Geschichte der Friederikenschule Bernburg Teil 1

Die Anfänge liegen im Jahre 1810, als der Pastor der Altstädter Gemeinde beim Bernburger Konsistorium wegen Beschaffung einer besseren Erziehungsanstalt für Mädchen vorstellig wurde.


Am 17. September 1942 feierte die damalige Friederikenschule, Oberschule für Mädchen, hauswirtschaftliche Form, die 100- Jahr- Feier der Schule, aber in Wirklichkeit reichen die Anfänge der Anstalt viel weiter zurück. An diesem 17. September 1842 bekam die Schule lediglich von der damaligen Herzogin Friederike von Anhalt- Bernburg den Namen "Friederikenschule" verliehen. Es ist nicht ohne Reiz, in den alten Akten zu blättern und die Entwicklung der Schule zu verfolgen. Ihre ersten Anfänge liegen im Jahre 1810, also in einer Zeit der tiefen Erniedrigung unseres Vaterlandes.

 

Aber die führenden Geister der Zeit erwarteten Aufschwung der Nation und Erhebung gegen den Korsen mit von der Erziehung der Jugend, und so fand gerade damals das Schulwesen lebhafte Förderung, sowohl was Volksschulen als auch was höhere Schulen anbetrifft. In Zerbst gab Vater Franz, der damalige Herzog von Anhalt- Dessau, der 1806 eingerichteten höheren Mädchenschule im Jahre 1810 ihr neues, schönes Heim, und diese Anstalt erfreute sich weiterhin großen Ansehens. In Bernburg bestand damals eine solche Schule noch nicht, aber im Jahre 1810 wurde der Konsistorialassistent Meister, der Pastor der Altstädter Gemeinde, bei dem Bernburger Konsistorium wegen Beschaffung einer besseren Erziehungsanstalt für Mädchen vorstellig und wies dabei auf die Zerbster Anstalt hin. Es wurde aber damals nur erreicht, das auf die Altstädter Mädchenschule eine oberste Klasse aufgesetzt wurde.

 

Ich lasse hier die " Mitteilung an das Publikum ", die Meister am 24. Juli 1810 veröffentlichte, im Wortlaut folgen: Vorläufige Nachricht an das Publikum über die veränderte Einrichtung der Altstädter Mädchenschule. Es gereicht dem Unterzeichneten zu nicht geringer Freude, das hiesige Publikum, das für den öffentlichen Unterricht überhaupt sich interessiert, und insbesondere diejenigen Väter und Mütter der gebildeten Stände, denen eine umfassendere und zweckmäßigere Unterrichtung und Bildung ihrer heranwachsenden Töchter am Herzen liegt, von denjenigen vorläufig benachrichtigen zu können, was durch Ausbesserung und Erweiterung der hiesigen Altstädter Mädchenschule zur Erfüllung ihrer gerechten Wünsche und zur Befriedigung eines längst und allgemein gefühlten Bedürfnisses geschehen ist.

 

So wünschenswürdig auch die Errichtung einer allgemeinen Bildungsanstalt ist, welche an Umfang des Zwecks und der Wirksamkeit für die weibliche Jugend unseres Landes das wäre und leistete, was die hiesige Hauptschule für die Söhne des Landes ist und leistet, so wenig die Hoffnung, eine solche Anstalt, die sich den Ähnlichen in näherer Nachbarschaft mit Ehren zur Seite stellen könnte, unter uns aufblühen zu sehen, aufgegeben werden darf, so vernünftig und notwendig ist es doch, nicht mehr zu wollen, als die Zeitumstände... gestalten, und das Nützliche lieber in einem mäßigerem Umfange, aber mit zu bewirken, als das Größere bei einem ungewissen Erfolg zu wagen.

 

Auf diese Betrachtung haben sich die Vorschläge gegründet, welche bei Herzoglichen Consistorio zur Verbesserung der Altstädter Mädchenschule eingereicht, geprüft und von Sr. Herzogl. Durchlaucht genehmigt und in der Ausführung mit landesväterlicher Großmut unterstützt worden sind. Demzufolge wird nach Ablauf der gegenwärtigen Hundstagsferien in dem vormaligen Wachter'schen Hause in der Neustadt eine neue Klasse der gedachten Schule eröffnet werden, welche zwar in Ansehung der Inspektion mit derselben verbunden bleibt, in jeder anderen Hinsicht aber eine besondere, für sich bestehende Anstalt ausmacht, und für denjenigen Teil der weiblichen Jugend aus den gebildeten Ständen bestimmt ist, welcher eine umfassendere und vollständigere, den Fortschritten und Bedürfnissen der Zeit angemessenere Bildung, als den Umständen nach in der vorhandenen Mädchenschule erteilt werden kann, erhalten soll.

