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EU Wasserrichtlinie fordert große Fischtreppen in Elbe und Saale

Sollte die Verordnung irgendwann greifen, würde eine Fischtreppe in Bernburg enorme Ausmaße annehmen. Die Anlage würde aus 39 Einzelbecken bestehen und hätte eine Gesamtlänge von rund 200 Meter.


 

Die Finanzierung von Fischaufstiegsanlagen ist zur Zeit unklar. Grund dafür sind die Zuständigkeiten an den jeweiligen Standorten, weil die Konstellationen völlig unterschiedlich sind. In Bernburg ist die Saale Bundesaufgabe, weil die Saale eine Bundeswasserstraße ist. Deshalb trägt der Bund auch die Kosten für Unterhalt und Pflege, auch das Saalewehr ist im Eigentum des Bundes.

 

Wir haben uns einmal mit Matthias Mönchmeier, Betreiber der zwei Wasserkraftanlagen in Bernburg unterhalten, welche Auflagen für die wasserrechtlichen Genehmigungen der Anlagen Papierfabrik und Saalemühle zu erfüllen sind, wozu auch Fischaufstiegsanlagen gehören.

 

Europäische Wasserrichtlinie fordert große Fischtreppen

 

Die europäische Wasserrichtlinie fordert von Wasserkraftbetreibern, das bis 2021 die Flüsse, also auch die Saale, durchgängig zu machen sind, egal wie groß die Staustufe oder wie klein ein Standort ist. Generell müssen Wasserkraftbetreiber für eine Durchgängigkeit sorgen, damit Flüsse die Einstufung eines guten ökologischen Zustandes erreichen.

 

Doch der Termin 2021 ist schon mehrfach verschoben wurden, weil es ein riesiger Aufwand ist, und das selbst in einem Mitgliedstaat wie Deutschland, bei welchem das Thema mit erheblich finanziellen Mitteln richtig voran getrieben wird. Trotzdem ist es nicht absehbar, wann es soweit sein wird. Zur Zeit werden in einem top-down Verfahren die Flüsse von oben nach unten untersucht, dabei kommt jetzt auch Druck auf die Saale.

 

Druck auf die Saale wächst enorm

 

Aktuell werden im Landesverwaltungsamt die Durchgängigkeit und Wandermöglichkeit der Fische über Fischtreppen untersucht und wie damit in Bernburg umzugehen ist. Dabei spielt auch eine Rolle, welcher Fisch in Bernburg überhaupt durch eine Fischaufstiegsanlage kommen muss. Auch gibt es Stimmen die sagen, dass der Stör wie vor 500 Jahren wieder in der Elbe angesiedelt werden soll, deshalb müssen Möglichkeiten geschaffen werden, das dieser auch flussaufwärts durch die Saale schwimmen kann.

 

Fischtreppe für 2 Meter große Störe

 

Nach dem Richtlinien heißt das, dass ein Stör theoretisch bis zu einer Größe von zwei Metern durch die Saale schwimmen kann, d.h., das durch die Stauhöhe von 3,50 Metern in Bernburg eine riesige Fischtreppe aus hunderten Kubikmeter Beton in die Saale gebaut werden muss. Aber das genau ist ein riesiges Problem, denn am Standort der Wasserkraft Saalemühle steht eine Forderung im Raum, das dort einen Fischaufstiegsanlage gebaut werden muss, deren Größe momentan unbekannt ist. Das Areal ist räumlich sehr eingeschränkt, hofseitig des Mühlengebäudes ist ein so großes Bauwerk nicht gegenfinanzierbar, links des Gebäudes befindet sich der Freifluter, ein Bauwerk enormen Ausmaßes würde hier erheblich technische Probleme mit dem Ablauf der Saale bereiten.

 

Technik und Ausmaß enorm groß

 

Sollte die Verordnung irgendwann greifen, würde die Fischtreppe enorme Ausmaße annehmen. Die Anlage würde aus 39 Einzelbecken bestehen, in welchen die Fische durch senkrechte Schlitze die Becken passieren könnten. Jedes der 39 Becken hätte eine Größe von über 3 x 5 Metern und eine Tiefe von rund 1,50 Meter. Die Gesamtlänge der Anlage wäre bei rund 200 Metern, somit könnten dann auch ausgewachsene Störe oder Lachse problemlos passieren, wenn sie dann da sind.

 

Bauwerk würde Hochwasserabfluss behindern

 

Fraglich ist, ob in einem Hochwasserabfluss der Saale ein riesiges Bauwerk aus Beton reingesetzt werden kann. Das wäre für die Hochwasserschutzmaßnahmen, welche durch die Kommunen und des Landes voran getrieben werden, absolut kontraproduktiv. Würde der Betreiber der Bernburger Wasserkraft dazu gezwungen, hunderte Kubikmeter Beton in die Saale zu bauen, wären die Hochwasserschutzmaßnahmen für die Bernburger Talstadt völlig sinnlos.

 

Ersatzneubau der bestehenden Fischtreppe

 

Aktuell gibt es Gespräche mit dem Landesverwaltungsamt, die bestehende Fischaufstiegsanlage am Ende des Saalewehr unterhalb der Papierfabrik so umzubauen, das künftig alle Fischwanderungen flussaufwärts dort stattfinden. Auch Fischereibiologen vertreten die Meinung, das der Standort am Ende des Saalarmes der ideale und richtige Standort für eine Fischtreppe ist, denn jeder Fisch, der von der Staustufe Calbe kommt und flussaufwärts wandern will, landet am Auslass der Turbinen an der Papierfabrik, deshalb ist die jetzige relativ kleine Fischaufstiegsanlage auch so funktionsfähig.

 

Abriss des Mittelbaus für Fischtreppe denkbar

 

Nun wurde durch den Wasserkraftbetreiber ein Planer beauftragt, Lösungen für ein vernünftigen Umbau der bestehenden Fischtreppe zu finden. Dabei spielt der Mittelbau, der seit einem Brand nicht mehr zu retten ist, eine Rolle. Dieser könnte nach einem Abriss nämlich den Platz für den Bau einer großen Fischaufstiegsanlage bieten und der Kanal unter dem Parkdeck wäre dann nur noch Auslass in die Obersaale.

 



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