Archivalie des Monats, Parforcehaus Bernburg

Unterhalb der Wippermündung bei Zörnitz lag ein Kohlenumschlagplatz, er gehörte dem Fürsten zu Anhalt.  Die  Pfönnerschaft  Staßfurt  (Steinkohleförderung)  nutzte  diese  Kohleumschlagstelle  nach Erneuerung der Schleuse in Rothenburg (um 1710). Am  8.  Juni  unterschreiben  der  König  von  Preußen  und  der  Fürst  Viktor  Amadeus  zu  Anhalt-Bernburg  einen  Vertrag,  indem  Victor  Amadeus  den  Preußen  den  Platz  an  der  Wipper  und verpflichtet sich, daneben einen Gasthof mit notwendigen Stallungen zu errichten. So entsteht 1716 an der Wippermündung eine königlich preußische Kohlenniederlage.


Auch der Bau des fürstlich-anhaltinischen  Gasthofes  folgt  innerhalb  der  nächsten  zwei  Jahre.  Der  Gasthof  wurde  zwar  nach kurzer  Zeit  wieder  geschlossen,  um  aber  ab  1728  wieder  dauerhaft  zu  öffnen.  Das  Haus  weist zunächst  nur  Stube  und  Kammer  auf,  ein  Schankraum  kommt  später  hinzu.  In  den  anliegenden Stallungen ist Platz für acht Pferde.

1716 entstand an der Wippermündung, an der königlich-preußischen Kohlenniederlage, ein fürstlich anhaltischer Gasthof, indem später ein Schankraum eingerichtet wurde. Das Haus diente auch als Verhandlungsstätte und Ausflugsziel Viktor Friedrichs. Der erste Gastwirt ist der Kohlenfaktor des Wettiner Werkes, Friedrich Beyer.

 

Zu dieser Zeit legten auch dänische Truppen zwischen Gasthaus und Wipperbrücke längere Rast ein, sie befanden sich gerade auf dem Durchzug nach Süddeutschland. An ihrem Erscheinen nimmt die Bevölkerung lebhaften Anteil; so bildet sich der Name "Dänisches Lager", der kurz darauf auch Amtsfähigkeit  erlangt.  Der  idyllisch  gelegene  Gasthof  wird  während  der  ersten  Regierungsjahre Viktor Friedrichs gern als Verhandlungsort und Wanderziel gewählt.

 

1728 läuft der Vertrag über die Steinkohlenniederlage aus, vier Jahre vergehen, bis der Vertrag in alter  Form  mit  Wirkung  vom  20.  Juli  1730  erneuert  wird,  nach  12  Jahren  unterbleibt  aber  eine Erneuerung.  Viktor  Friedrich  wünscht  sich  nichts  sehnlicher,  als  die  Aufhebung  der Kohlenniederlage,  sie  hindert  die  Durchführung  einer  glanzvollen  höfischen  Veranstaltung:  den Parforcejagden.

 

1728 lässt Fürst Victor Friedrich von Anhalt neben dem 1716/18 erbauten anhaltinischen Gasthaus an der Wippermündung das Parforcehaus errichten. Erstmals werden 1728 Parforcejagden des Fürsten abgehalten (bis 1752). Das vorhandene Gasthaus soll in Verbindung mit dem noch zu errichtenden Jagdhaus Treff- und Mittelpunkt der Parforcejagden sein. Zwar lässt sich der preußische König von dem Unternehmen nicht so leicht überzeugen, trotzdem baut Viktor Friedrich 1728 ein Jagdhaus. Es ist sehr klein und bietet nur einem Junggesellen, dem Jäger Wunderlich, Wohnraum. Dieser heiratet 1734 und bezieht eine  Wohnung  in  Aderstedt.  Bis  1742  baut  der  Fürst  trotz  der  Nähe  der  Wettiner  Kohlen-Verkaufsstelle beide staatlichen Häuser weiter aus.

 

Bis 1752 sucht Viktor Friedrich Erholung in der Jagd. Beide Gebäude, das Gasthaus und das daneben befindliche Parforcehaus, stellen 1754 einen hohen  Wert  dar.  Bis  1752,  als  die  Parforcejagden  in  Anhalt-Bernburg  aufhörten,  werden  sie  in gutem Zustand erhalten, dann verliert das Jagdhaus an Bedeutung und dient nur noch als Fasanerie.