 

Die Aufnahme und Anzahl der Schülerinnen dieser neuen Klasse ist nur durch das Alter und die Kenntnisse bedingt. Die Aufzunehmenden müssen 12 Jahre alt sein, und sich wenigstens diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten im Lesen, Schreiben, Rechnen, der Naturkunde, Sprachlehre und Geographie usw. erworben haben, welche in den beiden letzten Jahren des Besuches der hiesigen Mädchenschule vorausgesetzt werden. Möglichste Gleichförmigkeit des Alters und vorzüglich der Kenntnisse der Schülerinnen ist durchaus notwendig und für die größere Nützlichkeit des Unterricht höchst wichtig.

 

Die Gegenstände des Unterrichts sind teils dieselben, welche schon bisher gelehrt wurden, werden aber umfassender, vollständiger, gründlicher zu einem sicherliegenden Ziele fortgeführt, vorgetragen werden. (Dazu gehören lesen, Geographie, Naturlehre und Naturbeschreibung), teils werden sie mit Neuem vermehrt, indem auch die französische Sprache, Mythologie, Erklärung deutscher Geschichte, Rezitationsübungen, Zeichnen und Singen unter dieselben aufgenommen werden.

 

Als Lehrerin und unmittelbare Aufseherin der neuen Anstalt ist von S.H.D. die Demoiselle Wilhelmine Thilo aus Halberstadt gnädigst bestätigt worden, welche dem Publikum zwar noch unbekannt ist, gewiss aber durch geschickte und treue Verwaltung ihres Amtes die in ihrer Person getroffene Wahl, das Vertrauen, womit die Väter und Mütter Bernburgs ihr entgegen kommen mögen, und den wohl begründeten Ruf rechtfertigen wird, den sie als Vorsteherin einer Erziehungsanstalt für die weibliche Jugend in Ellrich und vorzüglich in Halberstadt während eines Zeitraums von 10 Jahren sich erworben hat.

 

Außer mehreren Unterrichtsstunden im Lesen, in der deutschen Sprache, in der Bildung des Stils, im Zeichnen ist ihr vorzüglich die nähere Aufsicht über die Schülerinnen der Klasse auch während der von anderen Lehrern erteilten Unterrichtsstunden anvertraut, und ihr dadurch mannigfache Gelegenheit dargeboten, durch sorgfältige Beobachtung ihrer Schülerinnen nach ihren intellektuellen und sittlichen Anlagen und Bedürfnissen näher kennen zu lernen, und auf ihr Gemüt und auf ihre Bildung zu echter Weiblichkeit ernsthaft zu wirken...

 

Denjenigen Unterricht, welcher nicht von der Lehrerin gegeben wird, haben die Herren Oberprediger Günther, Prof. Herzog, Cand. West, Cand Günther, Weise und der Unterschriebene übernommen. Die Schulstunden sind vorläufig für den Sommer von 7 - 11 des Morgens festgesetzt. Das Schulgeld beträgt vierteljährlich für jede Schülerin zwei Taler und außerdem 4 Groschen Heiz- und Dintegeld. Beides wird von den Schülerinnen am Ende des Viertel Jahres an die Lehrerin berichtigt. Was die übrigen Einrichtungen in der neuen Anstalt, die Lehrmethode bei den verschiedenen Gegenständen des Unterrichts, die Mittel zur Erweckung des Fleißes in und außer der Schule, zur sittlichen Bildung und Veredlung des Charakters, die öffentlichen und besonderen Prüfungen usw. betrifft, so behalte ich es mir vor, darüber nach einiger Zeit, bei sich darbietender Gelegenheit, mich dem Publikum ausführlich mitzuteilen.

