
Bernburg, 12. August 2025 – Nach über drei Jahrhunderten durchgehender medizinischer Versorgung ist die Grüne Apotheke in Bernburg endgültig geschlossen. Gegründet im Jahr 1694, galt sie als die älteste Apotheke der Stadt und als eines der ältesten Apothekenhäuser in Sachsen-Anhalt. Seit dem 1. Januar 2025 bleibt die Tür des Traditionshauses verschlossen – ein stiller Abschied, der viele bewegt.
„Vielen Dank für Ihren Anruf, aber die Grüne Apotheke ist seit dem 1. Januar 2025 dauerhaft geschlossen.“ Diese nüchterne Bandansage ist alles, was von der einst lebendigen Institution geblieben ist. Apotheker Hendrik Frenzel, der die Apotheke seit 1982 führte, verabschiedet sich damit von seiner Kundschaft – „etwas traurig“, wie er selbst sagt, aber mit ehrlichem Dank für jahrzehntelanges Vertrauen.
Die Grüne Apotheke war mehr als eine Ausgabestelle für Medikamente. Sie war ein Ort der Begegnung, der Beratung und der Fürsorge. 2019 feierte das Team noch das 325. Jubiläum mit Stolz und Hoffnung. Doch die Zeichen der Zeit waren bereits damals spürbar. Frenzel äußerte sich kritisch zur Entwicklung der Branche: „Sie macht jedem Apotheker das Leben schwer.“
Die Gründe für die Schließung sind vielschichtig: Eine fehlende Nachfolge trotz intensiver Suche, wirtschaftlicher Druck durch sinkende Margen und steigende Kosten, politische Rahmenbedingungen, die kleine Apotheken zunehmend belasten, sowie Personalmangel und bürokratische Hürden. Frenzel bringt es auf den Punkt: „Wie viele andere Apotheken bundesweit auch.“ Die Grüne Apotheke ist kein Einzelfall, sondern Teil einer besorgniserregenden Entwicklung im deutschen Gesundheitswesen.
Die Stadt Bernburg verliert mit der Schließung nicht nur eine Apotheke, sondern ein Stück Identität. Dennoch bleibt die Hoffnung, dass neue Konzepte entstehen, um die medizinische Versorgung in der Innenstadt zu sichern. Die Geschichte der Grünen Apotheke endet – aber ihr Vermächtnis könnte zum Ausgangspunkt für neue Ideen werden.
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