel der Saale. Alles hier sind Einzelanfertigungen, erzählt Inhaber und Betreiber der Wasserkraft Bernburg, Matthias Mönchmeier.

 

Auf den Turbinenschächten, welche rund sechs Meter in die Tiefe reichen und sich quasi unterhalb der Saale befinden, befinden sich die Getriebe und Generatoren. Hier wurde von fünf Generatoren vier überarbeitet oder ausgetauscht. Außerdem musste die gesamte Elektrik und elektronische Steuerung, aber auch die Hydraulik ausgewechselt werden.


Bereits seit 1870 laufen hier in der Saalemühle fünf Turbinen. Seit weit über einhundert Jahren wird hier durch das Aufstauen der Saale am Wehr die Kraft des Wassers genutzt. Zuvor wurden in der Papierfabrik auf der Saalehalbinsel und der Saalemühle an der Schleuse die Maschinen über große Lederriemen angetrieben. Später wurden in Zeiten der Industrialisierung die Anlagen elektrifiziert. Nun trieben die Lederriemen nicht mehr Maschinen an, sondern Generatoren an. Große Turbinen wurden unterhalb der Wasserlinie des Oberwasser der Saale verbaut, diese treiben teilweise, je nach Bauart bis heute über Lederriemen die Generatoren an, welche die kinetischer Energie des Wassers in elektrischen Strom umwandeln.

 

Unterhalb der Saale führen große gemauerte Gewölbe das aufgestaute Saalewasser in die Propeller der Turbinen. Das Wasser muss durch die rotierenden Leitschaufeln hindurch und fließt im Unterpegel der Saale wieder ab. Der größte Turbinenschacht der Wasserkraftanlage in der Saalemühle ist so groß wie die Grundfläche eines Einfamilienhauses oder ein Schwimmbecken. Ganze 13 x 28 Meter misst die Turbinenhalle, welche sich unterhalb der Saale befindet. Hier schießt normalerweise das Saalewasser hindurch und treibt das Schaufelrad der größten Turbine mit einem Durchmesser von rund drei Metern an. Während der Bauarbeiten hält nur die Leittafel, also ein Shot dass Saalewasser davon ab, die Turbinenkammer zu fluten. Normaler Weise steht diese je nach Wasserpegel der Saale zwischen 2,5 bis 4,0 Meter unter Wasser. Am Ende der Turbinenkammer ist ein großes Loch im Boden, hier sieht man nun das Wasser des tiefer liegenden Unterpegel leuchten. Auf diesem Loch, welches der Abfluss der Turbine ist, sitzt das Turbinenrad mit seinen Leitschaufeln. Vor Monaten wurde dieses zerlegt, ausgebaut und generalüberholt. Nun wird alles wieder eingebaut und in Betrieb genommen.


Übrigens: Die Schlossbeleuchtung Bernburg wird seit über 20 Jahren von der Wasserkraft Bernburg finanziert und übernommen. Auch Elektrofahrzeuge können an beiden Standorten völlig kostenfrei Strom tanken.

 

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