 

In der gerechten und wohlbegründeten Erwartung, das sich diese Anstalt durch das, was sie leisten wird, selbst an besten empfehlen wird, erachte ich es für überflüssig, weiter zu ihrer Empfehlung etwas hinzuzusetzen. Nur die Bitte findet statt, nicht sogleich von einer Anstalt etwas Vollkommenes und Fehlerfreies zu fordern, die erst im Werden ist und ihrer Natur nach erst im Fortgangs, durch die dauernde Unterstützung und Teilnahme des Publikums sich zu einem Grade von Vollkommenheit erheben kann. Möge ihr diese Teilnahme und Unterstützung stets so gewiß sein, als das Bestreben der Lehrer sein wird, sie derselben würdig zu machen.

 

Diese neu eingerichtete oberste Klasse der Mädchenschule in der Altstadt wurde untergebracht in dem Hause Breitestraße Nr. 88, einem für die damalige Zeit verhältnismäßig stattlichen Privathaus. Die Leitung aber lag nur ein Jahr lang in den Händen der oben angekündigten Mademoiselle Thilo. Schon im Jahre 1811 tritt an ihrer Stelle die Witwe des Gendarmerie- Quartiermeisters Stamm, Madame Stamm, wie sie in den alten Akten genannt wird, und die bis zum 1.Januar 1860 Vorsteherin der Schule bleibt. Den wissenschaftlichen Unterricht erteilten vor allem Geistliche, außerdem Lehrer des Gymnasiums und andere Männer in selbstloser Weise, aber alles wurde regelmäßig überwacht von Madame Stamm.

 

Sie erteilte im Sommer täglich nachmittags von 3 - 6 den Unterricht in " allen feineren weiblichen Arbeiten" und hatte außerdem die Pflicht, wie später auch die anderen Handarbeitslehrerinnen, während der wissenschaftlichen Unterrichtsstunden " behufs einer speziellen Beaufsichtigung der Schülerinnen " zugeben zu sein. Sie hatte außerdem für die äußeren Bedürfnisse der schule zu sorgen; so mußte sie z.B. auf ihre Kosten die Deputatklafter Eichenholz spalten lassen, für Reinigung des Schullokals und Schulofens sorgen, auch die nötige Tinte und Kreide anschaffen und erhielt dafür eine Belohnung von jährlich baren 14 Reichsthalern.

 

Reichte das Schulholz nicht zu, so heizte Madame Stamm von ihren eigenen Holze und hat dann lange Jahre hindurch oft selbst frieren müssen, worüber sie sich endlich im Jahre 1841 in einer rührenden Eingabe an die Schulinspektion bitterlich beklagte. Die Lehrenden, die kein oder nur sehr geringes Entgelt bezogen, waren hervorragende Männer, aber die Trägerin des Ganzen war doch Madame Stamm. 50 Jahre später, als diese Frau ihre müden Hände sinken ließ, konnte der erste Direktor der Friederikenschule, Daude, sagen, sie sei es gewesen, die durch ihre Gewissenhaftigkeit und Treue die Schule zum Emporblühen gebracht habe. In dieser einfachen Form bestand die Schule, genau genommen die Klasse, 30 Jahre lang.

 

Aus dieser Zeit stammt ein Brief des damaligen Inspektors der Töchterschule, Schlatter, an seinen Sohn. Er lautet:

 

Lieber Sohn!

 

Wegen des mir gestern abend mitgeteilten schlechten Schulbesuche habe ich heute früh das Nötige verfügt, und werden die Kinder zur Schule geführt und die Eltern bei den betreffenden Behörden angezeigt werden. Mithin ist diese Sache erledigt. Ferner werden die Schulkinder nicht mehr bei Tanzgelagen auf dem Neustädter Keller usw. zugelassen werden; also auch diese Sache ist als erledigt zu betrachten. Nun komme ich aber mit einer Angelegenheit: Könntest Du nicht bewirken, daß die beiden Kastanienbäume vor der höheren Töchterschule wegkommen können? Die Nachbarn beklagen sich darüber, daß die Knaben, indem sie nach den Kastanien mit Steinen würfen ihre Fenster mit berührten; sind diese beiden Bäume weg, so sollten die anderen bei den Brücken auch wegkommen.

