
Wissenschaftlerinnen und Studierende der Hochschule Anhalt haben im Rahmen eines Forschungsprojekts einen außergewöhnlichen Fund gemacht: Den Großen Puppenräuber (Calosoma sycophanta). Der auffällige Laufkäfer wurde sowohl im Drömling als auch im Raum Dessau-Roßlau nachgewiesen. Für Sachsen-Anhalt ist dies eine kleine Sensation, denn die Art galt seit den 1960er Jahren als ausgestorben beziehungsweise verschollen.
„Der Wiederfund ist eine kleine Sensation. Letztmalig wurde der Käfer in den 1960er Jahren bei uns in Sachsen-Anhalt gesichtet. Vermutlich ist er aufgrund des inzwischen großen Nahrungsangebots aus Brandenburg eingewandert. Wir hoffen, dass er sich bei uns dauerhaft etabliert und wieder stabile Populationen aufbauen kann“, sagt Dr. Peer Hajo Schnitter vom Landesamt für Umweltschutz Sachsen-Anhalt.
Der Große Puppenräuber ernährt sich bevorzugt von Raupen und Puppen des Eichenprozessionsspinners und trägt damit zur natürlichen Regulierung der Bestände bei. Dass der Käfer ausgerechnet in Regionen entdeckt wurde, die seit Jahren stark vom Eichenprozessionsspinner betroffen sind, unterstreicht seine ökologische Bedeutung.
Bildunterschrift:
Nach dem ersten Fund im Drömling wurde der Käfer auch von weiteren Projektmitarbeitenden und Studierenden im Drömling sowie im Raum Dessau-Roßlau nachgewiesen.
Der Eichenprozessionsspinner ist eine heimische Nachtfalterart. Seine Raupen entwickeln ab dem dritten Larvenstadium feine Brennhaare, die bei Kontakt mit Haut oder Schleimhäuten allergische Reaktionen auslösen können.
Durch die starke Ausbreitung der Art in den vergangenen Jahrzehnten rücken die gesundheitlichen Risiken zunehmend in den Fokus. Deshalb werden Raupennester insbesondere in Siedlungsgebieten häufig abgesaugt oder mit biologischen Pflanzenschutzmitteln bekämpft.
Forschung setzt auf natürliche Feinde
Seit 2021 untersucht die Hochschule Anhalt in mehreren Forschungsprojekten nachhaltige Strategien zum Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner. Im Mittelpunkt steht die Förderung seiner natürlichen Feinde.
„Klimawandel und Biodiversitätsverlust infolge intensiver Landnutzung könnten Ursachen für die verstärkte Ausbreitung des wärmeliebenden Eichenprozessionsspinners sein“, erklärt Prof. Dr. Annett Baasch, Projektleiterin an der Hochschule Anhalt.
Untersucht werden unter anderem:
- der Einfluss raupenfressender Brutvögel in Nistkästen,
- weitere natürliche Gegenspieler unter den Insekten,
- Möglichkeiten zur Stärkung natürlicher Regulationsmechanismen.
„Indem wir die natürlichen Feinde des Eichenprozessionsspinners besser verstehen und fördern, stärken wir natürliche Regulationsmechanismen und schaffen die Grundlage für nachhaltige, biodiversitätsfreundliche Managementstrategien“, so Baasch.
Ein auffälliger Käfer mit großer Bedeutung
Der Große Puppenräuber ist aufgrund seines goldgrün bis kupferfarben metallisch glänzenden Panzers leicht zu erkennen. Als guter Flieger kann er weite Strecken auf der Suche nach Nahrung zurücklegen. Sein Name verrät bereits seine bevorzugte Beute: Raupen und Puppen verschiedener Schmetterlingsarten.
Zwar kann auch der Große Puppenräuber Massenvermehrungen des Eichenprozessionsspinners nicht allein verhindern, dennoch ist er ein wichtiger Baustein im natürlichen Gleichgewicht und trägt zur langfristigen Regulierung der Bestände bei.
Das Forschungsprojekt
Das vom Land Sachsen-Anhalt geförderte Forschungsprojekt „Untersuchungen und Wissenstransfer zum nachhaltigen Umgang mit dem Eichenprozessionsspinner in peri-urbanen und ländlichen Gebieten“ läuft noch bis Ende 2026.
Kooperationspartner sind:
- das Biosphärenreservat Drömling mit den Drömlingsgemeinden,
- die Untere Naturschutzbehörde der Stadt Dessau-Roßlau.
Der Wiederfund des Großen Puppenräubers gilt als wichtiger Erfolg für den Naturschutz und zeigt, dass natürliche Gegenspieler des Eichenprozessionsspinners wieder ihren Platz in den Ökosystemen Sachsen-Anhalts finden können.
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