Bernburg (Saale). Der Arbeitsmarkt in Bernburg präsentiert sich im Jahr 2025 mit zwei unterschiedlichen Entwicklungen. Einerseits bleibt die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten auf einem hohen Niveau und die Stadt behauptet ihre Bedeutung als wichtiger Wirtschaftsstandort in der Region. Andererseits ist die Arbeitslosigkeit erneut gestiegen und erreicht den höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre. Besonders betroffen sind Menschen, die auf Bürgergeld angewiesen sind oder bereits über einen längeren Zeitraum ohne Beschäftigung sind.
Über 16.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze in Bernburg
Zum Stichtag 30. Juni 2025 waren in Bernburg 16.300 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte registriert. Damit ist die Zahl der Beschäftigten gegenüber dem Vorjahr leicht gestiegen. Vor allem der Dienstleistungssektor stellt mit mehr als 9.000 Beschäftigten den größten Arbeitgeber der Stadt dar. Es folgen der Bereich Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie das Produzierende Gewerbe.
Bernburg bleibt zudem ein bedeutender Arbeitsstandort für die gesamte Region. Täglich pendeln rund 9.040 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Umland in die Saalestadt, um hier ihrer Beschäftigung nachzugehen. Das unterstreicht die wirtschaftliche Bedeutung Bernburgs weit über die Stadtgrenzen hinaus.
1.585 Menschen ohne Arbeit
Im Jahresdurchschnitt 2025 waren 1.585 Menschen in Bernburg arbeitslos gemeldet. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Anstieg um 93 Personen oder rund 6,2 Prozent. Damit setzt sich der Trend steigender Arbeitslosenzahlen fort, nachdem bereits in den vergangenen Jahren eine deutliche Zunahme zu verzeichnen war.
Während im Jahr 2022 noch 1.273 Arbeitslose registriert wurden, stieg die Zahl 2023 deutlich an und erreichte 2025 nun den höchsten Stand der vergangenen fünf Jahre.
Mehr als 70 Prozent der Arbeitslosen beziehen Bürgergeld
Von den 1.585 Arbeitslosen gehörten 1.127 Personen zum Rechtskreis des Bürgergeldes (SGB II). Damit beziehen rund 71 Prozent aller Arbeitslosen Bürgergeld. Die übrigen 458 Arbeitslosen erhielten Leistungen aus der Arbeitslosenversicherung (SGB III), also in der Regel Arbeitslosengeld I.
Die Zahlen verdeutlichen, dass ein großer Teil der Arbeitslosen bereits länger vom regulären Arbeitsmarkt abgekoppelt ist oder auf eine intensivere Unterstützung bei der Rückkehr in Beschäftigung angewiesen ist.
Langzeitarbeitslosigkeit bleibt Herausforderung
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den Langzeitarbeitslosen. Im Jahresdurchschnitt waren 582 Menschen bereits über einen längeren Zeitraum ohne Beschäftigung. Damit ist auch dieser Wert erneut gestiegen.
Hinzu kommen 403 arbeitslose Menschen im Alter von 55 Jahren und älter, deren Wiedereinstieg in den Arbeitsmarkt häufig mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Gleichzeitig waren 155 junge Menschen unter 25 Jahren arbeitslos gemeldet. Dies zeigt, dass sowohl Berufseinsteiger als auch ältere Arbeitnehmer verstärkt Unterstützung beim Zugang zum Arbeitsmarkt benötigen.
Die Wirtschaft Bernburgs im Überblick
Bernburg verfügt über 1.153 Unternehmen und Niederlassungen und bietet damit eine breit aufgestellte Wirtschaftsstruktur. Die meisten Betriebe gehören zum Handel (217 Unternehmen), gefolgt vom Baugewerbe (144), dem Gesundheits- und Sozialwesen (142), den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (113) sowie dem Gastgewerbe (101).
Die Wirtschaftsstruktur wird überwiegend von kleinen und mittleren Unternehmen geprägt. Sie bilden das Rückgrat der Bernburger Wirtschaft, schaffen einen Großteil der Arbeitsplätze und sorgen für eine hohe Branchenvielfalt. Ergänzt wird diese mittelständische Struktur durch mehrere große Industriebetriebe, Einrichtungen des Gesundheitswesens sowie öffentliche Arbeitgeber, die zu den wichtigsten Beschäftigungsträgern der Stadt zählen.
Zu den größten Arbeitgebern in Bernburg gehören unter anderem das AMEOS Klinikum Bernburg, das Salus-Fachklinikum, die Solvay Chemicals GmbH, die Hochschule Anhalt, die Stadt Bernburg (Saale), der Salzlandkreis, die Stadtwerke Bernburg, Teekanne, IDT Biologika sowie zahlreiche weitere Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen.
Insgesamt zeigt sich eine ausgewogene Wirtschaftsstruktur: Während die großen Arbeitgeber zahlreiche Arbeitsplätze sichern und für wirtschaftliche Stabilität sorgen, bilden die vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen das Fundament der Bernburger Wirtschaft und tragen maßgeblich zur regionalen Wertschöpfung bei.
Herausforderungen für Politik und Wirtschaft
Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass Bernburg weiterhin ein starker Wirtschaftsstandort mit einer hohen Beschäftigungsquote ist. Gleichzeitig stellt die steigende Arbeitslosigkeit eine wachsende Herausforderung dar. Insbesondere der hohe Anteil der Bürgergeldbezieher unter den Arbeitslosen und die zunehmende Langzeitarbeitslosigkeit machen deutlich, dass neben der Fachkräftesicherung auch die nachhaltige Integration arbeitsloser Menschen in den Arbeitsmarkt weiterhin eine zentrale Aufgabe bleibt.
Die Kombination aus einer vielfältigen Unternehmenslandschaft, leistungsfähigen Industrie- und Gesundheitsbetrieben sowie einer starken öffentlichen Verwaltung bietet dafür gute Voraussetzungen. Um den positiven Beschäftigungstrend fortzusetzen und die Arbeitslosigkeit langfristig zu senken, werden Investitionen in den Wirtschaftsstandort, die Gewinnung von Fachkräften, Qualifizierungsangebote sowie die Unterstützung regionaler Unternehmen auch künftig entscheidende Faktoren sein.
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