 

Nun gute Nacht, mein teurer Karl, Deine Frau und Kind, sowie den Fritz küsse ich herzlich und bleibe stets Dein treuer Vater

 

Bernburg, den 5. Oct. 1833 Schlatter

 

Man könnte diesen Brief überschreiben: Ewige Jugend: Konsistorialassessor Meister behielt das Inspektorat bis 1830; ihm folgte Pastor Günther 1830 - 34; diesem Pastor Schlatter 1834 - 44. Die Schülerzahl stieg von 12 (1829) auf 25 (1833) und fiel wieder auf 19 (1834). Der Unterricht lag im Sommerhalbjahr von 7 - 11 und 3 - 6; im Winterhalbjahr von 8 - 11 und auch etwa am Nachmittag.

 

Der Lehrplan von 1835 war folgender:

 

2 Religion 3 Französisch 1 Naturkunde

2 Deutsch 2 Geschichte 2 Rechnen

3 Lesen 1 Mythologie 1 Zeichnen

1 Orthographie 2 Geographie 2 Singen

2 Schönschreiben zus. 24 Stunden

Dazu 4 weibliche Handarbeiten mittwochs und sonnabends 1 - 3

 

Die Schulen des Landes Bernburg bestanden damals, abgesehen von Stiftungsschulen und Privatschulen, aus 2 Arten von Schulen, nämlich " Herzogliche Schulen" und öffentliche Schulen". Von der ersten Art gab es im ganzen Lande Bernburg nur eine einzige, das Herzogliche Gymnasium, früher Hauptschule genannt. Die sämtlichen Einnahmen der Schule waren an die Staatskasse abzuführen, und aus dieser wurden dann sämtliche Gehälter der Lehrer gezahlt; ebenso wurde der Gesamte Realaufwand aus der Staatskasse bestritten. Ganz anders verhielt es sich mit der zweiten Art von Schulen, den sog. " öffentlichen Schulen". Zwar standen auch sie, wie das Hzgl. Gymnasium, unter der Oberaufsicht des Herzoglichen Consistoriums, welches zugleich die oberste Schulbehörde war, und es wurden auch ihre Lehrer und Lehrerinnen vom Herzog ernannt, der auch ihre Gehälter und etwaige Zulagen bestimmte; das hierzu erforderliche Geld jedoch hatten die schulen durch Schulgeld aufzubringen, das in die von der Schule selbst verwaltete Schulkasse floß, aus der der gesamte Personal- und Realaufwand bestritten wurde.

 

Zwar leistete der Staat auch Zuschüsse; jedoch war er dazu in keiner Weise verpflichtet, und sie waren im allgemeinen so knapp bemessen, daß sie meist nicht nur Bestreitung der allernotwendigsten Bedürfnisse hinreichten. War nun Hochflut in der Schulklasse- ein höchst selten eintretender Ausnahmezustand- dann war der Schule auch wohl möglich, sich den Luxus der Beschaffung der nötigsten Unterrichtsmittel zu gestatten; auch konnten die Gehälter gezahlt und Gehaltszulagen gewährt werden. Im anderen Falle - und das war der normale Zustand der Schulklasse - konnten sich die Bittsteller die Finger wundschreiben, es half ihnen alles nichts.

 

Außer den regelmäßigen Zuschüssen, die anfangs 100rtl, später 200rtl betrugen. gewährte die Staatskasse in sehr zwingenden Fällen aus dem sog. mons pietatis auch wohl ab und zu einen Vorschuß, über den aber von der Schulinspektion ein regelrechter Schuldschein auszustellen war, und der binnen kürzester Frist, sobald Geld in der Schulkasse war, zurückgezahlt werden mußte. Zur besseren Beleuchtung dieses ziemlich trostlosen Zustandes will ich nur eine Consistorialverfügung aus jener Zeit mitteilen. Die Kasse unser höheren Töchterschule befand sich im Jahre in der allertraurigsten Verfassung; sie war nicht in der Lage, die regelmäßigen Vierteljahresgehälter an die Lehrer auszuzahlen. In ihrer großen Bedrängnis wandte sich die Inspektion an das Herzogl.