 

1742 werden beide Gebäude weiter ausgebaut und 1758 wird der Gasthof mit sämtlichen Gebäuden vom Fasanenjäger Schneider genutzt.

 

1758  wird  der  Gasthof  mit  sämtlichen  Gebäuden  vom  Fasanenjäger  Schneider  genutzt.  In  der folgenden Zeit bleiben das Fasanenhaus und die Schankstätte dem fürstlichen Jäger unterstellt.  Nach  Viktor  Friedrichs  Tode  wird  das  Gasthaus  wiederum  verpachtet,  um  die  Ausgaben  für  die Instandhaltung durch bare Einnahmen zu decken.

 

1765-1770 … / Fürst Victor Friedrich lässt das Gebäude im typisch-bernburgischen Barockstiel zu einem Haus für seine Parforcejagden aus- du umbauen. Allzu lange hatte der Fürst allerdings keinen Gefallen an der  Jagd;  bereits  rund  15  Jahre  nach  dem  Umbau  war  das  ehemals  fürstliche  Parforcehaus  als Gasthaus „Parforcehaus“ bekannt. Diesen Namen trägt das Haus bis heute; trotz verschiedener Aus- und Umbauten hat das Gebäude sein traditionelles Aussehen bis heute kaum verändert. / … / Schon sehr lange hatte die Passage am alten Parforcehaus große Bedeutung. Hier mußten die Handelszüge Rasten und sich der Zollkontrolle unterziehen. / …

 

Am 8. Mai 1768 stirbt Johann Christian Gebhard, ein Schäfer und Pachtwirt des Parforcehauses, dessen Sohn übernimmt nun die Schankrechte.

 

Anfang  1780  pachtet  Andreas  Lutter  das  Gasthaus.  damit  beginnt  ein  neuer  Aufschwung.  Das Parforcehaus als Jagdhaus verschwindet, unter Parforcehaus versteht man nun das Wohnhaus, die Scheune  und  die  Ställe  sowie  das  Kellergebäude.  Bald  erfolgen  Erweiterungen  der  Stallungen. Unter  Lutter  genießt  das  Haus  einen  guten  Ruf  und  zieht  viele  Liebhaber  an,  die  sich  für  das Unternehmen interessieren.  Der Ausdruck "Parforcehaus" findet zunächst keinen Anklang, das Gasthaus führt auch die Namen "Neuer Gasthof",  "In der kleinen Aue", "Bei Zörnitz", "An der Niederlage" oder "Am dänischen Lager".

 

1803 nennt man Andreas Lutter "Gastwirt am dänischen Lager". Allgemein gebräuchlich wird der Begriff "Parforcehaus" erst im 19. Jh., der Gasthof bleibt bis in das 21. Jh. in Betrieb.

 

25. September 1850 Christiane Stamm aus Brehna lässt am Parforcehaus Nachmittags um 4 Uhr den zweiten Luftballon steigen, welcher den ersten an Schönheit übertrifft.

 

11. April 1851 Gastwirt Louis Schaum übernimmt von Kaufmann Friedrich Laute den „Gasthof zum Schwarzen Adler“; das Parforcehaus übernimmt nun Pächter J. C. Boas.

 

3. November 1863 Am  31.  v.  M.  ward  von  den  bei  Verbreiterung  des  Weges  von  der  Parforcehausfabrik  bis  zur Schmidtschen  Ziegelei  beschäftigten  Arbeitern  dicht  am  Rübenhause  der  Zuckerfabrik  ein gewölbter Gang entdeckt, welcher sich in die Richtung nach Ilberstedt hinzieht. Man erblickt hierin Ueberreste von Baulichkeiten eines früher an dieser Stätte befindlich gewesenen Dorfes.

 

19. Juli 1864 Die Chaussirung des Krumbholzes, woran gegenwärtig  gearbeitet wird, dürfte voraussichtlich im Herbste, also nach Verlauf einiger Monate, beendet sein. Zu vollenden ist übrigens nur noch die Strecke von der Weinbergsspitze in der Nähe des Parforcehauses bis zum Keltergebäude.

