Veranstaltungsreihe soll engagierte Frauen für die Kommunalpolitik begeistern

„Willkommen im Rathaus“ hieß es am 3. November in Nienburg (Saale). Gastgeberin einer von insgesamt fünf Veranstaltungen dieser Reihe war an diesem Abend Bürgermeisterin Susan Falke. Gemeinsam mit Sachsen-Anhalts Ministerin für Justiz und Gleichstellung, Prof. Dr. Angela Kolb, diskutierte sie an diesem Abend im Nienburger Rathaus mit weit mehr als dreißig, der Einladung der beiden Politikerinnen gefolgten, interessierten Frauen sowohl über deren Erfahrungen in der Kommunalpolitik als auch über mögliche Einstiegswege in diese für mehr Präsenz von Frauen in politischen Gremien und Ämtern.

 

„Sachsen-Anhalts Frauen sind gut ausgebildet, engagiert und selbstbewusst. Trotzdem sind derzeit nur 43 von 247 kommunale Führungspositionen mit Frauen besetzt“, so Ministerin Kolb. Landesweit gibt es, listete Manuela Möller von der Europäischen Akademie für Frauen, Politik und Wirtschaft e. V. (EAF) in ihrem Redebeitrag auf, lediglich eine Landrätin und in den 218 Städten und Gemeinden 34 haupt- und ehrenamtliche Bürgermeisterinnen. Acht der insgesamt 18 Verbandsgemeinden werden aktuell von einer Frau geführt.

Frauen, so Manuela Möller, engagieren sich seit je her z. B. in den Einrichtungen, die ihre Kinder besuchen. Der Übergang in die Politik gelingt ihnen indes schwer. „Damit verzichten Frauen auf wichtige Gestaltungsmöglichkeiten“, so Kolb. Ziel sei es, Frauen anzusprechen und zu qualifizieren, damit sie sich vor Ort politisch engagieren. Was kann getan werden, um Frauen diesen Weg zu erleichtern? Gesetzliche Grundlagen, so z. B. für Parität, müssen geschaffen werden, nannte Möller. Und spezielle Frauennetzwerke seien bestens geeignet, um sich gemeinsam zu engagieren und noch mehr voneinander zu partizipieren.

 

Als einzige Ministerin im Kabinett sehe sich Kolb nicht benachteiligt, so die Landespolitikern auf die Nachfrage der Moderatorin in der sich anschließenden Diskussion. Für eine Änderung der Arbeitskultur sei sie indes. Weniger zeitintensiv und dafür flexibler sollte es zugehen, Sitzungen müssten verkürzt werden, u. a. durch den vermehrten Einsatz moderner Kommunikationstechniken. Ob Bürgermeisterin Falke sich als Exotin in einem von Männern dominierten Bereich sehe und was sie engagierten Frauen auf ihrem Weg in ein politisches Amt mitgeben könne? Es sei durchaus an der Tagesordnung, so die Rathauschefin auf die Frage der Moderatorin, dass man sich als Frau oftmals erst einen Stand in der Männerwelt erarbeiten müsse.

 

Ruhe und Gelassenheit seien ihr dabei schon immer gute Ratgeber gewesen. Frauen sollten sich einfach mehr (zu)trauen. Und Ministerin Kolb ergänzte, dass ihr Antrieb sei, Dinge zu ändern, die momentan noch nicht so sind, wie sie es aus ihrer Sicht sein sollten. Ganz unterschiedliche Erfahrungen mit der Arbeit in der Kommunalpolitik kamen im anschließenden Erfahrungsaustausch zur Sprache. Mit der Ausübung eines politischen Amtes stehe man plötzlich in der Öffentlichkeit und sei angreifbar – eine Herausforderung, mit der sich manche Frau erstmals konfrontiert sehe und auseinandersetzen müsse. Frauen in der Kommunalpolitik, so die einhellige Meinung, seien jedoch in jeder Hinsicht ein Gewinn, bringen sie sich doch nutzenstiftend ein, wenn es darum geht, Lebensumfelder aktiv mitzugestalten und damit auch den eigenen Bedürfnissen und der aller Familien Geltung zu verschaffen. Und das würden Frauen mittels einer ihnen eigenen Kommunikationskultur tun, sachlich orientiert und weniger auf Wirkung bedacht. Noch mehr Frauen davon zu überzeugen, kommunalpolitisch aktiv zu werden, bleibt die erklärte Aufgabe. Basiskommunikation, so wie heute in Nienburg (Saale) geschehen, sei dabei, so eine Teilnehmerin, ein Schritt in die richtige Richtung.

 

Interessante Gespräche in lockerer Runde kamen beim anschließenden Imbiss zustande. Vernetzung geschah hier sogleich in der Praxis als der Wunsch geäußert wurde, in Verbindung zu bleiben und Kontaktdaten ausgetauscht wurden. Äußerst zufrieden mit dem Verlauf der Veranstaltung zeigte sich Bürgermeisterin Falke. Mit solch großem Zuspruch hatte sie nicht gerechnet, verriet sie im Anschluss. Ums so mehr hätte sie sich über die vielen interessierten Frauen gefreut, die die Veranstaltung mit ihren Redebeiträgen bereichert hätten.

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