Bilanz des Berufsberatungsjahres 2015/2016

Mehr Ausbildungsstellen im Ausbildungsjahr 2015/2016 - Mehr Bewerber für Ausbildungsstellen als im Vorjahr - Zahl unversorgter jugendlicher Bewerber zum 30.09.2016 auf Vorjahresniveau


„Wenn wir auf den Ausbildungsmarkt schauen, haben wir heute eine ganz andere Situation als vor fünf oder sogar zehn Jahren. Angebot und Nachfrage gleichen sich aus. Viele Betriebe beklagen bereits den fehlenden Nachwuchs. Der Ausbildungsmarkt steht an einem entscheidenden Wendepunkt – die Betriebe stehen an einem entscheidenden Wendepunkt. Wer nicht kluge Strategien fährt und dabei für alle Möglichkeiten offen ist, bleibt auf der Strecke“, erklärt die Agenturchefin Anja Huth.

 

Die Agentur für Arbeit Bernburg verzeichnete bei den betrieblichen Ausbildungsstellen einen erneuten Anstieg.

Im Zeitraum von Oktober 2015 bis September 2016 wurden dem Arbeitgeberservice insgesamt 1.049 Ausbildungsstellen gemeldet, 50 (+ 5,0 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die enge Zusammenarbeit zwischen den Unternehmen und der Agentur für Arbeit signalisiert das Interesse der Betriebe, sich die Fachkräfte von morgen zu sichern.

 

Im abgeschlossenen Beratungsjahr wurden insgesamt 1.427 Jugendliche durch die Ausbildungsvermittlung der Arbeitsagentur bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz unterstützt. Das sind 27 (+1,9 Prozent) mehr als im Vorjahr. Die Anzahl der gemeldeten Bewerber liegt aber weiterhin auf einem guten Niveau und signalisiert großes Interesse der Jugendlichen an Ausbildung.

 

Das Jahresergebnis zeigt, dass die Situation auf dem Ausbildungsmarkt auch in diesem Jahr insgesamt nicht ausgeglichen ist. Bis zum Ende des Beratungsjahres am 30. September 2016 konnten nicht alle Bewerber einen Ausbildungsplatz finden, gleichzeitig blieben auch Ausbildungsplätze unbesetzt.

 

Von den im Jahresverlauf gemeldeten Ausbildungsstellen wurden 118 bis 30.09. nicht besetzt. Diese Zahl bewegt sich damit etwas über dem Vorjahresniveau (+20 unbesetzte Ausbildungsstellen). Von den gemeldeten Bewerbern/-innen waren zum gleichen Zeitpunkt noch 47 unversorgt. Damit lag die Zahl annähernd auf dem Vorjahresniveau (+2 Personen). Insgesamt stellt sich die Situation am Ausbildungsmarkt rein rechnerisch wie folgt dar:

 

Im Bezirk der Arbeitsagentur Bernburg kamen auf einen Bewerber durchschnittlich 0,74 Ausbildungsstellen (Vorjahr: 0,71).

 

„Die Wirtschaft ist gefragt, wenn es um Zugeständnisse geht, auch mal leistungsschwächeren Jugendlichen eine Eintrittskarte in Ausbildung zu geben. Einige junge Menschen erkennen ihre Talente erst beim „Tun“, beim Mitmachen und Gefordertwerden, bei der Arbeit im Betrieb“, ergänzt Anja Huth.

 

Angebot und Nachfrage passen in der Praxis oft nicht zusammen. Gründe können darin liegen, dass die Jugendlichen nicht über die von Arbeitgebern geforderten Schulabschlüsse oder Noten verfügen, der gewünschte Ausbildungsplatz im näheren Umkreis nicht zur Verfügung steht oder die angebotenen Ausbildungsberufe nicht den Wünschen der Jugendlichen entsprechen.

 

Die Arbeitsagentur bietet vielfältige Unterstützungsmöglichkeiten vor Aufnahme oder auch während einer Berufsausbildung. Bewährt haben sich in der Vergangenheit neben der Berufsorientierung und Berufsberatung zum Beispiel bei Bedarf die Möglichkeit eines Langzeitpraktikums (Einstiegsqualifizierung) vor Beginn der Ausbildung sowie die ausbildungsbegleitenden Hilfen (abH) in Form von Nachhilfeunterricht für Azubi mit Schwierigkeiten in der Berufsschule.

