Digitale Kommunikation: Keine Angst vor neuen Wegen

„Die Digitalisierung ist gekommen, um zu bleiben. Also muss man sich damit auseinandersetzen, die Möglichkeiten hinterfragen und sich gegebenenfalls Hilfe von Profis holen“

 


(OTS) - Expertinnen und Experten diskutierten in Graz über die rasante Entwicklung in der Unternehmenskommunikation und empfehlen: Anschauen, hinterfragen, ausprobieren – „Digitale Transformation“ wird noch zu wenig ernst genommen. Immer mehr Ausspielkanäle, Interaktion in Echtzeit und neue digitale Werkzeuge: Die Unternehmenskommunikation wird deutlich komplexer, eröffnet aber auch viele Möglichkeiten. Welche Strategien Erfolg versprechen und was es zu vermeiden gilt, erklärten Profis gestern, Dienstagabend, bei der Veranstaltungsreihe „DigitalDialog" in Graz.

 

„Viele Unternehmen nehmen die digitale Transformation noch nicht ernst genug. Inzwischen besitzt das weltgrößte Taxi-Unternehmen aber keine Taxis und der größte Beherbergungsanbieter keine Immobilien mehr“, nahm Gerhard Kürner, Managing Partner der Kreativschmiede Lunik2, die kürzlich aus den Agenturen Strobl)Kriegner Group und Tower Trash hervorgegangen ist, auf Uber und Airbnb Bezug.

„Uns betrifft das nicht“ – diese Meinung herrsche zum Teil auch noch in den Chefetagen vor. Das sei falsch, es gebe nur im Umfang der Auswirkungen Unterschiede. „Hat das jemand kommen sehen?“ höre man oft in Reaktion auf das Verschwinden von Dienstleistungen – Stichwort Bankschalter, von denen es immer weniger gibt. Oder es heiße gleich: „Das wird sich nicht mehr ausgehen“, in Hinblick auf Märkte, die sich nicht nur rasant verändern, sondern auch vom digitalen Wandel „unterwandert“ werden.

 

„Das gesamte Öko-System rund herum bewegt sich“, verwies der Experte beispielsweise auf die Medienbranche. „Hier gibt es großteils gute Qualität, trotzdem gehen die Einnahmequellen verloren. Das wird eng“, so Kürner. Gleichzeitig würden sich für viele Branchen neue Chancen auftun: „Die Zeit, die die Anwender dem Smartphone widmen, nimmt laufend zu, weshalb auch Werbung stärker an die mobilen Endgeräte angepasst wird.“ Ein großes Thema sei auch Video: „Das kommt auf alle Fälle. Die Hürde ist gering, es geht sehr simpel und das Wachstum ist stark.“

Video wird zum Renner

 

Video könnte der Retter sein, hieß es zwar schon zu Beginn der Medienkrise. Jetzt sei das Thema aber wirklich reif, gab sich auch Barbara Rauchwarter, Unternehmenssprecherin der APA - Austria Presse Agentur, überzeugt. „Da bewegt sich viel. Allerdings müssen die Videos lockerer und redaktioneller gestaltet werden“, so die Expertin. Vorstände dürften vor der Kamera nicht wirken „wie der Bundespräsident bei der Neujahrsansprache“.

 

Bei der Kommunikation über soziale Medien sei ebenfalls eine wohlüberlegte Strategie notwendig. „Am Anfang stand bei uns die Frage, was kann und was möchte ich auf diesen Plattformen tun. Das Ergebnis war, dort gar nichts zu machen“, erklärte Rauchwarter. Denn als B2B-Unternehmen Nachrichten zu posten, sei eher unklug, und Presseaussendungen eins zu eins auszuspielen, nicht gerade spannend. „Fazit: Wenn wir dort nichts zu sagen haben, machen wir es auch nicht. Das war eine sehr bewusste Entscheidung“, so Rauchwarter. Auch Organisationen, in denen jeder Tweet und jedes Posting langwierig abgesegnet werden müssten, sollten die Finger von Social Media lassen.

 

Im Tourismus sei das diesbezügliche Engagement noch sehr unterschiedlich. „Das reicht von der traditionellen Buchung per Telefon bis zu Facebook und Instagram“, sagte Christina Brandstätter, die den Bereich Marketing & PR beim Seehotel Jägerwirt leitet. „Wir selbst versuchen durch kreative Ansätze zu punkten – beispielsweise ‘Behind the Scenes‘-Beiträge.“ Wichtig sei auch authentisch zu kommunizieren, also auf das Schönzeichnen von Fotos zu verzichten, und Bewertungen auf Internet-Portalen ernst zu nehmen.

Nicht auf eigene Kanäle vergessen

 

Auf die Bedeutung von eigenen Kanälen wie Website, App oder Blog wies Georg Holzer, (Mit-) Gründer des Start-ups xamoom, das Infrastruktur für ortsbezogene Handydienste anbietet, hin. „Eine eigene Plattform ist enorm wichtig. Ich würde nie eine Social Media-Strategie nur auf externen Plattformen aufbauen. Das ist wie ein Haus auf einem gemieteten Grundstück“, so Holzer. Er sieht in Apps großes Potenzial für die Kommunikation, das bisher nicht ausreichend genutzt werde.

 

„Die Digitalisierung ist gekommen, um zu bleiben. Also muss man sich damit auseinandersetzen, die Möglichkeiten hinterfragen und sich gegebenenfalls Hilfe von Profis holen“, resümierte Rauchwarter. Und Agentur-Chef Kürner empfiehlt: „Anschauen und ausprobieren, denn die Entwicklung ist rasant. Und nichts tun, was man nicht auch im ‘echten Leben‘ machen würde.“

 

Der „DigitalDialog" ist eine von der Steirischen Wirtschaftsförderung (SFG), APA - Austria Presse Agentur, evolaris, Campus02, Infonova, Kleine Zeitung und IBC Graz organisierte Veranstaltungsreihe (www.digitaldialog.biz), die sich den neuesten digitalen Trends, Technologien und Applikationen widmet. Die nächste Veranstaltung in dieser Reihe findet am 26. April statt.

APA - Austria Presse Agentur

 





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