BERNBURG/AS. „Sieben Jahre in Tibet“ zu bleiben, war nicht das Ziel von Jörg Hofmann. Doch der Film aus dem Jahr 1997 mit Brad Pitt in der Hauptrolle des österreichischen Bergsteigers Heinrich Harrer ließen in Hofmann den Wunsch aufkommen, Tibet zu sehen - und natürlich mit dem Motorrad zu bereisen. Weniger die Geschichte Harrers, der 1939 noch vor Ausbruch des Krieges zu einer Expedition nach Fernost aufbrach und in Indien von Engländern interniert wurde, war der Anlass, sondern Harrers Flucht und seine anschließende Reise durch Himalaya und Tibet, auf der er den noch jungen Daila Lama traf, zogen Hofmann in den Bann. Er wollte das Land sehen und die Natur, die höchsten Berge der Erde, die Pässe und Höhen passieren, was in Europa nicht möglich ist.
Im Mai war es dann an der Zeit, seinen Traum umzusetzen. Zusammen mit seiner Frau Elke König-Hofmann ging es zu einer 15-tägigen Reise auf das Dach der Welt. Doch die beiden sind natürlich nicht einfach als Pauschalreisende unterwegs. Denn sie lockt das Abenteuer und so wurde eine Reise mit dem Motorrad gebucht. „Es hat sich gelohnt. Es ist eine einzigartige Natur“, blickt Hofmann zurück. Doch man muss sich das „verdienen“. Denn die Anreise allein ist schon nicht so einfach. Einreisen kann man mit dem Flugzeug nur über China, das seit 1950 die Hoheit über das Land auf dem Dach der Welt hat. Und selbst hier waren mehrere Flüge notwendig, um dann endlich in dem Flugzeug nach Lhasa zu sitzen. Belohnt wird man dann mit einer gut organisierten Tour auf einem chinesischen Motorrad, das sie gut durch die Tage brachte. Straßen waren schon teilweise ein Abenteurer für sich. Hinzu kommt noch der Temperaturunterschied. War es im Tal sommerlich, so sanken die Temperaturen auf den Gefrierpunkt, als es auf einen der höchsten befahrbaren Pässe der Welt ging. In 5400 Metern Höhe war es nicht nur eisig kalt, sondern da wird auch die Luft schon knapp, sagt Elke König-Hofmann, die als „Kamerakind“ die Reise begleitete, da das bestellte Motorrad zu hoch war und ein niedrigeres vom Veranstalter nicht so schnell geordert werden konnte. So blieb nur der Platz hinter Jörg Hofmann.
Atemberaubend war indes nicht nur die Höhe, als es eine Rast am Basiscamp für den Aufstieg zum Mount Everest, in der Landessprache Tschomolunga (Mutter des Universums), gab. „Das hat schon eine außergewöhnliche Wirkung“, sagt Jörg Hofmann. Da steht man plötzlich vor dem höhsten Punkt der Erde und schnappt sprichwörtlich nach Luft - einerseits wegen des geringeren Sauerstoffes in der Atemluft und anderweitig einfach wegen des überwältigenden Eindrucks, den der majestätische Anblick bietet.
Dass Tibet ein spirituelles Land ist, kann man förmlich spüren, so der Eindruck der beiden. Viele Menschen, auch einheimische, sehen den Besuch des einstigen Sitzes des Dalai Lama im Potala-Palast als erstrebenswert an. Ältere Menschen lassen sich bisweilen auch tragen. Diese Ehrfurcht und Verehrung kann auch die Jahrzehnte lange Herrschaft Chinas nicht unterbinden. Zwar wird man überall mit Parolen der Machthaber aus Peking konfrontiert, doch der Glaube an den Dalai Lama, dem geistigen Führer im tibetianischen Buddhismus, ist immer noch präsent. 1959 flüchtet der heutige 14. Dalai Lama aus dem Potala-Palast in Tibet nach Indien.
Was nehmen die beiden Bernburger sonst noch mit aus dem Fernen Osten: Das asiatische Essen im Original hat nichts mit dem Essen zu tun, was es hier gibt. „Es ist sehr scharf“, sagt Elke König-Hofmann. Und die Toiletten seien sehr gewöhnungsbedürftig.
Dennoch, es war ein Abenteuer, das sich beide erhofft hatten: Eine außergewöhnliche Reise und ein fremdes Land, das man nur aus Erzählungen kennt.
Das könnte Sie auch interessieren:






