BERNBURG/AS. Funker aus Bernburg trauten ihren Ohren nicht. Seit einiger Zeit hatten sie bemerkt, dass sensible Daten ungefiltert nahezu im gesamten Stadtgebiet von Bernburg zu hören waren. Nach einigen Recherchen fanden sie heraus, dass es sich dabei um Informationen aus Horten Bernburger Grundschulen handelte. Vorerst ist hier zwar Einhalt geboten. Doch das geht zu Lasten der Mitarbeiter von städtischen Einrichtungen, die selbst von einem Funker über Funk angesprochen wurden und sich nicht bewusst waren, welche Reichweite der Funk hat.
Vollständige Namen der Kinder wurden bis dahin unter den Mitarbeiterinnen genannt, ebenso, wann die Kinder von wem abgeholt werden und welches Kind allein nach Hause gehen wird. Weitere Informationen waren, welches Kind zu welchen Aktivitäten wie Tanzen oder AG ging. Eine Messung mit einer Antenne der Funker ergab, dass bis auf Dröbel das restliche Stadtgebiet im Bereich war, wo diese Informationen mitgehört werden konnten. Das sei nicht einmal strafbar, so ein Funker.
Grund dafür, so gaben die Amateurfunker an, seien analoge Funkgeräte, die gegen abhören nicht geschützt werden können. Die gebe es für wenige Euro im Internet.
Dass auf Funk als Hilfsmittel für die innere Kommunikation zurückgegriffen werde, sagte ein Funker, sei völlig in Ordnung. Doch dann müsse man auf Funkgeräte zurückgreifen, die man so programmieren müsse, so dass man nicht mit jedem Billiggerät mithören könne. Das koste etwas mehr, aber es seien keine Unsummen, hieß es aus Reihen der Funker. Digitale Funkgeräte zum Beispiel böten hier schon mehr Sicherheit. Aber auch das könne man optimieren, so einer der Funker, der hierin Erfahrung hat. Verschlüsselten Funk indes dürfe man nicht benutzen. Das sei ausschließlich Behörden, Polizei, Feuerwehr und Hilfsorganisationen erlaubt.
Die Gefahr, dass weiterhin der Funk abgehört werden kann, ist vorerst gebannt. Eine Anfrage an die Stadt Bernburg sorgte dafür, dass die Funkaktivitäten auf ein Minimum zurückgefahren wurden. „Die Leiterinnen aller städtischen Kitas und Horte erhielten die Anweisung, dass ab sofort nur noch die Vornamen der Kinder über Funk mitgeteilt werden dürfen, außerdem sollen weitere Infos zu Abholzeiten und ähnlichem über Funk entfallen“, heißt es aus der Pressestelle der Stadt, die damit den für sie einfachsten Weg geht.
Über das Thema informiert, hörte sich der Vorsitzende des Kreiselternrates, Kay Lorenz, unter Eltern um. Einige sahen hier überhaupt kein Problem, andere wussten von der Handhabung per Funk nichts, andere waren erstaunt, dass die Reichweite so groß war. „Die Möglichkeit, auf kurzem Wege miteinander zu kommunizieren, trägt wesentlich zu einem geordneten und sicheren Schulbetrieb bei und ist daher grundsätzlich zu begrüßen“, sagt Kay Lorenz. Gleichzeitig würden aber über diese Funkverbindungen personenbezogene Daten von Kindern übertragen, die außerhalb des Schulgeländes empfangen werden können. „Das steht in deutlichem Widerspruch zu den Grundsätzen des Datenschutzes und dem besonderen Schutzbedürfnis von Kindern. Es geht mir ausdrücklich nicht um ein Verbot dieser Kommunikationsmittel, sondern um die Verantwortung des Schulträgers, für eine sichere und datenschutzkonforme Nutzung zu sorgen“, macht Lorenz deutlich. „Ich bitte daher alle Verantwortlichen, mit der gebotenen Sorgfalt und Umsicht zu prüfen, wie die bestehende Kommunikation zeitnah abgesichert werden kann“, fordert Lorenz.
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