
Bemannte und unbemannte Luftfahrtsysteme sowie Bodenfahrzeuge eröffnen neue Möglichkeiten für den Zivil- und Katastrophenschutz. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Bayerische Rote Kreuz (BRK) wollen diese Technologien künftig noch gezielter für den Bevölkerungsschutz nutzbar machen und vertiefen ihre Zusammenarbeit. Die Systeme helfen Einsatzkräften dabei, betroffene Gebiete schnell zu überblicken, aktuelle Lagebilder zu erstellen und Rettungs- sowie Hilfsmaßnahmen effizient zu koordinieren. Am 17. Juli 2026 haben Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR, und Robert Augustin, Landesgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes, am DLR-Standort Cochstedt eine entsprechende Kooperationsvereinbarung unterzeichnet. Im Mittelpunkt steht der weitere Ausbau der gemeinsamen Aktivitäten im Bereich der zivilen Sicherheit.
Ziel der Kooperation ist es, die wissenschaftlichen und technologischen Kompetenzen des DLR mit der operativen Erfahrung des BRK im Rettungswesen und im Zivil- und Katastrophenschutz zusammenzuführen.
„Ein moderner und leistungsfähiger Bevölkerungsschutz stärkt die Resilienz unserer Gesellschaft“, betonte Prof. Dr.-Ing. Anke Kaysser-Pyzalla, Vorstandsvorsitzende des DLR. „Das Bayerische Rote Kreuz verfügt als eine der bedeutendsten Hilfsorganisationen Deutschlands über eine herausragende Expertise. Gemeinsam wollen wir neue Technologien unter realitätsnahen Bedingungen entwickeln und erproben, um Einsatzkräfte in komplexen Situationen bestmöglich zu unterstützen. Besonders wertvoll dabei ist der Wissensaustausch zwischen Forschung, operativer Erfahrung und öffentlichen Stakeholdern. Die heutige Kooperationsvereinbarung steht aber auch für den Erfolg der jahrelangen gemeinsamen Anstrengungen des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt und des Landes Sachsen-Anhalt am Standort Cochstedt zum Aufbau eines leistungsfähigen nationalen Erprobungszentrums für unbemannte Luftfahrtsysteme.“
Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann erklärte: „Das Drohnenzentrum am ehemaligen Verkehrsflughafen in Cochstedt ist eine großartige Erfolgsgeschichte für Sachsen-Anhalt. 2018 maßgeblich mit unserer Unterstützung aus dem Wissenschaftsministerium gegründet, wächst das Zentrum seither stetig. Die heutige Unterzeichnung der Kooperationsvereinbarung ist ein weiterer Meilenstein. Ich freue mich, dass die bestehende Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Roten Kreuz im Bereich der zivilen Sicherheit weiter ausgebaut wird. Davon werden viele Menschen in Notlagen profitieren.“
Bemannte und unbemannte Systeme für Rettungs- und Katastrophenschutzeinsätze
Ein Schwerpunkt der Zusammenarbeit liegt auf der Entwicklung, Erprobung, Integration und Modifikation unbemannter und bemannter Boden- und Luftfahrtsysteme. Diese Systeme sollen Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) und Einsatzkräfte im Katastrophenschutz bei der Bewältigung komplexer Einsatzlagen unterstützen.
Unbemannte Luftfahrtsysteme (UAS) eignen sich beispielsweise dazu, schwer zugängliche oder großflächige Einsatzgebiete aus der Luft zu erkunden. Dabei können bemannte und unbemannte Systeme miteinander vernetzt werden und unterschiedliche Aufgaben übernehmen – von der Datenerfassung und Lageerkundung bis hin zur Unterstützung logistischer und operativer Abläufe.
