20. Februar 1944 - Erster Luftangriff auf Junkers Flugzeugwerke Bernburg

Gleich am ersten Tag der Operation: "Argument" auf speziell ausgewählte Ziele der deutschen Rüstungsindustrie bombardierten die alliierten Luftstreitkräfte Bernburg. Der erste Luftangriff forderte 17 Tote und 48 Verletzte. Am 11. April 1944 erfolgten Luftangriffe auf den Güterbahnhof Bernburg, wobei der Friedhof verwüstet wurde.


Unter dem Code: Operation Argument schlugen erstmals am 20. Februar 1944 die alliierten Luftstreitkräfte Luftangriffe auf speziell ausgewählte Ziele der deutschen Rüstungsindustrie. Der 20. Februar 1944, ein Sonntag, wurde wegen der prognostizierten günstigen Großwetterlage als Startdatum gewählt. 1.003 schwere US-Bomber vom Typ B-17 und B-24, geschützt von Hunderten Begleitjägern (hauptsächlich P-51 Mustang) flogen gegen zwölf Ziele in Deutschland. Gleich am ersten Tag griffen die Bomber und Jagdflugzeuge zunächst Flugzeugfabriken und Eisenbahnanlagen in Bernburg, Braunschweig, Oschersleben, Helmstedt, Halberstadt oder Leipzig an.

 

Die Einsätze vom 20. Februar 1944 waren die bis dahin größte strategische Angriffsoperation der USAAF in Europa gewesen. Auch am 22. Februar wurden 289 B-17 Bomber gegen Ziele der Luftfahrtindustrie geschickt. Dabei wurden die Junkers-Werke in Aschersleben mit 34 Maschinen, Bernburg-Strenzfeld mit 47 Flugzeuge und Halberstadt mit 18 Maschinen bombardiert.

 

Am 20. Februar 1944 fand der erste Luftangriff auf Bernburg statt

Amerikaner und Briten beabsichtigten, die deutsche Luftwaffe planmäßig durch Zerstörung der Flugzeugwerke und durch eine Abnutzungsschlacht gegen die Jagdflugzeuge zu vernichten. Bernburg war zu dieser Zeit eine bedeutende Flugzeug-Produktionsstätte der Ju. Beim ersten Angriff vom 20. Februar 1944 betrug die Zahl der Toten 17, der verletzten 48. Bei weiteren Luftangriffen auf die Junkers Flugzeugwerke in Bernburg-Strenzfeld erfolgten am 22. Februar, 11. April, 29. Juni und 07. Juli 1944. Diese führten zwar zu erheblichen materiellen Schäden an den Gebäuden und der Infrastruktur, die Flugzeugproduktion erreichte in den Folgemonaten jedoch Rekordwerte.

 

Schwere Angriffswelle auf Güterbahnhof Bernburg - Friedhof verwüstet

Am 11. April 1944 erfolgte schließlich ein Luftangriff in zwei Wellen auf den Güterbahnhof Bernburg mit seinen zahlreichen Gleisen und Baulichkeiten zwischen der Eisenbahn - Fußgängerbrücke in der Parkstraße und dem Empfangsgebäude des Bahnhofs. Grund war den begonnenen militärischen Aufmarsch deutscher Truppen in Richtung Harz zu stoppen. In der Höhe von Martin- bis Neue Straße wurden sämtliche Haupt- und Nebengeleise zerstört, und insbesondere auch das Bahnbetriebswerk mit seine Lokomotiven, Werkstätten, der wichtigen Drehscheibe, der Wasserversorgung und der Bekohlung restlos außer Betrieb gesetzt. Auch der Friedhof II wurde 10:20 Uhr von der ersten Welle und 11:40 Uhr von der etwa 300 m weiter östlich anfliegenden zweiten Welle aufs schwerste getroffen.

 

Tote und Verletzte

Die Zahl der Toten einschließlich derer, die an einer schweren Verletzung in den nächsten Tagen der Luftangriffe auf Bernburg verstorben waren, wurden im ganzen 91 gezählt. An den zerstörten Gebäuden mit ihren toten, Verwundeten und vermissten konnte die Bernburger Bevölkerung zum ersten Mal die Auswirkungen eines Bombenangriffes erleben.

 

Der Schulbetrieb im Luftschutzkeller

Auch größere Störungen des Schulbetriebes brachte der Krieg mit sich. Vielerlei Kriegseinwirkungen - Lehrerknappheit in Folge der Einziehungen in den Heeresdienst, Raum- und Rohstoffmangel, Luftalarm und Belastung der Schule mit schulfremden Aufgaben führten, je länger, je mehr zu einer großen Beeinträchtigung des Unterrichts und zu einer Verminderung der Leistungen. Die Schülerzahl stieg infolge der Evakuierungen aus den Großstädten enorm, aber die Zahl der Lehrer verringerte sich ständig, immer mehr wurden eingezogen oder nach Landorten abgeordnet. 1944 wurden viele Schulgebäude schließlich Lazarett. Infolge der immer häufiger werdenden Luftalarme mussten währen der Schulzeit die Luftschutzkeller aufgesucht werden, zuletzt in der Schlossbrauerei in der langen Straße.

 

Die Junkers Flugzeugwerke Bernburg - Strenzfeld

Insgesamt wurden in Bernburg von 10/1937 bis 04/1945 in Bernburg 9.775 Flugzeuge gebaut. Noch im Januar 1945 wurde die Produktion von so genannten Mistelgespannen aufgenommen. Diese waren fliegende Bomben, welche aus Zusammenbauten von Ju 88 als Bombe und FW 190 als Führungsflugzeug entstanden. Dabei wurde in Bernburg das Aufsetzten eines Bombenflugzeug auf ein Trägerflugzeug erstmals umgesetzt und realisiert. Im März 1945 wurde dann auch noch die Produktion der He 162 (Volksjäger) in Bernburg aufgenommen. Mehr als 1.000 Flugzeuge wurden in Bernburg pro Jahr gebaut und eingeflogen.

 

Mehr dazu erfahren Sie ab April in unserer Reihe: Die letzten Kriegstage in Bernburg und die Inbesitznahme der Stadt Bernburg durch die Amerikaner am 16. April 1945.

 

Geschichtliche Aufarbeitung

Diese historischen Zeitdokumente dienen lediglich der staatsbürgerlichen Aufklärung und der geschichtlichen Aufarbeitung regionaler Stadtgeschichte. Die Aufarbeitung der Zeitdokumente stellen keine Verherrlichung von Kriegsereignissen bzw. eine Verherrlichung des Nationalsozialismus sowie links- und rechtsextremen Gedankengut dar. BBGLIVE distanziert sich hiermit ausdrücklich von jeglichen rechts- bzw. linksextremen Sichtweisen, die Aufarbeitung dieser Zeitdokumente ist eindeutig geschichtshistorisch einzuordnen und sollte ausschließlich Forschungszwecken dienen!

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