Bernburger Jüdischer Friedhof öffnet am Volkstrauertag

Der Jüdische Friedhof in Bernburg am Rößeberg öffnet am Volkstrauertag, Sonntag, dem 13. November von 10 bis 16 Uhr für die interessierte Öffentlichkeit.


 

Führungen durch Reiner Krziskewitz und Joachim Grossert gibt es 10:15 Uhr und von 11 bis 15 Uhr zu jeder vollen Stunde. Außerdem erwartet die Besucher eine kleine Ausstellung in der innen und außen instandgesetzten Feierhalle. Mit den baulichen Aktivitäten in diesem Jahr (Innenrenovierung der Feierhalle und Schleppdach für das Torhaus) wurde dem Friedhof wieder ein Stück seiner Würde zurückgegeben. Für die Wiederaufstellung von in den Jahren 1955 und 1988 geschändeten Grabsteinen wird um eine Spende gebeten. Männer haben entsprechend den religiösen Vorschriften nur mit Kopfbedeckung Zutritt.

 

 

 

Die Öffnung durch die Arbeitsgruppe "Jüdische Geschichte in Bernburg" erfolgt in Absprache mit dem Landesverband Jüdischer Gemeinden in Sachsen-Anhalt. Bereits im 15. Jahrhundert gab es den ersten jüdischen Friedhof im Bereich der mittelalterlichen jüdischen Ansiedlung ("Judendorf") in der Plötzkauer Gemarkung. Zu dieser Zeit lagen die Synagoge der jüdischen Gemeinde wie auch ein zweiter jüdischer Friedhof im Südwesten der Neustadt nahe der Saale. Dieser Friedhof wurde bis 1826 belegt. Das Gelände wurde von der jüdischen Gemeinde Anfang des 20. Jahrhunderts für den Bau des Kurhauses und der Anlage des Kurparks an die Stadt verkauft. Er lag nach einer Beschreibung "hinter dem Zimmermann'schen Kaffeehause im Krumbholz". Unter Herzog Alexius Friedrich Christian wurde am 30. Mai 1826 ein neuer jüdischer Friedhof eingeweiht, darauf weist noch heute die Inschrift des Eingangstores hin.

 

 

 

Bis zur NS-Zeit wurden hier über 500 Beisetzungen vorgenommen. Als einziger Überlebender seiner Familie aus dem KZ wurde auch Eugen Madelong 1954 bestattet. Seit Ende 90er Jahre kümmert sich der Arbeitskreis "Jüdische Geschichte in Bernburg" um den Friedhof. Nur zum Volkstrauertag ist dieser geöffnet. Joachim Grossert, Mitglied des Arbeitskreises "Jüdische Geschichte in Bernburg" führt die Besucher durch die Geschichte des jüdischen Friedhof in Bernburg, die den meisten Bernburgern fremd ist.

 

 

 

So auch die der Entwicklung des ersten Bernburger Kaufhauses in der Wilhelmstraße, das von Nathan Gottschalk eröffnet und später von Willy Cohn übernommen wurde. Der verkaufte das Haus nach der Reichspogromnacht. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es von der DDR-Handelsgesellschaft Konsum genutzt. Aber auch die Geschichte des Bernburger Bankiers Ludwig Gumpel (1860 bis 1935) und seiner folgenreichen, nächtlichen Liaison mit einer Hamburgerin, aus der der Vater des fünften deutschen Bundeskanzlers hervorging, wurde mit Spannung verfolgt. Der leibliche Großvater von Altbundeskanzler Helmut Schmidt liegt beispielsweise auf dem jüdischen Friedhof in Bernburg begraben. Neben Geschichten und Vorträgen wurden Informationstafeln über die Geschichte des Friedhofs und der Juden in Bernburg aufgestellt. Viele der älteren Besucher kannten die Geschichten ganz genau und erzählten untereinander von den Geschäften und Geschäftsleuten im alten Bernburg.

 



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