 

„Jetzt geht es darum, die Ausbildung auch erfolgreich zu Ende zu bringen. Wir arbeiten intensiv an dem Thema, wie man durch gute Orientierung, Beratung und vor allem Begleitung potenzielle Ausbildungsabbrüche rechtzeitig erkennen und vermeiden kann. Es lohnt sich, gemeinsam mit Betrieben, Kammern oder Berufsschulen ein gemeinsames Frühwarnsystem aufzubauen“, erläutert Anja Huth.

 

Im Rahmen der Initiative „Betriebliche Ausbildung hat Vorfahrt“ nimmt man jugendliche Bewerber mit erhöhtem Unterstützungsbedarf in den Fokus:

 

Spezialisierte Fachkräfte unterstützen die jugendlichen Bewerber bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Weiteres Ziel ist es, Unternehmen, die länger nicht ausgebildet haben, über die Vorteile der betrieblichen Ausbildung zu informieren.

 

Ein weiterer Bestandteil der Initiative ist die sogenannte „Assistierte Ausbildung“. Die Jugendlichen sollen die Chance erhalten, eine Ausbildung zu beginnen und erfolgreich abzuschließen. Zu Beginn soll durch intensive Beratung und Betreuung der Jugendlichen ein Ausbildungsbetrieb gefunden werden. War dies erfolgreich, erhalten Betrieb und Azubi für die gesamte Dauer der Ausbildung bedarfsgerechte individuelle Unterstützung, beispielsweise in Form von Nachhilfeunterricht, Prüfungsvorbereitung, Krisenintervention, Erarbeitung von Lerntechniken oder Sprachförderung.

 

Merker: Das Ende des Beratungsjahres bedeutet nicht das Ende der Vermittlungsaktivitäten: Auch jetzt melden sich noch junge Menschen, die z.B. ihre Ausbildung oder eine weiterführende Schule abgebrochen oder keinen Studienplatz erhalten haben. Im Zuge der weiteren Nachvermittlung gehen daher die Bemühungen der Arbeitsagentur und der Kammern unvermindert weiter, noch offene Ausbildungsstellen zu besetzen und Jugendliche in Ausbildung zu vermitteln.

 

Jugendliche, die noch eine Ausbildungsstelle suchen, sollten unbedingt Kontakt mit der Agentur für Arbeit aufnehmen bzw. halten.

 

Auch Betriebe, die noch Auszubildende suchen, sollten sich mit der Arbeitsagentur in Verbindung setzten. Freie Stellen nimmt die Ausbildungsvermittlung unter der Rufnummer des bekannten Ansprechpartners im gemeinsamen Arbeitgeber-Service von Agentur für Arbeit und Jobcenter entgegen. Alternativ kann die gebührenfreien Hotline 0800 4 5555 20 genutzt werden.

 

Bewerber und Berufsausbildungsstellen nach Regionen

 

* Statistische Auswertung

 

Während in Bernburg mit 60 unbesetzten Ausbildungsstellen zum Ende des Berichtsjahres – das entspricht einem Zuwachs von 7 Ausbildungsstellen gegenüber dem Vorjahr – die größte Anzahl noch nicht besetzter Ausbildungsstellen gemeldet sind, ist die geringste Anzahl von 12 unbesetzten Ausbildungsstellen in Aschersleben zu finden. Ebenfalls in Bernburg ist der größte Zuwachs von 32 gemeldeten Ausbildungsstellen im Berichtsjahr zu verzeichnen.

 

Bewerberseitig stellt sich die Situation etwas anders dar. In Schönebeck ist der größte Rückgang von 11 gemeldeten Bewerbern gegenüber dem Berichtsjahr 2014/2015 zu verzeichnen. Aschersleben hat mit 38 Bewerbern den größten Zuwachs zu verzeichnen. Im Einzugsbereich Bernburg meldeten sich 33 Bewerber mehr und in Staßfurt meldeten sich 33 weniger Jugendlichen gegenüber dem vorherigen Berufsberatungsjahr.

 

Salzlandkreis-Vergleich ist die größte Anzahl von 26 unversorgten Bewerbern in Schönebeck zu finden. In Bernburg, Aschersleben und in Staßfurt suchen nur noch einzelne Bewerber eine Ausbildungsstelle.



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