 

1. Juli 1865 In dieser Woche wird der nach dem Parforcehause führende Promenadenweg im Baue vollendet und  dem  Publicum  der  Besuch  des  beliebten  Vergnügungsortes  für  sie  Folge  wieder  wesentlich erleichtert werden.

 

12. November 1865 Beim  Bau  der  Straße  vom  Krumbholzthore  nach  dem  Parforcehause  im  vorigen  Jahre  hatte  die herzogl. Bau-Verwaltung dicht neben der Chaussee auf mehrere Wiesengrundstücke Baumaterial gelagert, wodurch die Ernte für vergangenes und auch für dieses Jahr auf dem beschütteten Terrain verloren gegangen ist.

 

9. März 1870 Man denke sich einen Kranz von hübschen Gärten, Etablissements vom Parforcehause bis an den israelitischen  Friedhof,  von  der  Horngasse  bis  an  das  Ende  des  Abhanges  weit  hinter  dem Felsenkeller.  Unten  schöne  Sommer-Villen,  dann  terrassirte  Gärten,  in  denen  Pfirsiche  und Aprikosen, edles Obst, Nüsse, Wein, Spargel und Melonen bei richtiger Pflege gut gedeihen; hoch oben ein Gartenhäuschen als Lug-in's-Land. Ist Naumburg größer als Bernburg? Warum soll das bei uns nicht im Kleinen sich ermöglichen lassen, was dort im Großen möglich ist? Warum sollte das eine kahle Ufer der Röße sich nicht mit Ziersträuchern bepflanzen lassen? Warum sollten daselbst nicht etliche leer Schwäne billig sich unterhalten lassen. Das könnte  es wol kosten, wenn im St. Annenwerder,  im  Pfaffenbusche  und  Krumbholze  an  den  Promenadenwegen  entlang  und namentlich  an  den  Eingängen  Zierbäume  und  Ziersträucher  angepflanzt  würden?  Nachdem  die Klippe,  genannt  Schloßberg,  mit  schön  blühendem  Gesträuch  bepflanzt  ist,  würde  sich  nicht  am Abhange  des  Gottesackers  etwas  Aehnliches  schaffen  lassen?  Nachdem  die  Ueberfahrt  am  v. Pfau'schen Thurme eine stehende Einrichtung geworden, und dieselbe namentlich des Sommers von den  Bewohnern  des  neuen  Stadttheiles  vielfach  in  Anspruch  genommen  wird,  kann  sich  der Magistrat wol nicht  gut  dem entziehen, daß ein  mehrere Fuß breiter Sandweg durch den kleinen Liban  hergestellt  werde.  Bei  solchem  allgemeinen  Bemühen  würde  auch  von  der  Besitzerin  des großen schönen Gartens an der Saale, von der  Frau v, Pfau, die Erlaubniß für das Publicum, im Garten zu promeniren, gewiß leicht zu erlangen sein.

 

10. November 1870 Zur  Beförderung  der  Anbauung  der  bei  Bernburg  in  so  prächtiger  Lage befindlichen Höhen mit ansprechenden Landhäusern, soll zunächst der an der kleinen Aue zwischen der Krumbholzchaussee und der von Waldau nach dem Parforcehause führenden Straße, belegene herrschaftliche Weinberg in Parcellen von 2 - 2 1/2 Morgen für den erwähnten Zweck veräußert werden.

 

1871 In hiesiger Feldmark, in der Gegend das Parforcehausee bei Aderstedt etc. sind seit einigen Tagen Ingenieure  und  Feldmesser  mit  Arbeitspersonal  erschienen,  um  für  die  auch  einen  Theil  des anhaltischen  Gebietes  durchschneidende,  neu  projectirte  Bahn  Berlin-Frankfurt  mit  der Nivellierungsarbeit vorzugehen.

 

6. Juli 1871 Das  Betreten  des  zwischen  der  Chaussee  nach  dem  Parforcehause  und  dem Herzoglichen Weinberge belegenen von Siegsfeld'schen Busches wird hiermit bei einer -Strafe von 15Sgr. bis 1 Thlr: verboten.

