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Die neue Wache für Retter des DRK in Bernburg

Die Baukosten betrugen knapp 2,1 Mio. Euro, finanziert von der Bank für Sozialwirtschaft in Magdeburg und 350.000 Euro Eigenmittel für die Hofsanierung.


Das alte Dienstgebäude wurde in den 80-igern gebaut, aus Platzgründen musste das Alte Gebäude abgerissen werden. Im August 2018 erfolgte de Vorstandsbeschluss für den Neubau. Im Januar 2019 begann der Abriss der alten Rettungsleitstelle. Ende Januar erfolgte die Baugenehmigung, sodass im April 2019 mit dem Neubau begonnen werden konnte. Ein echter Mehrwert für die Retter und bessere Arbeitsbedingungen.

 

Auf 950 qm finden sich Fahrzeug- und Waschhalle sowie in der oberen Etage ein großer Aufenthaltsraum, 8 Ruheräume für den 24 Dienst sowie Umkleide, Duschen, extra für weibliche Mitarbeiter sowie Räume für Notarzt. Das neue Gebäude wurde entsprechend laut Rettungsdienstbereichsplan und der entsprechenden Vorhaltung von Rettungsfahrzeugen von Architektenbüro Loewer und Partner mit Sitz in Darmstadt und Leipzig konzipiert. Der Neubau erfolgte durch ortsansässige Unternehmen in harmonischer Zusammenarbeit ohne Probleme.

 

Die Baukosten betrugen knapp 2,1 Mio. Euro, finanziert von der Bank für Sozialwirtschaft in Magdeburg und 350.000 Euro Eigenmittel für die Hofsanierung.

 

Binnen 12 Minuten am Einsatzort

 

Die Aufgabe des Rettungsdienstes ist es, binnen von 12 Minuten am Einsatzort zu sein, gefolgt vom Notarzt binnen 20 Minuten. Die Besatzung des Rettungsdienstes vor Ort transportiert den Patient anschließend ins nächstgelegene Krankenhaus mit der geeigneten Fachabteilung.

 

Wir haben mit Verena Benicke, Geschäftsführerin des DRK Salzlandkreis und Matthias Risch, Abteilungsleiter des Rettungsdienstes zu aktuellen Themen und über die Arbeit der Retter gesprochen.

 

"Die Wertschätzung von Bürgern gegenüber dem Rettungspersonal nimmt immer mehr ab. Auch die Aggressivität bei jüngeren Patienten durch Alkohol- und Drogenkonsum nimmt zu", erzählt Matthias Risch, Abteilungsleiter Rettungsdienst. Rettungssanitäter des DRK in Bernburg sind nun mit stichhemmenden Schutzwesten ausgestattet. Diese gehören seit letztes Jahr zur Schutzbekleidung. Wichtiger sind aber Grundregeln der Deeskalation und Deeskalationstraining für lösungsorientiertes Verhalten in schwierigen Situationen.

 

62 Mitarbeiter im Rettungsdienst

 

Rettungsdienst ist eine schwere Aufgabe, die Schicht geht von 07 - 07 Uhr, also 24 Stunden. Das gilt auch für die Notärzte, die vom Haus und der kassenärztlichen Vereinigung gestellt werden. Zum Rettungsdienst gehören Notfallsanitäter, Rettungsassistenten, Rettungssanitäter und drei Auszubildende zum Notfallsanitäter. Das Durchschnittsalter beträgt gerade einmal 42 Jahre. Auch 8 Frauen gehören zum Team, eine davon in Ausbildung.

 

Mann muss schon aufpassen, wenn man nicht genau das macht, was der Patient verlangt. Ab 01. April gilt eine neue Regelung zum Bettennachweis, das bedeutet, bei der Notfallrettung mit RTW generiert dieser einen Code, wobei ihm ein freies Bett zugewiesen wird, es sei denn, das Krankenhaus ist abgemeldet.

 

Die Anzahl der RTW des Rettungsdienstes DRK Bernburg ist im Rettungsdienstbereichsplan der Salzlandkreises geregelt. Dazu gehören die Außenstellen Könnern mit 1 RTW, Alsleben mit 1 RTW, Dröbel mit 2 RTW sowie Bernburg mit 2 RTW und einem Schwerlast-RTW.

 

Rund 11.000 Einsätze des Rettungsdienstes

 

Insgesamt wurde der Rettungsdienst des DRK Kreisverband Bernburg im letzten Jahr zu rund 11.000 Einsätzen gerufen. Im Salzlandkreis gingen im vergangenen Jahr insgesamt 89.041 Anrufe bei der Leitstelle des Salzlandkreises ein. Das waren vor allem 36.544 sonstige Bürgeranfragen, 29.883 Einsätze Rettungsdienst RTW, 10.185 Einsätze Rettungsdienst NEF, 6.299 Einätze Krankentransport, 3.985 Vermittlung der KV-Bereitschaft, 1.075 Hilfeleistungen/ Feuerwehreinsätze und 1.033 Brandeinsätze der Feuerwehr.

 

Vergabe des Rettungsdienstes

 

Die Herausforderung der nächsten 2 - 3 Jahre bezüglich Vergabe ist die Fortführung der Konzession für weitere 8 Jahre zu bekommen. "Wir müssen bis 2023 mit vernünftigen Ergebnissen planen", so Verena Benicke, Geschäftsführerin des DRK-Kreisverband Bernburg. Dann erfolgt die europaweite Ausschreibung. Auf die Lose müssen wir uns bewerben. Theoretisch könnte dann auch ein Unternehmen aus Dänemark oder der Schweiz den Rettungsdienst in Bernburg übernehmen.

 

Neben dem Rettungsdienst betreut das DRK Bernburg 170 Patienten in Heimen, 70 Wohnungen ambulant und insgesamt 300 Patienten in Nienburg und Bernburg. Dazu gehören 3 Pflegeheime, 1 Wohngruppe, 2 altengerechte Wohnanlagen und die Sozialstation.

 

Änderung der Ausbildung zum Rettungsassistent

 

Die Ausbildung zum Rettungsassistent galt bisher als Fachkraft (höchstqualifiziert), diese wird abgelöst durch den Notfallsanitäter, der seit 2015 seine Berechtigung hat.

 

Dieser fällt ab 2027 automatisch in den Sanitäterstatus. Bis 2027 muss der Rettungsdienst das Potenzial an Notfallsanitäter vorhalten, weil der Rettungsassistent dann nicht mehr als Sanitäter gewertet wird.

 

Pflegepersonal auch aus Bosnien und Vietnam

 

Die Betreuung erfolgt durch 275 Mitarbeiter, Rettungsdienst in Vollzeit und Pflegedienst 6 - 7 Stunden, wobei die Pflege die meiste Zeit in Anspruch nimmt. Die Personalsituation ist nicht gerade berauschend, so die Geschäftsführerin. Doch wir haben Auszubildende aus Bosnien in der Pflege. In Zusammenarbeit mit der Sky-Academy in Dessau und Schule in Sangerhausen kommen zum 01.08.2020 weitere Pflegekräfte aus Vietnam und China dazu, die aber schon länger in Deutschkursen stecken, um die Sprachbarriere zwischen Patienten und Pfleger abzubauen.

 

Wir finden auf dem deutschen Markt keine Fach- oder Pflegekräfte. Grund dafür ist unzureichende Anerkennung in der Vergangenheit, auch wenn sich die tarifliche Situation verbessert hat.




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