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Altlast in Egeln: Schutz der Gesundheit der Bevölkerung steht an erster Stelle

Toxische Belastung an der Ehle festgestellt – Salzlandkreis und Umweltministerium veranlassen erste Maßnahmen


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Gestern wurden die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Egeln und der Ortsteile Westeregeln und Tarthun über die Ergebnisse eines Berichtes zur toxikologischen Untersuchung der Ehle und ihrer Uferbereiche und das weitere Vorgehen der Behörden informiert.

 

„Wir nehmen die eingegangenen Informationen sehr ernst und brauchen schnellstens Klarheit.“ Landrat Markus Bauer wendet sich an die Bevölkerung der betroffenen Orte und kündigt weitere Untersuchungen und Maßnahmen an: „Um die Schadenslage einzuschätzen und daraus wirksame Entscheidungen abzuleiten, brauchen wir verlässliche Werte. An oberster Stelle steht das Wohl der Bevölkerung“, äußert sich der Landrat in einer ersten Stellungnahme.

 

Demnach soll bereits morgen die Außenanlage und später auch die Innenraumluft des Kindergartens „Bördespatzen“ – ganz in der Nähe der Ehle – untersucht werden. Zudem soll es ein beschränktes Betretungsverbot im Bereich der Ortslage entlang des Flusses geben. Die Beschilderung der Uferzonen sowie ein Angelverbot sind ebenso angedacht. Bis zur Umsetzung werden Empfehlungen ausgesprochen. Die Beprobung der örtlichen Brunnen und der Wasserentnahmestellen ist ebenfalls Teil des Maßnahmenplans.

 

Der Landrat wird in fünf Themengruppen dazu gezielt informieren. Für Eltern der Kinder, die die Kita besuchen, gibt es bereits einen Termin am 30.01.2018, um 17 Uhr, in der Kita. Ein Treffen mit Landwirten ist für die

5. Kalenderwoche anberaumt. Anlieger erhalten eine Einladung zum Gespräch in der 6. Kalenderwoche. Auch die Grundstückseigentümer werden zeitnah angeschrieben. Angler erhalten Informationen von der Fischereibehörde.

 

Im Hintergrund läuft derzeit die Erhebung der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Auch individuelle Tierhaltungen und die Klärung derer Futtergrundlage ist im Blick des zuständigen Fachdienstes im Salzlandkreis. Danach erfolgt eine Risikobewertung für Flächen, in denen Futtermittel von anliegenden Betrieben eingesetzt werden. Mit ersten Aussagen ist in vier Wochen zu rechnen.

 

Umweltstaatssekretär Klaus Rehda sagte: „Der Schutz der Gesundheit der Bürgerinnen und Bürger steht an erster Stelle. Sofort nachdem wir von den gemessenen PCB- und PCN-Werten entlang der Ehle durch den Gutachter in Kenntnis gesetzt wurden, haben wir alle zuständigen Behörden informiert. Die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung wurden koordiniert und sind bereits angelaufen. Vorsorglich empfehlen wir beispielsweise, Kinder nicht mehr am Uferbereich der Ehle spielen zu lassen, Wasser aus Brunnen so lange nicht zu benutzen, bis das Wasser überprüft wurde, und den Boden 10m vom Ufer entfernt nicht zu bearbeiten.“

 

Bis alle weiteren Untersuchungen abgeschlossen sind, gibt das Umweltministerium folgende Verhaltensempfehlungen zum Schutz der Gesundheit. Diese Hinweise entsprechen den Empfehlungen des Gutachters:

 

  • Bodenbearbeitung und der Anbau von Nutzpflanzen sollte im Abstand von 0 bis 10m zur Ehle unterbleiben.
  • Ob eine Bewirtschaftung der Flächen im Abstand von 10m- 50m möglich ist, bleibt der Bodenuntersuchung vorbehalten.
  • Kinder sollten bis auf Weiteres weder am Ufer noch im Bach spielen.
  • Das Wasser der Ehle sollte bis auf Weiteres nicht zur Bewässerung oder zu anderen Zwecken genutzt werden.
  • Private und gewerbliche Brunnen sollten bis zum Abschluss der Untersuchung nicht genutzt werden.
  • Fische aus Ehle sollten bis auf Weiteres nicht verzehrt werden.

 

„Nachdem ich in der letzten Woche über die Ergebnisse des Gutachtens informiert wurde, stand die sofortige Information der Bevölkerung für mich an erster Stelle. Jetzt gilt es, durch weitere Untersuchungen Klarheit zu schaffen. Bis diese Klarheit über das tatsächliche Ausmaß der Belastung umliegender Flächen geschaffen ist, sollten unbedingt die erteilten Handlungsempfehlungen eingehalten werden. Ziel muss es sein, die Belastung der Anwohner durch geeignete Maßnahmen zu verringern. Die handelnden Behörden stimmen sich dazu ab und werden die Bevölkerung aktuell weiter informieren“, ergänzte Michael Stöhr, der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Egelner Mulde.

 

Die Landesanstalt für Altlastenfreistellung, die dem Umweltministerium untersteht, wird in Abstimmung mit dem Landkreis umfassende Prüfungen in Auftrag geben. Es sind folgende Untersuchungsschritte geplant:

 

1. Mit oberster Priorität werden Bodenuntersuchungen der möglicherweise betroffenen Hausgärten und öffentlichen Einrichtungen (Kindergarten) durchgeführt. Im Anschluss folgen Untersuchungen von Garten- und Hauswasserbrunnen.

 

2. In einer zweiten Stufe erfolgt die Beprobung der Acker- und Grünlandflächen zur Abgrenzung der Bodenbelastung durch PCB.

 

3. Darauffolgend werden die weiteren, möglichen Wirkungspfade (u.a. Staubverwehung) geprüft.

 

4. Nach Abschluss der Untersuchungen folgt die Umsetzung der „Maßnahme der Wasserrahmenrichtlinie zur Entschlammung der Ehle“. Diese erfolgt als gemeinsame Maßnahme des Unterhaltungsverbands (Schaffung der ökologischen Durchgängigkeit und Sedimententnahme) und der Landesanstalt für Altlastenfreistellung (Entsorgung des schadstoffbelasteten Sediments).

 

Die prioritären Untersuchungen der ersten Stufe sind bereits in der Vorbereitung und erste Probenahmen erfolgen bereits am Freitag, weitere sollen Anfang Februar erfolgen. Die in den Stufen 2 bis 4 aufgeführten Punkte sind mittel- bis langfristig umzusetzen. Es wird mit der Planung umgehend begonnen.

 

Es wurde eine Informationsseite eingerichtet, die zu den häufigsten Fragen Antworten gibt. Sie wird laufen aktualisiert und ist seit heute online: https://laf.sachsen-anhalt.de/sonstiges/pcb-bei-egeln/

 

Für Fragen und Hinweise kann zu den Geschäftszeiten der Landkreis unter 03471 684-0 kontaktiert werden. Von dort aus werden alle Informationen an die zuständigen Behörden weitergeleitet.



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