 

Consistorium um einen Vorschuß von 200rtl und erhielt darauf folgenden Bescheid: Auf das Gesuch vom 10. Januar d. j. um 200rtl Vorschuß werden der Inspektion der Friederikenschule ( wie sie wunderbarerweise hier schon genannt wird) Einhundert Thaler Courant aus dem Mons pietatis, welcher jetzt nicht mehr zu leisten vermag, mit der Anweisung zugefertigt, davon die vierteljährlichen Gehälter teilweise zu zahlen und übrigens die Gehaltsempfänger zur Geduld, bis die Schulgelder eingegangen sind, zu verweisen, einen bündigen Schuldschein über die als Vorschuß erhaltenen 100rtl bald einzusenden und dahin Veranstaltung zu treffen, daß die Schulgelder künftig pünktlicher zu den bestimmten Terminen eingeben.

 

Herzogl. Anh. Consist. gez. Walther

 

Jeder Zusatz ist überflüssig. Die sog. öffentlichen Schulen standen noch in dem Verhältnis der alten Kirchenschulen und waren den ersten Geistlichen des Kirchensprengels, zu dem gehörten, unterstellt. Sie wurden deshalb auch Parochialschulen genannt. Auch unsere h.T., die nach ihrer Entstehung und Organisation nur eine Aufbauklasse auf die Altstädter Mädchenschule war, gehörte zu den Parochialschulen und unterstand, da sie sich im Jahre 1842 teils in der Breitenstraße, teils im Marienkirchhof (heute Altstädter Kirchhof) befand, dem zweiten Geistlichen des Altstädter Kirchensprengels, dem derzeitigen Pastor Schlatter als ihrem Schulinspektor. Dieses Inspektionsverhältnis blieb auch später noch, als die Schule nach der Bergstadt übersiedelte, noch bestehen, jedoch unter der Oberaufsicht des ersten Bergstädter Geistlichen, des damaligen Superintendenten Walther.

 

Erst im Januar 1845, nach dem im Oktober 1844 erfolgten Tode des Schulinspektors Schlatter erhielt die Schule in der Person des Oberlehrers Daude, der selbst auch ursprünglich Theologe war, einen eigenen Direktor; doch wurde das Verhältnis des ersten Parochialgeistlichen zur Schule dadurch nicht geändert.

 

Werfen wir noch einen Blick auf die äußere und innere Gestaltung unserer Schule um 1812. Bis zum Ende des Jahres 1841 bestand die Schule nur aus einer einzigen Klasse mit  einem einzigen Hauptlehrer, dem Dr. Zeising, und zu Zeiten waren 4 - 5 Jahrgänge gleichzeitig zu besorgen. Dr. Zeising hatte Unterricht zu erteilen im Deutschen, in der Geschichte, Geographie und Mythologie, im Kopf- und Tafelrechnen und im Schönschreiben. Er bezog dafür ein Gehalt von Thalern jährlich. Im Laufe des Jahres 1841 wuchs die Zahl der Schülerinnen von 13 auf 36, und deshalb wurde eine Teilung in zwei Klassen vorgenommen. Als die Schülerinnenzahl rasch noch  weiter bis auf 53 anwuchs, wurde zu Anfang des Jahres 1842 noch eine dritte Klasse eingerichtet, und da Dr. Zeising inzwischen ausschließlich für das Gymnasium reklamiert worden war, so wurden für die 1. Klasse Candidat Daude, für die 2. Klasse Candid. Hartung und für die 3. Klasse Schulamtscand.

 

Heinrich Fischer angestellt, von denen die beiden erstgenannten, nachdem die Schule zur" Friederikenschule" geworden war, am 27.9.42 den Amtstitel Oberlehrer erhielten. Überaus schwierig war die Unterbringung der beiden neuen Schulklassen. Da nichts anderes zu bekommen war, so wurden die beiden oberen Klassen der h. T. mit in das auf dem Marienkirchhof befindliche alte Gymnasium verlegt. In die Räume der Gymnasialprima und Sekunda rückten nun die Schülerinnen der H.T. ein. Wegen der "Feuergefährlichkeit" wurden die zu den Gymnasialklassen führenden Türen zugemauert, außerdem mittels eines hohen Bretterzauns ein eigener kleiner Schulhof im Gymnasialschulhof hergerichtet. Die 3. Klasse blieb im alten Hause. Einmal im Monat kamen alle Schülerinnen in der Töchterschulprima zusammen, wo ihnen dann außer der Erteilung von Zensuren auch ihre Zugehörigkeit zu einer Schule zumVerständnis gebracht wurde.