 

16. April 1872 Vom  hiesigen  Männer-Turnvereine  ist  bei  dem  Handwerkervereine  der  Antrag  gestellt  wurden, beide Vereine zu vereinen. Der Herrschaftliche Lagerplatz am Parforcehaus wird auf die Zeit vom 1.  April  bis  1878  für  den  jährlichen  Preis  von  350  Thlr.  an  Einwohner  des  Dorfes  Aderstedt verpachtet.

 

6. Juni 1872 Der Verschönerungs-Vereins-Vorst and hat seit Pfingsten viel gewirkt. Die neuen geschmackvollen Bänke  sind  an  den  passendsten  Stellen  placirt.  Auch  der  neue  Weg  vom  israelitischen  Friedhofs nach dem Parforcehause verspricht eine der schönsten Parthien Bernburgs zu werden, da er 5 bis 6 verschiedene schöne Fernsichten bietet. Zum Herbste steht aber noch eine Hauptausgabe bevor: der Ankauf und die Pflanzung von Zierbäumen und blühendem Gesträuche.

 

10. Januar 1874 Wahlbezirke für die Wahl eines Abgeordneten zum Reichstage. I. Dieser Wahlbezirk umfaßt den östlichen Theil der  Bergstadt: Saalplatz, Freiheit, Kugelweg, Wilhelmstraße, die Einsiedelgassen, Lange  Straße,  Cöthensche  Straße,  Carl-,  Linden-,  August-,  Hallesche-,  Neue-,  Stein-  und Roschwitzer  Straße,  Carlsplatz,  Kirchweg  Nr.  1,  2,  3,  10,  11,  Hallesche  Chaussee,  am  Zepziger Wege,  Vorwerk  Gnetsch,  Peißensche  Chaussee  und  Wärterhaus,  alte  und  neue  Eisenbahn,  Café Anhalt, endlich die Fabriken von Teichmüller, Keßler & Sohn, Siedersleben & Co., Becker & Co., Rolle & Weise und G. Gottschalk. II. Dieser Wahlbezirk umfaßt den westlichen Theil der Bergstadt und zwar: Alle übrigen auf dem rechten Saalufer belegenen, zur Stadt Bernburg gehörigen Häuser und  auswärtigen  Etablissements.  III.  Dieser  Wahlbezirk  umfaßt  die  Altstadt  und  sämmtliche  auf dem linken Saalufer liegende, zur Stadt Bernburg gehörigen auswärtigen Etablissements, incl. des Parforcehauses,  nur  mit  Ausschluß  der  Fricke'schen  Restauration.  IV.  Dieser  Wahlbezirk  umfaßt die Neustadt. V. Dieser Wahlbezirk umfaßt die Vorstadt Waldau.

 

25. April 1874 Nördlich von unserer Stadt erhebt sich der unter den Namen "Weinberg" bekannte Höhenrücken, welcher östlich Nahe der Saale beginnend, sich bis an der Parforcehaus hinzieht und überall eine herrliche Aussicht auf Bernburg und das Saalethal gewährt. Der westliche, nach dem Parforcehaus zu auslaufende Theil wurde vor einigen Jahren schon zum Bau von Villen von Herzogl. Regierung zum  Verkauf  gestellt,  aber  kein  Liebhaber  fand  sich  hierzu.  Jetzt  erfahren  wird,  daß  von  einem Anhaltiner  und  einem  Berliner  vor  einigen  Tagen  zwei  Plätze  erstanden  sind,  auf  denen  noch  in diesem Sommer Villen uns Parks resp. Gartenanlangen entstehen werden. Der Morgen Land soll mit 450 Thlr. bezahlt worden sein. Ganz andere Preise werden  für  Bauplätze im Oster der Stadt bezahlt.  An  der  Cöthenschen  Chaussee  kostet  der  Morgen  1500  Thrl.  an  der  Auguststraße  1200 Thlr. An der ersteren Straße sine neuerdings zwei Pläne verkauft (einer davon 6 Morgen groß) und wird auf denselben demnächst mit dem Bau von Wohnhäusern begonnen werden. So wächst unsere Stadt  alljährlich  nicht  unbeträchtlich;  nach  angestellten  Berechnungen  werden  in  diesem  Jahre allein gegen 30 neune Häuser gebaute werden. In der That sehr erfreulich.