Beim Bergwaldbrand am Saurüsselkopf im Mai 2026 wurde bereits eine neue Forschungsdrohne des BRK, ausgestattet mit einer Wärmebildkamera und der DLR-Luftbildkamera MACS (Modular Aerial Camera Systems), erfolgreich eingesetzt. Das System wurde im Rahmen des Projekts RESITEK (Resiliente Technologien für den Katastrophenschutz) entwickelt und spürte bei seinem Ersteinsatz Brandflächen und verborgene Glutnester auf. Die optischen und thermischen Livebilder konnten außerdem direkt von der Drohne in das digitale Lagebild eingebunden werden.
Lagebilder als Grundlage für die Einsatzplanung
Ein weiterer Schwerpunkt ist die Erstellung und kontinuierliche Weiterentwicklung von Lagebildern für Einsatz- und Katastrophenschutzszenarien. Aktuelle und präzise Informationen unterstützen Einsatzkräfte dabei, Rettungs- und Hilfsmaßnahmen gezielt zu planen, zu koordinieren und durchzuführen.
Dafür führen die beteiligten Systeme Daten aus verschiedenen Quellen zusammen, werten sie aus und stellen sie den Einsatzleitungen bedarfsgerecht zur Verfügung. Zu diesen Quellen gehören beispielsweise Luft- und Bodenfahrzeuge, Satelliten, Sensoren sowie weitere geodatenbasierte Systeme.
KI-gestützte Einsatzunterstützung und Geodaten
DLR und BRK wollen zudem KI-gestützte Systeme zur Entscheidungsfindung und innovative Verfahren zur Integration und Auswertung von Geodaten entwickeln und demonstrieren. Solche Systeme können Einsatzleitungen dabei unterstützen, umfangreiche Datenmengen schneller auszuwerten, Entwicklungen in einem Einsatzgebiet frühzeitig zu erkennen und mögliche Handlungsoptionen zu vergleichen.
Gemeinsame Projekte, Übungen und Demonstrationen
Darüber hinaus arbeiten die Beteiligten in gemeinsamen Projekten zusammen und planen Übungen und Demonstrationen. Unter möglichst realitätsnahen Bedingungen erproben sie neue Technologien und Verfahren und entwickeln diese gemeinsam mit den Anwenderinnen und Anwendern weiter.
Dabei simulieren und bewältigen sie auch technische Herausforderungen, etwa im Bereich der Satellitennavigation. So untersuchen die Partner, wie sich Einsatzsysteme selbst bei eingeschränkter oder gestörter Navigation zuverlässig betreiben lassen.
Im Projekt RESITEK haben 16 DLR-Institute im Juni 2026 gezeigt, wie neue Technologien die Prozesse im Katastrophenschutz stärken und verbessern können. In Zusammenarbeit mit Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben hat das DLR im Landkreis Ahrweiler (Rheinland-Pfalz) eine Technikübung in einem realistischen Szenario durchgeführt. Der Schwerpunkt lag auf der Demonstration neuer Technologien, dem Zusammenspiel der Systeme und deren Nutzen für die Einsatzkräfte. Teams des DLR führten gemeinsam mit dem Bayerischen Roten Kreuz und dem Deutschen Roten Kreuz (DRK) Rheinland-Pfalz untereinander abgestimmte Maßnahmen durch.
Auch im Projekt AHEAD (Autonomous Humanitarian Emergency Aid Devices) haben DLR und BRK bereits ihre Expertise gebündelt, um Einsatzkräfte dort zu unterstützen, wo sie alleine nicht mehr weiterkommen. In einer besonderen Live-Demonstration testete das DLR den Einsatz seines ferngesteuerten fahrerlosen Offroad-Fahrzeugs SHERP, in Zusammenarbeit mit dem Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP). Bei dem Hochwasserszenario waren diverse Spezialeinheiten des BRK mit über 20 Einsatzkräften beteiligt, gemeinsam mit einem Dutzend weiterer Schlüsselakteure aus Forschung, Industrie, humanitärer Hilfe und Bevölkerungsschutz.
Die gewonnenen Erkenntnisse sollen künftig auch in weitere Einsatzszenarien und gemeinsame Vorhaben einfließen.
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