Brumby – Mit bewegenden Liedern zwischen Schmerz, Erinnerung und Zuversicht hat der ukrainische Stadtchor „Nadija je“ am Sonntag die Evangelische Autobahn- und Gemeindekirche St. Petri in Brumby erfüllt. Rund 17 Sängerinnen, die seit ihrer Flucht aus der Ukraine in Bernburg und Umgebung leben, luden zum Neujahrskonzert ein – und viele folgten der Einladung. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt.
Zu Beginn des Konzerts erhoben sich die Besucher zu einer Schweigeminute für die Opfer des Krieges in der Ukraine. Unter den Gästen waren zahlreiche ukrainische Frauen und Kinder, aber auch viele Brumbyer, Freunde und Unterstützer, die gemeinsam ein Zeichen der Verbundenheit setzten.
Lieder zwischen Trauer und Hoffnung
Der Chor „Nadija je“ – übersetzt „Es gibt Hoffnung“ – wurde im Oktober 2022 gegründet. Für viele der Frauen ist das gemeinsame Singen mehr als ein Hobby: Es ist ein Halt in einer Zeit, die von Flucht, Verlust und Unsicherheit geprägt ist. „Die Hoffnung hat uns getragen“, sagen die Sängerinnen immer wieder. Und genau diese Hoffnung war in jedem Lied spürbar.
Das einstündige Programm spannte einen Bogen von melancholischen Volksliedern, die an die Heimat und den Krieg erinnerten, bis hin zu fröhlichen ukrainischen Weihnachts- und Neujahrsliedern. Immer wieder animierten die Sängerinnen das Publikum zum Mitsingen – ein Moment, der die Kirche hörbar und sichtbar miteinander verband.
Besonders eindrucksvoll war die Erinnerung an eine ukrainische Weihnachtstradition: das gemeinsame Singen von Haus zu Haus. Eine Tradition, die in Brumby für einen Abend lebendig wurde.
Begegnung im Gemeindehaus
Nach dem Konzert ging es im Gemeindehaus weiter – mit Kaffee, Kuchen, Glühwein und typisch ukrainischen Speisen. In gemütlicher Runde wurde gelacht, erzählt und natürlich weitergesungen. Für die Kinder gab es ein besonderes Highlight: Der Svyaty Mykolay, der Heilige Nikolaus und eine Figur der Barmherzigkeit in der ukrainischen Kultur, schaute noch einmal vorbei und sorgte für strahlende Augen.
Ein geschichtsträchtiger Ort als Raum der Begegnung
Die Wahl des Veranstaltungsortes war nicht zufällig. Die St.-Petri-Kirche in Brumby blickt auf eine über 800-jährige Geschichte zurück. Im 12. Jahrhundert als dreischiffige Basilika erbaut, wurde sie im Laufe der Jahrhunderte mehrfach verändert. Seit dem Jahr 2000 dient sie zusätzlich als Autobahnkirche an der A14 – ein Ort der Ruhe für Reisende, aber auch ein Raum für Begegnungen wie diese.
Am Sonntag zeigte sich einmal mehr, wie sehr die Kirche Menschen zusammenbringen kann: Ein Konzert, das nicht nur musikalisch berührte, sondern auch ein starkes Zeichen für Gemeinschaft, Mitgefühl und Hoffnung setzte.
