Bernburg (Saale). Die Bernburger Tafel hat am Dienstag ihr 25-jähriges Bestehen gefeiert. Mit einem Festakt würdigten Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Gesellschaft und Wirtschaft die Arbeit der Einrichtung, die seit einem Vierteljahrhundert Menschen in schwierigen Lebenslagen unterstützt.
Im Grußwort des Vorstands der Tafel Deutschland e. V., Andreas Steppuhn, wurde deutlich: „Ein Jubiläum wie 25 Jahre Tafel ist kein Grund zum Feiern. Aber es ist eine gute Gelegenheit, auf die wichtige Arbeit aufmerksam zu machen – und allen zu danken, die sich für die Tafelarbeit engagieren.“ Besonders hob er die Rolle der Ehrenamtlichen hervor, ohne deren Einsatz die Arbeit nicht möglich wäre.
Ein kommunales Novum
Die Bernburger Tafel ist in Sachsen-Anhalt eine Besonderheit: Sie wird von der Stadt selbst getragen. „Vielfach sind es Vereine oder Wohlfahrtsverbände, die Tafeln betreiben. Dass eine Kommune diese Aufgabe übernimmt, ist ein Novum“, betonte Steppuhn.
In Deutschland gibt es inzwischen 975 Tafeln mit rund 2000 Ausgabestellen. Sie erreichen nach Angaben des Bundesverbands rund 1,5 Millionen Menschen. „Wir sind eine der größten sozialen Bewegungen in Deutschland – und zugleich eine sozial-ökologische Bewegung, weil wir nicht nur Menschen helfen, sondern auch Lebensmittel retten“, so Steppuhn.
Landesverband zieht Bilanz
Auch der Vorsitzende der Tafel Sachsen-Anhalt, Kai-Gerrit Bädje, nutzte das Jubiläum, um die Arbeit im Land zu würdigen. „Wir sind mittlerweile recht gut aufgestellt. Allein im Jahr 2024 haben wir 6200 Paletten Lebensmittel verteilt – große Paletten, die wir an die Mitgliedstafeln weitergeben. Darin steckt viel Energie und gute Zusammenarbeit.“
Bädje betonte zudem die Bedeutung von Arbeitsgelegenheiten („1-Euro-Jobs“) für die Tafeln. „Tafelarbeit ist verlässlich geworden und braucht verlässliche Strukturen. Allein mit Ehrenamtlichen ist das nicht zu leisten. In den Arbeitsgelegenheiten werden soziale Kompetenzen vermittelt – und viele Menschen finden darüber den Weg in reguläre Beschäftigung.“
Unterstützung aus der Region
Im Rahmen der Feierlichkeiten überreichte Oberbürgermeisterin Dr. Silvia Ristow Urkunden und Präsente an langjährige Unterstützerinnen und Unterstützer. Zu den Partnern der Bernburger Tafel zählen unter anderem die Neuapostolische Kirche Bernburg, Tino Reitmann REWE Bernburg, Lidl, die Bär-Apotheke sowie der Rotary-Club Bernburg-Köthen. Das zentrale Lager der Tafel im Salzlandkreis befindet sich in Hohenerxleben. Besonders gewürdigt wurde Petra Hetzel, die über viele Jahre das Gesicht der Bernburger Tafel war und sich nun im Ruhestand befindet.
Herausforderungen bleiben
Die Tafeln sehen sich zunehmend mit veränderten Rahmenbedingungen konfrontiert. Durch Digitalisierung und effizientere Warenströme fallen weniger Lebensmittelüberschüsse in Supermärkten an. Deshalb wurde bundesweit eine Allianz für Lebensmittelrettung ins Leben gerufen, um auch Hersteller stärker einzubeziehen. Steppuhn machte deutlich: „Wir lassen uns gerne bei der Lebensmittelrettung unterstützen – aber die Bekämpfung von Armut bleibt Aufgabe von Staat und Politik.“
Treffpunkt und Hilfe
Neben der Ausgabe von Lebensmitteln sind Tafeln vielerorts zu gesellschaftlichen Treffpunkten geworden. Sie bieten Sozialberatung, Integration und gelebte Nachbarschaft. „Das macht die Tafelarbeit aus“, so Steppuhn. „Und deshalb ist es ein guter Anlass, allen zu danken, die diese Arbeit möglich machen.“