 

Die unglücklichen Schullokalverhältnisse veranlaßten die Schulinspektion zu energischen Vorgehen. Sie wurde beim Konsistorium um Beschaffung eines eigenen größeren Schulhauses vorstellig, zumal die immer mehr zunehmende Schülerinnenzahl die Einrichtung einer 4. Klasse notwendig machte. In dieser Zeit beabsichtigten die Bley'schen Erben ihr in der Langen Straße (damals Gasse) Nr. 38 belegenes, später der Loge gehöriges Hausgrundstück zu verkaufen. Sie boten es dem Inspektor Schlatter direkt zum Ankauf an. In dieser Zeit der Verhandlungen fällt nun eine vertrauliche Mitteilung eines Mitgliedes des Hzgl. Konsistoriums, des Herrn von Röder, die für die Entwicklung der Schule von Bedeutung werden sollte. Am 1.Sept. 1842 schrieb Herr von Röder an den Pastor und Schulinspektor Schatter folgenden Brief:

 

Hochverehrter Herr Pastor: Wäre es wohl nicht für die höhere Töchterschule von ersprießlichen Folgen, wenn die Inspektion und die Lehrer und Lehrerinnen beim Gonsist. darauf antrügen, daß die Töchterschule "Friederikenschule" genannt würde nach dem Namen (vielleicht) der letzten Herzogin von Anhalt- Bernburg? Es kann leicht möglich sein, daß dann die Herzogin ( und indirekt der Herzog ) (Anm. der Herzog war schon damals geistig nicht mehr zurechnungsfähig) etwas für die Anstalt thut. Beraten Sie dieß doch heute noch mit den Lehrern, aber als eine von ihnen ausgehende Idee und dann rasch ans Werk, damit, weil heute Vortrag wegen Einrichtung des Bley'schen Hauses zur Töchterschule erstattet wird, dieser neue Antrag einen Anreiz zur leichteren Acquirierung des Hauses abgeben möge. Dies ist aber nur eine ganz vertrauliche Mitteilung.

 

Hochachtungsvollst

 

Ihr ergebenster  v. Röder

 

Noch an demselben Tage fand die angeregte Konferenz statt und bereits am 2. September hatte das Konsistorium den Antrag des Töchterschulkollegiums in Händen, "die in gedeihlicher Entwicklung sich befindende Anstalt nun auch der Gnade der durchlauchtigsten Herzogin durch Vermittlung des Herzogl. Consistoril in der Weise empfehlen zu wollen, daß Höchstdieselbe allergnädigst genehmigen möge, daß die Höhere Töchterschule in Bernburg nach dem hohen, verehrten Namen ihrer Herzoglichen Durchlaucht sich die " Friederikenschule " nennen dürfte." Dieser Antrag war von durchschlagender Wirkung. Schon am 8. September war der Ankauf des Bley'schen Grundstücks " Höchsten Orts " genehmigt worden.

 

Freilich wurde der Schulklasse eine neue schwere Aufgabe gestellt; denn sie hatte den vom Staate nur vorgeschlossenen Kaufschilling im Betrage von 4000 Reichstalern sowie eine weitere Summe von 980 Talern für die innere Einrichtung der Schule mit 3% jährlich zu verzinsen und allmählich aus ihrer " Überschüssen zurückzuzahlen.

 

Bernburg, den 24. July 1810 Meister Inspector der Mädchenschule

 

 

>> Lesen Sie in der nächsten Ausgabe: Namensgebung der Friederikenschule 1842 und der Bau des neuen Schulhauses 1849/50

 

 

Die Geschichte der Friederikenschule (zuletzt Friedrich Engels Schule)

 

Oberschule für Mädchen in Bernburg von 1810 - 1950

 

Dargestellt von Otto Kersten (Leiter der Anstalt von 1945 - 50)

 

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Michael (Mittwoch, 02 November 2016 11:25)

    Erbauer des Friederiken Gymnasiums, Architekt Franz Stoye (mein Großvater) ( zusammen mit Friedrich Gothe)
    Siehe auch Facebook: Franz Stoye Architekt Bernburg