 

8. September 1876 Wegen Pflasterung einem Theiles der Straße zwischen dem Parforcehause und Bernburg wird diese Straßenstrecke für die Fahrpassage bis auf Weiteres hierdurch gesperrt und dieselbe über Waldau gewiesen.

 

18. Februar 1877 Von  einem  Bewohner  Adersedts  war  eine  Wette  eingegangen,  von  der  Krumbholzstraße  aus  bis zum  Parforcehaus  die  Strecke  hin  und  zurück  mittels  eines  Velecipodes  in  20  Minuten zurückzulegen, durch die im Krumbholz noch bestehende Flut mitten hindurch. Der Wettende hatte jedoch verloren, da er unterwegs vielleicht in eins der Löcher geriet und mit seinem zweirädrigen Fahrzeuge Schiffbruch erlitt, so dass er stark durchnässt den Rückweg antreten musste.

 

1. Januar 1879

Wilhelm Ohlhoff übernimmt das Parforcehaus, Fritz Welz übernimmt Hotel Saupe.

 

29. Juni 1880 Bernburg-Cönnern  und  Bernburg-Calbe,  zunächst  für  Vergnügungstouren,  denen  sich  auch regelmäßiger Personenund Güter- ev. Gepäckverkehr anschließen sollte. Auch Kahnschleppdienst könne  durchgeführt  werden.  Zusammen  mit  den  Bernburger  Unternehmern  und  Kaufleuten Rienecker,  Söhns  und  Plötz  hatte  Huss  den  Schraubendampfer  MERKUR  angemietet.  Am  8. August kündigte der "Dampfschifffahrtsverein Bernburg" die Aufnahme der Fahrten für diesen Tag an. die Merkur fuhr im halbstündigen Pendelverkehr zum Parforcehaus. Da aber der erhoffte Erfolg ausblieb,  kam  ein  Ankauf  der  Merkur  nicht  zustande.  Erst  ab  1894  lässt  sich  regelmäßiger Fahrgastverkehr nachweisen.

 

1897 Eine besondere Belustigung hat der Wirt des Parforcehauses für die bei ihm verkehrende Jugend bis zu  16  resp.  18  Jahren  dadurch  geschaffen,  daß  er  auf  dem  an  seinem  Gartenlokal  anstoßenden Feldgrundstück für die Sommersaison einen kleinen „Hippodrom“ eingerichtet hat.

 

1905 Das hiesige Restaurant zum Parforcehaus am Einfluß der Wipper in die Saale feiert auch jetzt sein Jubiläum, es wurde im Jahre 1725, also vor 180 Jahren als Jägerhaus vom Fürsten Victor Friedrich (regierte von 1721-1765) erbaut und am 1. November desselben Jahres gelegentlich einer großen Jagd eingeweiht.

 

1920 Ein größeres Schadenfeuer legte vergangene Nacht die Scheune, Stallungen und Nebengebäude des Gartenlokals  „Hubertusgarten“  (Parforcehaus“  in  Asche.  Das  Feuer  wurde  gegen  ½  1  Uhr  von vorübergehenden Leuten bemerkt und der Besitzer des Grundstückes von ihnen geweckt. Viel war jedoch nicht mehr zu retten, die Scheune und Stallungen brannten mit den Heu- und Strohvorräten völlig nieder.

 

1993/94  wird  das  Parforcehaus  vollständig  saniert  und  restauriert  und  durch  einen  Hotelneubau (Vier-Sterne-Hotel) mit 105 Zimmern (164 Betten), sieben Suiten und Tagungsräumen für kleine Gruppen und für Konferenzen bis 135 Personen erweitert.

 

17. September 1993 Gleich zweimal wird auf Baubeginn angestoßen: Am Vormittag Grundsteinlegung auf der Baustelle des  Neubaus  in  der  Friedensallee  3  (Volksbank)  und  zum  anderen  in  der  Aderstedter  Straße Grundsteinlegung des neuen Parkhotels Parforce-Haus.

