Zwei hochmoderne Wasserkraftanlagen in Bernburg

Wasserkraftanlage "Alte Papierfabrik" in Bernburg steht bis Mitte Oktober still, Gründe dafür ist der Austausch der elektronische Steuerung, welche den Betrieb der Turbinen regelt.


Die elektronische Steuerung, welche den Betrieb der Turbinen regelt, abhängig von den jeweiligen Wasserständen der Saale wird komplett ausgetauscht und durch eine Steuerung auf dem Stand der neusten Technik ersetzt. Dazu gehören das Schaltpult, die Leistungselektrik, kilometerlange alte Verkabelungen, die nach 25 Jahren austauscht werden müssen, sowie die komplette Steuerung der Turbinen.

 

Durch eine effektivere Steuerung der neuen Anlage erhofft sich der Kraftwerksbetreiber untern Strich 10 - 15 % mehr Energieausbeute aus den gleichen Turbinen. Über das Jahr betrachtet und unter Berücksichtigung verschiedener Faktoren wird die neue Steuerung nicht nur ausfallsicherer, sondern im Falle eines Ausfalls der Turbinen auch schneller wieder ans Netz gehen können. Hauptpunkt der neuen Steuerung ist vor allem die Anbindung des zweiten Kraftwerkes "Saalemühle", künftig können beide Anlagen miteinander kommunizieren, das vollautomatisch, 24 Stunden und 365 Tage im Jahr. So lassen sich für die jeweils unterschiedlichen Betriebssituationen die richtigen Kombinationen von Turbine und Maschineneinstellung feststellen und nutzen.

 

Weil sich heute Wasserkraftanlagen nur wirtschaftlich betreiben lassen, wenn die Anlagen unterbrechungsfrei laufen, wurden erhebliche Investitionen in den letzten zwei Jahren getätigt. Heutige modere Wasserkraftwerke sind darauf angewiesen, dass gesamte zur Verfügung stehende Wasser durch die Turbinen laufen zu lassen, um effizient Energie zu produzieren.

 

Die Investitionsmaßnahmen an Turbinen, Leitschaufeln, Laufräder und schlussendlich der Elektronik dienen dazu, das anstehende Wasser effektiv abzufahren. Tatsächlich liegt dem ein mehrjähriger Lernprozess zu Grunde. Seit der Übernahme des zweiten Kraftwerkes "Saalemühle" im Jahr 2007 wurden viele Versuche gefahren, die Kombination verschiedener Maschinen in unterschiedlichen Jahreszeiten und Wasserständen und Durchflussmengen anzupassen.

 

Mit einem der modernsten Wasserkraftwerke in Ostdeutschland erwirtschaftet das Wasserwerk "Saalemühle" in Bernburg nach der Generalüberholung rund 30% mehr Energie aus dem gleichen Saalewasser.

 

Alle Erfahrungen der letzten Jahre fließen nun in die neue Steuerung der Kraftwerkanlage "Papierfabrik", denn der Computer ist nur so intelligent sein, wie das, was man ihm vorgibt. Die neue Anlage wird nicht nur ausfallsicherer sein, sondern mehr Strom produzieren. Dabei müssen auch immer die jeweiligen unterschiedlichen Bauformen der Turbinen berücksichtigt werden, nur die Elektronik weiß letztendlich, welche Turbine mit welcher gekoppelt werden kann, und zu welchem Zeitpunkt welche Turbine effizient läuft.

 

Bis Mitte Oktober soll es geschafft, die neue Elektronik "Papierfabrik" voll funktionstüchtig sein, schließlich kommt dann die Zeit der Wassermüller, der Herbst und mit ihm mehr Wasser.

 

Leider haben die Bernburger nicht direkt etwas von den zwei Wasserkraftanlagen in Bernburg, es sei denn, man fährt ein Elektrofahrzeug oder will das Schloss am Abend bewundern. An beiden Standorten gibt es kostenfreie Elektrotankstellen für PKW oder auch E-Bikes. Auch die Schlossbeleuchtung erfolgt durch Strom aus der Saale.

 

Trotzdem, durch Strom aus Wasserkraft wird die Überlastung der Netze gemindert, weil die Energieproduktion vorhersehbar ist, dass bedeutet auch Planungssicherheit für Netzbetreiber.

 

Weil das Wehr über rund 180 Tage im Jahr trocken liegt, treffen Wasserkraftbetreiber auch erhebliche Vorsorgen in Richtung Fischaufstiegsanlagen. Eine davon ist am Saalewehr in Bernburg, über 30 Becken können Wanderfische den Höhenunterschied von rund 3,50 Meter überwinden. In Zusammenarbeit mit der Hochschule Anhalt wurden hier vor zwei Jahren Befischungen durchgeführt, welche zu erheblichen Stückzahlen führte.


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