Student entwickelt erdbebensicheres Haus für Nepal

Im Selbstversuch wird Jan Warsawa, Architekturstudent der Hochschule Anhalt, an sieben Tagen, von Sonntag, dem 6. bis Samstag, dem 12. Dezember 2015, den Prototypen eines Hauses bauen, der in Erdbebengebieten 1:1 umgesetzt werden kann. Das Haus weist spezielle architektonische Merkmale auf und soll für die Bevölkerung leicht nachzubauen sein. Deshalb wird er den Bau Schritt für Schritt in Form von Videotutorials Open Source dokumentieren und im Internet kostenfrei zur Verfügung stellen. Der Selbstversuch findet unter realistischen Bedingungen statt. Beim Bau werden keine elektronischen Werkzeuge, kein Beton und kein warmes Wasser eingesetzt. 


Jan Warsawa ist einer der 18 Studierenden, die im März dieses Jahres ein Schulzentrum in Nepal bauten. Kurz nach Fertigstellung des Projektes und Übergabe des Hauses an die Bevölkerung wurden große Teile des Landes durch ein starkes Erdbeben zerstört. Glücklicherweise wurde das Schulzentrum nicht beschädigt. Angeregt durch die Geschehnisse und Erfahrungen vor Ort beschloss Jan Warsawa seine Semesterarbeit, die von Prof. Claus Dießenbacher und Susanne Herz betreut wird, so anzufertigen, dass sie einen nachhaltigen Nutzen hat. Er untersuchte die herkömmliche Bauweise der Häuser in Nepal und stellte erhebliche Schwachstellen fest. Aus diesem Grund entwickelte er die neue Konstruktion eines Hauses, welches großen Erderschütterungen standhält.


Die herkömmliche Bauweise sieht einen rechteckigen Grundriss vor, der von Dachbalken überspannt wird. Jedoch ist eine Annäherung an einen Kreis deutlich stabiler. Die einzelnen Elemente stützen sich gegenseitig, wenn sie in einem stumpfen Winkel aufeinandertreffen. Der Grundriss des Entwurfs von Jan Warsawa hat aus diesem Grund keine 90 Grad Ecken, sondern formt diese zu zwei 45 Grad Winkeln ab. Eine weitere Neuerung besteht aus einem Ringanker aus Holz, der den Abschluss des Mauerwerks definiert. Darüber befindet sich eine freistehende Dachkonstruktion aus leichten Holzbindern. Diese stellen wegen des großen Gewichtsunterschied zu den früher eingebauten dicken Balken im Erdbebenfall keine lebensbedrohliche Gefahr mehr.


„Mir ist nicht nur der Entwurf des Hauses wichtig, sondern auch die Verbreitung der Gebrauchsanweisung. Die Menschen vor Ort sollen die Häuser ganz einfach selbst bauen können“, sagt Jan Warsawa zur Intention des Projektes. Aus diesem Grund baut er den Prototypen, um Videotutorials Open Source zu produzieren. „Diese sollen dann auf einer eigenen Plattform bereitgestellt werden und in mehreren Sprachen verfügbar sein“.

Für den Bau des Hauses wählte der Student das Gelände des Forschungs- und Erlebniszentrums Paläon in Schöningen in Niedersachsen aus. Er sagt: „Als gebürtiger Schöninger habe ich eine besondere Bindung zu diesem Ort. Außerdem bin ich Mitglied eines Vereins zur Erhaltung alternativer Kultur in der Region. Die Rückmeldung des Forschungszentrums auf mein Vorhaben war sehr positiv. Ich bin froh, dieses Projekt nun umsetzen zu können.“ Finanzielle Unterstützung erhält er von der Hochschule Anhalt. Hilfe vor Ort bekommt er von drei Absolventen der Hochschule Anhalt aus den Fachbereichen Architektur, Facility Management und Geoinformation und Design sowie seinen Freunden aus dem Verein ekis e.V.


Das Haus kann bis zum März 2016 von Besuchern und Schulklassen im Forschungs- und Erlebniszentrum Paläon besichtigt werden. Danach zieht es auf den Campus Bernburg der Hochschule Anhalt um.


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