 

18. September 1993 „Vom Jagdhaus zum Hotel mit 113 Zimmern an B 185

Der künftige Chef-Koch des im Parforce-Haus neu entstehenden Restaurants gab

gestern eine Kostprobe seines Könnens. Nach der feierlichen Grundsteinlegung konnten die Gäste sich mit Linsensuppe aus der Gulaschkanone stärken. Das 1723 erbaute Haus wird in den unteren Räumen bald ein Restaurant beherbergen, in der oberen Etage sind fünf Räume für Konferenzen und andere größere Veranstaltungen geplant. Ein Hotel mit 113 Zimmern soll auf dem Gelände des Parforce-Hauses entstehen, gab Gert-Roland Müller, einer der Geschäftsführer der D&M-Hotelgewerkschaft, die das Hotel betreiben will, Auskunft. Entstanden war das Haus vor über 200 Jahren auf einem Kohlenplatz, erklärte Müller. „Es wurde als fürstliches Jagdhaus errichtet. Hier in der Gegend wurde ja früher viel gejagt.“ Aus dieser Zeit stammen auch noch der Name des Hauses. Parforce-Jagd bedeutet Hetzjagd. „Der Name des barocken Gebäudes hielt sich im Volksmund so lange, also behalten wir ihn auch bei“, erklärte Thomas Dunkel, der zweite Geschäftsführer.

 

Vor der Wende hatte sich das Haus in Rechtsträgerschaft der Hochschule Köthen befunden und wurde von der Zivilverteidigung genutzt, bis es in den Besitz des Landes Sachsen-Anhalt überging. Von dort erfolgte dann auch eine erste Ausschreibung, nach der die D&M-Hotelgesellschaft auch den Zuschlag bekam. Doch dann verzögerte sich der Baubeginn erheblich, denn die Stadt Bernburg hatte einen Rückführungsanspruch auf das Haus gestellt, der zu ihren Gunsten entschieden worden war. Die Stadt schrieb erneut aus. Dunkel und Müller machten wieder das beste Angebot und bekamen das  Parforce-Haus  mit  angrenzendem  Gelände  endgültig.  Das  unter  Denkmalschutz  stehende Gebäude  müsse  saniert  werden,  so  Müller.  Das  gehe  so  weit,  daß  eine  neue  Trägerkonstruktion eingezogen werde. Auch ein neues Dach und neue Fenster brauche das betagte Gebäude. Am 20. Dezember sollen diese Arbeiten abgeschlossen sein. Der  größte  Teil  des  Hotelgebäudes  wird  allerdings  der  neu  erbaute  Trakt  hinter  dem  alten

Baukörper sein. Mit einem Zwischenbau aus Glas schließt er sich direkt an das Parforce-Haus an.

 

In dem neuen Gebäude werden die Besucher neben den Zimmern Sauna und Massageräume finden. Auch ein Swimmingpool ist auf dem Gelände geplant. Ebenfalls für die sommerlichen Temperaturen ist ein Biergarten konzipiert. Spätestens Anfang Juli sollen die ersten Gäste in dem Hotel übernachten können. Bei dem Tempo, das die Baufirma im Moment vorlegt, könne das vielleicht schon eher der Fall sein, so Müller.“

 

23. Dezember 1993 „Richtfest für Parkhotel / Einweihung am 1. Juni 1994? / Köhnlechner will Praxis eröffnen

Nach nur viermonatiger Bauzeit wurde gestern beim Parkhotel „Parforce-Haus“ in  Bernburg  Richtfest  gefeiert.  Trotz  der  dreiwöchigen  Frostperiode  liegt  der  Neubau  des Bettenhauses noch genau im vorgesehenen Zeitplan. Die Bauherren hoffen, den Hotelkomplex am 1. Juni einweihen zu können. „Wir  lassen  das  1723  als  fürstliches  Jagdhaus  errichtete  Gebäude  wieder  in  einem  möglichst originalgetreuen  Zustand  herstellen“,  erklärt  Bauherr  Gert-Roland  Müller.  Zukünftig  sollen  im Erdgeschoß des ehemaligen fürstlichen Jagdhauses die gesamte Restauration für das Hotel und eine Bierstube  untergebracht  werden.  Im  Obergeschoß  werden  vier  Konferenzzimmer  und  ein Gesellschaftsraum für 60-Personen untergebracht. „Im Hotel wird eine Firma ihren Sitz haben, die Seminare zur Unternehmensführung anbietet und deshalb  auf  geeignete  Räumlichkeiten  angewiesen  ist“,  informierte  Müller.  Neben  Seminar-Teilnehmern sollen vor allem Geschäftsleute nach dem Willen der Bauherren in den 110-Zimmer-Hotel übernachten.

 

„Das zweite große Standbein sollen Kurgäste sein“, berichtete Müller. „In unserem Hotel wird der bekannte Naturheilkundler Manfred Köhnlechner eine Praxis eröffnen.“ Müller räumt aber ein, daß Köhnlechner nur in den ersten Wochen regelmäßig in der Praxis selber behandeln wird. Danach soll nach  Müllers  Informationen  ein  junger  Bernburger  Mediziner,  nachdem  er  von  Köhnlechner  in München  noch  mehrere  Monate  speziell  in  Naturheilkunde  ausgebildet  wurde,  die  Leitung  der Praxis übernehmen. Geplant  sind  in  Bernburg  Frischzellenkuren,  Frauenheilkunde,  Krebsnachsorgebetreuung  und Kuren  gegen  Herz-Kreislaufbeschwerden.  „Von  dreitägigen  Kurzkuren  bis  zu  vierwöchigen Aufenthalten  wird  das  Parkhotel  alles  im  Angebot  haben“,  sagt  der  Bauherr.  Zugkraft  verspricht sich Müller in diesem Zusammenhang auch von dem Namen „Köhnlechner“.

 

26. April 1994 Die  Naturheilkunde  erfreut sich im westlichen Teil  Deutschlands schon lange großer Beliebtheit. In der ehemaligen DDR war sie als Scharlatanerie schrien, Heilerfolge wurden meist nicht anerkannt. Seit  der  Wende  nehmen  Ost-Patienten,  die  in  Naturheilmethoden  die  einzige  Alternative  gegen Beschwerden sehen, oft lange Anfahrtswege in Kauf, um sich entsprechend behandeln zu lassen. Doch  das  ist  bald  nicht  mehr  notwendig.  Am  1.  Juni  eröffnet  der  Münchner  Prof.  Dr.  Manfred Köhnlechner in Bernburg ein Naturheilkunde-Zentrum. Die Praxis soll in dem noch im Bau befindlichen Hotel „Parforce-Haus“ an der Aderstedter Straße in  Bernburg  untergebracht  werden.  Stationär  zu  behandelnde  Patienten  können  sich  im  Hotel einmieten.  Sanatoriumsatmosphäre  ohne  das  „sterile  Weiß“  wird  angestrebt.  Spaziergänge  im angrenzenden Landschaftsschutzgebiet der Saaleaue bieten zusätzlich Entspannung.

 

28. Mai 1994 Am 2. Anhalt-Tag in Bernburg nehmen 2 000 Besucher teil. Nach 8-monatiger Bauzeit wird das Parkhotel "Parforce-Haus" eröffnet.

 

Seit  2001  läuft  das  Parkhotel  "Parforcehaus"  unter  Johannes  Gather,  eigentlich  Doktor  der Zahnmedizin, der es aus der Insolvenz holte.

 

2004 Tag der offenen Tür: Exklusiver Blick in noble Zimmer im Parkhotel; Eigentümer will Haus samt Gastronomie den Bernburgern näher bringen

Dr. Johennes Gather

 

01. Dezember 2015 Gewerbeänderung, dass Parkhotel wird Flüchtlingsunterkunft für zunächst 200 Flüchtlinge, nach Anschluss an das öffentliche Abwassernetz und bauliche Maßnahmen zur Sicherheit wie Brandschutz sollen bis zu 392 Flüchtlinge untergebracht werden. Mieter ist der Salzlandkreis.

 

Materialsammlung des Stadtarchivs Bernburg (Saale) - Parforcehaus -


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